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6 Tote nach Schiesserei bei Parade zum 4. Juli in Illinois – das Wichtigste in 5 Punkten

04.07.2022, 19:1505.07.2022, 17:37

Was ist passiert?

Ein Schütze hat bei einer Parade anlässlich des Nationalfeiertags in den USA in einem Vorort von Chicago das Feuer eröffnet und mindestens sechs Menschen getötet. Rund zwei Dutzend Verletzte wurden laut Polizeiangaben nach der Tat am Montag in Highland Park im Bundesstaat Illinois in Krankenhäuser gebracht.

Zurückgelassene Stühle. Highland Park am 04. Juli 2022.
Zurückgelassene Stühle. Highland Park am 04. Juli 2022.Bild: keystone

Es scheint, als habe der Täter bei der Parade vom Dach eines Geschäftsgebäudes aus wahllos auf die Menschenmenge geschossen, sagte ein Sprecher des Sheriff-Büros von Lake County. Bei der Schusswaffe, die am Tatort gefunden worden sei, habe es sich um ein «leistungsstarkes Gewehr» gehandelt. Ein Arzt aus einem Krankenhaus in der Nähe des Tatorts sagte, in der Klinik seien 25 Menschen im Alter von 8 bis 85 Jahren mit Schusswunden behandelt worden, darunter mehrere Kinder.

Was weiss man über den Täter?

Kurz nach der Tat war noch vieles unklar. Der Schütze konnte unbekannt entkommen. Erst Stunden nach den tödlichen Schüssen gelang es den Ermittlern, einen Verdächtigen zu identifizieren – einen 22-jährigen Mann, der zu diesem Zeitpunkt noch flüchtig war. Er gelte als bewaffnet und gefährlich, die Bevölkerung solle wachsam sein, warnte die Polizei.

Um etwa 18.30 Uhr Ortszeit wurde der Wagen des mutmasslichen Täters identifiziert. Kurz darauf stoppte die Polizei den Mann nach einer kurzen Verfolgungsjagd und nahm ihn in Gewahrsam. Das berichteten unter anderem die Nachrichtensender ABC, CBS und NBC unter Berufung auf die örtliche Polizei am Montagabend (Ortszeit). Die Hintergründe der Tat waren zunächst nicht bekannt.

Beim mutmasslichen Schützen soll es sich um einen lokal bekannten Rapper handeln. Sein erfolgreichster Track kommt auf der Musikstreaming-Plattform Spotify auf über zwei Millionen Aufrufe.

Wie waren die Reaktionen auf den Vorfall?

«Heute Morgen um 10.14 Uhr wurde unsere Gemeinde durch einen Gewaltakt terrorisiert, der uns zutiefst erschüttert hat», sagte Bürgermeisterin Nancy Rotering. Der leitende Polizist am Tatort, Chris O'Neill, sagte, Polizisten und Rettungskräfte seien bei der Parade anwesend gewesen und hätten sofort reagiert. Nach der Parade war in Highland Park ein Fest zum Unabhängigkeitstag der USA geplant gewesen, das die Bürgermeisterin nach der Bluttat absagte.

Einige Polizisten waren bei der Parade vor Ort.
Einige Polizisten waren bei der Parade vor Ort.Bild: keystone

Ein Augenzeuge namens Miles Zaremski sagte dem Sender CNN, er habe mehrere Verletzte und leblose Menschen gesehen, die auf dem Boden lagen. «Es war herzzerreissend.» Er habe rund 30 Knallgeräusche gehört. Menschen seien von der Parade geflohen. «Es war einfach chaotisch.»

Was sagt Joe Biden dazu?

US-Präsident Joe Biden zeigte sich «schockiert über die sinnlose Waffengewalt, die an diesem Unabhängigkeitstag wieder einmal Trauer über eine amerikanische Gemeinde gebracht hat». In seiner Mitteilung hiess es: «Ich werde den Kampf gegen die Epidemie der Waffengewalt nicht aufgeben.» Biden und seine Demokraten fordern seit langem schärfere Waffengesetze. Weitreichende Reformen scheitern aber immer wieder am Widerstand der Republikaner im Kongress und am Einfluss der mächtigen Waffenlobby-Organisation NRA.

Was tut sich in der Waffen-Debatte in den USA?

Die USA haben seit langem mit einem riesigen Ausmass an Waffengewalt zu kämpfen. Erst Ende Mai richtete ein 18 Jahre alter Schütze an einer Grundschule in Texas ein Massaker an: Er tötete in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und 2 Lehrerinnen, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Die Polizei geriet danach in die Kritik, weil sie erst nach langer Verzögerung in den Klassenraum eindrang, in dem sich der Schütze verschanzt hatte. Gut eine Woche zuvor hatte ein 18-Jähriger in Buffalo (Bundesstaat New York) zehn Menschen erschossen, die Ermittler gehen von einem rassistischen Motiv aus.

Die Amokläufe entfachten die Diskussion über schärfere Waffengesetze neu. In den USA sind Schusswaffen oft leicht erhältlich. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC wurden 2020 landesweit fast 20'000 Menschen erschossen – mehr als 50 pro Tag.

Im vergangenen Monat beschloss der Kongress unter dem Eindruck der Amokläufe von Texas und anderer Bluttaten parteiübergreifend ein Gesetz gegen Schusswaffengewalt, das aber weit hinter Bidens Reformvorschlägen zurückblieb. Experten werteten die Verschärfung des Waffenrechts zwar als die wichtigste seit Mitte der 1990er. Das Gesetz ist inhaltlich allerdings nur ein überparteilicher Minimalkompromiss, den Kritiker als völlig unzureichend rügen.

Das von Biden Ende vergangenen Monats unterzeichnete Gesetz sieht eine intensivere Überprüfung von Waffenkäufern vor, die jünger als 21 Jahre sind. Zudem geht es darum, Gesetze aus Bundesstaaten auszuweiten, um potenziellen Gefährdern Waffen abnehmen zu können. Illegaler Waffenhandel soll auf Bundesebene bestraft werden können. Zudem sollen Milliarden in psychische Gesundheitsvorsorge und Anti-Gewalt-Programme fliessen. Auch für die Sicherheit von Schulen sind weitere Mittel vorgesehen. Das von Biden und seinen Demokraten geforderte Verbot von Sturmgewehren fehlt in dem Gesetz.

Inmitten der Debatte über Schusswaffengewalt hatte das Oberste Gericht der USA das Recht auf das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit im vergangenen Monat ausgeweitet. Der Supreme Court in Washington kippte ein mehr als hundert Jahre altes Gesetz des Bundesstaats New York, wonach man einen triftigen Grund nachweisen muss, um eine Lizenz für das verdeckte Tragen einer Handfeuerwaffe ausserhalb des Hauses zu erhalten. (sda/dpa)

(dab/yam, mit Material der sda)

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65 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tugium
04.07.2022 20:26registriert Oktober 2017
Ein Massaker am 4. Juli…Amerikanischer gehts nicht😔😒

Hauptsache hat der Supreme Court erst kürzlich noch entschieden dass es erlaubt ist überall Waffen verdeckt zu tragen🤦🏼‍♂️🤦🏼‍♂️🤢

War denn wieder kein „good guy with a gun“ zugegen?🫤
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Amadeus
04.07.2022 21:31registriert September 2015
Dänemark. 2. Schiesserei mit mehreren Toten in 10 Jahren
Amerika: ein Montag
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stookie
04.07.2022 21:25registriert Oktober 2014
Enough is enough…thoughts and prayers…and now to the weather…
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