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Dinge, die für das Uvalde-Massaker verantwortlich sind – ausser Waffen

Dinge, die in den USA für das Texas-Massaker verantwortlich gemacht werden – ausser Waffen

Am 25. Mai tötete ein 18-Jähriger im US-Bundesstaat Texas 19 Schüler und zwei Lehrerinnen, was erneut zu grosser Kritik am gängigen Waffengesetz führte. Für die konservativen Republikaner scheint der Fall klar: Das Problem liegt sicher nicht an der Verfügbarkeit der Waffen, sondern an den nachfolgenden 13 Punkten.
30.05.2022, 12:3931.05.2022, 13:38

Türen

Texas Senator Ted Cruz fand im Anschluss an das Massaker klare Worte. Sich auf ein weiteres Texas Schulmassaker aus dem Jahr 2018 beziehend, erklärt er einen scheinbar wichtigen Moment des Tathergangs: «Der Mörder trat hier auf dieselbe Weise ein, wie der Killer in Santa Fe: durch die Hintertüre.» Mit abgeschlossenen und bewachten Hintertüren hätte dieser Horror verhindert werden können, ist Cruz überzeugt.

Er habe sich mit Familien aus Santa Fe zusammengesetzt, um zu diskutieren, was man machen könne, um Schulen besser zu schützen. Dies beinhalte, dass Hintertüren nicht unverschlossen sein dürften.

Kinder in Schulen

Tragödien wie diejenige in Texas seien erschütternd, aber viel zu häufig, schreibt das konservative amerikanische Online-Magazin «The Federalist». Die sozialen Medien seien voller Beschimpfungen, Schuldzuweisungen und Forderungen nach Waffenverboten. Dabei wäre die Lösung doch so simpel:

«Um die wertvollsten, unschuldigen Leben unter uns zu schützen, müssen Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten.»

Waffenlieferungen an die Ukraine

Ebenfalls aus der Feder eines «The Federalist» Autors stammt der Vorwurf, dass US-Präsident Joe Biden lieber die Ukraine statt amerikanische Schulen mit Waffen beliefere. K-12-Schulen (Schulen, welche Kinder von Kindergarten bis zum 12. Schuljahr unterrichten) seien unter den am wenigsten geschützten Institutionen Amerikas. Statt diese besser zu schützen, habe Biden am 22. Mai entschieden, 40 Milliarden Dollar in die Ukraine zu senden.

Zu viele Schuleingänge

Auch der Vizegouverneur von Texas setzt sich für eine strengere «Tür-Politik» ein. An der Schule in Houston habe es einfach zu viele Ein- und Ausgänge gegeben, so Dan Patrick. Er kommt zum Schluss: «Hätte es einen einzigen Eingang für jeden Schüler gegeben, wäre er [der Täter] vielleicht aufgehalten worden.»

Rap-Musik, Video Games und Internet

Der republikanische Repräsentant Ronny Jackson sieht den Übeltäter derweil in Rap-Musik und Video Games.

«Ich denke einfach an die schrecklichen Dinge, die sie in der Rap-Musik hören und die schreckliche Gewalt, die sie ab einem jungen Alter schon in Video Games sehen.»

Zu guter Letzt ist natürlich auch das Internet ein grosses Problem:

«Und sie haben regelmässigen Zugang zum Internet, was für Kinder einfach nicht gut ist.»

Der Kollaps der Familie

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, forderte im Anschluss an das Schulmassaker besseren Zugang zu Institutionen für mentale Gesundheit. Dem «The Federalist» Autor John Daniel Davidson reicht diese Erklärung nicht. Man müsse noch tiefer schürfen, denn dort liege der wahre Ursprung des Problems:

«Sie hat nichts mit Waffentechnologie oder Waffenkontrollgesetzen zu tun, sondern mit unserer korrupten Kultur und insbesondere mit dem Zusammenbruch der Familie.»

Der Täter Salvador Rolando Ramos sei der Beweis für das ausgehöhlte amerikanische Zuhause: Er sei ohne Vater aufgewachsen und habe bis vor Kurzem mit seiner alleinerziehenden, angeblich drogensüchtigen Mutter gelebt.

Liberalismus

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der rechte Radio-Moderator Rush Limbaugh. In seiner Show teilt er sein Wissen mit seinen Zuhörenden:

«Die Medien wollen nicht, dass ihr das wisst, aber praktisch alle diese jungen Leute, die an Schulschiessereien beteiligt sind, sind von etwas inspiriert, das mit den Linken, Sozialismus und so weiter zu tun hat.»

Von mentaler Gesundheit will er nichts hören. Seiner Meinung nach ist die Schuld ganz klar an einem Ort zu finden: «Der Liberalismus ist garantiert die Ursache dafür».

Pornografie in Lebensmittelshops

Wenn Lebensmittelläden tatsächlich nur Lebensmittel verkaufen würden, dann wäre die Welt wohl eine bessere – findet republikanische Repräsentantin Diane Black. In einem Meeting mit mehreren Pfarrern beklagte sie letzte Woche den Zerfall der Familie und führte diesen auf Pornografie zurück. Diese spiele eine grosse Rolle in Schulschiessereien.

«Es ist in Regalen verfügbar, wenn man in einen Lebensmittelladen läuft. Ja, man muss nach oben greifen, um es zu erreichen, aber es gibt dort Pornografie. All das ist ohne elterliche Aufsicht verfügbar. Ich denke, das ist ein grosser Teil der Ursache.»

Kultur ohne Gott

Der ehemalige Präsident der Waffen-Interessengruppe NRA (National Rifle Association) Oliver North sucht in seiner Erklärung nach religiösen Gründen. Er sei 1962 in der letzten Klasse gewesen, die in der Schule noch beten durfte. Danach sei dies nicht mehr möglich gewesen. North glaubt, die Konsequenzen davon erkennen zu können:

«Wenn man sieht, was seither passiert ist – das Vertreiben Gottes aus unserer Kultur hat uns in einem Land zurückgelassen, in dem die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens nicht mehr existiert. All die Morde und Massaker sind Beweis dafür.»

Verschreibungspflichtige Medikamente

An dem kontroversen Treffen der Waffenlobby vom vergangenen Wochenende nahm auch Ted Cruz teil. Am Waffenfest in Houston ergänzte er seine Liste der Massaker-Ursachen noch um einen weiteren Punkt: verschreibungspflichtige Medikamente.

Marilyn Manson

Einfach, weil er immer wieder gern genannt wird: Marilyn Manson.

Schwarze Kleidung

Ob schwarze Kleidung tatsächlich ein Grund für das Columbine Schulmassaker von 1999 war, ist anzuzweifeln, dennoch griff eine texanische Highschool im Anschluss zu drastischen Massnahmen: Da einer der Schützen schwarze Kleidung trug, wurde allen Schulkindern verboten, komplett schwarze Kleidung zu tragen. Mindestens ein Element habe farbig sein müssen, erinnert sich die ehemalige Schülerin Olga.

Öffentliche Schulen

Mit der «The Federalist» Autorin Stella Morabito findet sich eine Stimme, welche die mentale Instabilität von Kindern in Betracht zieht. Verantwortlich dafür sollen grosse, öffentliche Schulen sein:

«Warum werden die toxischen Auswirkungen der heutigen bürokratisch geführten Megaschulen nach einer Schulschiesserei von niemandem untersucht? Es ist höchste Zeit, dass ein Teil der Schuld dort gesucht wird.»

Die Befürworter solcher Schulen nutzten den Aufruf für bessere Waffenkontrolle bloss als Ablenkung, um von ihrem Scheitern abzulenken, kritisiert die Autorin. (saw)

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98 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Oigen
30.05.2022 13:14registriert August 2018
Ich gebe den Kindern die Schuld.
Stellt euch vor es gibt keine Kinder, dann gibts auch keine schulen und keine massaker an schulen&kindern
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Fruchtzwerg
30.05.2022 13:28registriert Oktober 2017
Man könnte noch hinzufügen: Wasser. Dieses muss verboten werden, da sich herausgestellt hat, dass ausnahmslos alle Amokläufer Wasser trinken.
Und jetzt im Ernst: Die USA sind ein Failed State, der von Clowns regiert wird...
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Unicron
30.05.2022 13:13registriert November 2016
"dass US-Präsident Joe Biden lieber die Ukraine statt amerikanische Schulen mit Waffen beliefere."

Meine Güte ist das dämlich.
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