Florida bricht Rekord – so hat sich die Anzahl Hinrichtungen in den USA entwickelt
In den USA sind am Donnerstag, 5. November, in drei Bundesstaaten drei Männer hingerichtet worden. In Florida, Alabama und Indiana wurden die Todesurteile jeweils durch eine tödliche Injektion vollstreckt. Es war das zweite Mal in diesem Jahr, dass an einem Tag drei Menschen in den USA hingerichtet wurden. Zuvor hatte es einen solchen Fall am 7. Januar 2010 gegeben.
Besonders häufig wird die Todesstrafe derzeit in Florida vollstreckt. Mit der Hinrichtung des 64-jährigen Jesse Guardado hat der Bundesstaat in diesem Jahr bereits zum 19. Mal ein Todesurteil vollstreckt. Damit erreicht Florida schon Anfang November den Vorjahreswert und stellt damit seinen bisherigen Rekord ein.
Bei Hinrichtungen hat der Gouverneur eines Bundesstaates eine wichtige Rolle. Er alleine hat die Befugnis, sogenannte Death Warrants zu unterschreiben und damit Hinrichtungstermine festzulegen. In Florida hat der republikanische Gouverneur Ron DeSantis in diesem Jahr insgesamt 23 solcher Death Warrants unterzeichnet. Zwei Hinrichtungen stehen für 2026 noch aus, zwei weitere sind vorläufig ausgesetzt.
Florida hat bei Todesurteilen zudem die niedrigste Geschworenenschwelle der USA. So müssen für eine Empfehlung der Todesstrafe nur acht von zwölf Geschworenen zustimmen. Bis auf Alabama müssen in allen anderen Bundesstaaten die Geschworenen einstimmig für die Todesstrafe stimmen oder es gelten Sonderregelungen. In einigen Staaten entscheiden Richter bei Uneinigkeit der Geschworenen oder von Beginn an ein Richtergremium.
In Mississippi existiert seit 2026 zudem ein Straftatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, der unter bestimmten Voraussetzungen die Todesstrafe vorsieht. Dafür müssen mindestens acht der zwölf Geschworenen für die Todesstrafe stimmen. Bei allen anderen todesstrafenfähigen Straftaten in Mississippi ist hingegen Einstimmigkeit erforderlich.
Mehr Hinrichtungen, aber weniger Todesurteile
Die Zahl der Hinrichtungen in den USA ist zuletzt wieder gestiegen: 2024 wurden 25 Menschen hingerichtet, 2025 waren es dann 47 – der höchste Wert seit 2009.
Im laufenden Jahr wurden insgesamt 60 Death Warrants ausgestellt. Daraus ergaben sich für 2026, Stand 5. November, insgesamt 35 vollzogene Hinrichtungen, 19 vorläufig ausgesetzte und 6 weitere noch ausstehende Hinrichtungen.
Dabei war die Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten in die andere Richtung gegangen. Nach einem starken Rückgang in den 1960er-Jahren kam es zu einem fast zehnjährigen Hinrichtungsstopp. 1972 erklärte der Supreme Court die damalige Anwendung der Todesstrafe für verfassungswidrig. Erst 1976 liess das Gericht die Todesstrafe unter neuen gesetzlichen Voraussetzungen wieder zu.
In den darauffolgenden Jahren stiegen die Hinrichtungszahlen erneut an und erreichten 1999 mit 98 Vollstreckungen einen Höchststand, danach ging die Anzahl Hinrichtungen bis 2021 jedoch im längerfristigen Trend zurück, bevor die Anzahl Hinrichtungen in den letzten Jahren wieder zunahm.
Gleichzeitig ist die Zahl der neu verhängten Todesurteile langfristig deutlich zurückgegangen. Zwischen 2010 und 2014 wurden in den USA durchschnittlich noch 87 neue Todesurteile pro Jahr ausgesprochen. Im Zeitraum von 2015 bis 2019 waren es nur noch rund 39 pro Jahr. 2025 wurden landesweit 23 Menschen zum Tode verurteilt.
Gesellschaftliche Zustimmung sinkt
Auch die gesellschaftliche Zustimmung zur Todesstrafe nimmt ab: Laut einer Gallup-Umfrage vom Oktober 2025 befürworteten noch 52 Prozent der Amerikaner die Todesstrafe für Mord – so wenige wie seit rund 50 Jahren nicht mehr. 44 Prozent sprachen sich gegen die Todesstrafe aus.
Wie unterschiedlich die Bundesstaaten mit der Todesstrafe umgehen, zeigte sich ausgerechnet am selben Donnerstag: Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom kündigte an, die Todesurteile gegen alle 548 Menschen in der Todeszelle des Bundesstaates in lebenslange Haft ohne Aussicht auf Entlassung umzuwandeln. Für einen Teil der Fälle ist jedoch noch eine gerichtliche Überprüfung nötig. (ear)
