Täglich postet das Wahlkampf-Team von Kamala Harris Videos auf Tiktok, Instagram - und seit neustem auch in Whatsapp-Kanälen. Wählerinnen und Wähler können dort einen Blick hinter die Kulissen erhaschen. Sie bekommen Ausschnitte aus wichtigen Reden sowie Witze auf Kosten der politischen Gegner geboten. Die Videos werden millionenfach angeklickt und geteilt. Die Kampagne holt die US-Wähler dort ab, wo sie sind. Das zeigt sich nicht nur an Klickzahlen.
Seit die Vizepräsidentin vor knapp einem Monat verkündet hat, dass sie um das Präsidentenamt kämpfen wird, reitet die Kampagne auf einer Welle der Euphorie. Das zeigt sich auch bei den Spendeneinnahmen. In den letzten Wochen hat die Kampagne rund eine halbe Milliarde Dollar eingenommen.
Dass sich die anfängliche Erleichterung über den Rückzug des altersschwachen Präsidenten Joe Biden in helle Begeisterung über die neue Kandidatin verwandelt hat, ist vor allem einer Person zu verdanken: Wahlkampfleiterin Julie Chávez Rodriguez.
Praktisch über Nacht scharte die bis dahin unbeliebte Vizepräsidentin dank Chávez Strategie alle Parteigranden hinter sich. Selbst die graue Eminenz der Demokraten, Nancy Pelosi, die zuerst mit einer offenen Kandidatensuche liebäugelte, war gezwungen, sich hinter Kamala zu stellen - genau wie die Obamas, die sich nach anfänglichem Zögern ebenfalls offiziell für Harris aussprachen.
Nach vier Wochen Wahlkampf mit ihr an der Spitze von Kamala Harris' Team liegt die demokratische Präsidentschaftskandidatin in fast allen Swing States vorne.
Chávez Rodriguez ist eine alte Weggefährtin von Harris. Der amerikanischen Öffentlichkeit war die Aktivistin und Wahlkämpferin bisher kaum bekannt. Sie war die erste Direktorin von Harris' Büros in Kalifornien, als diese 2016 in Kalifornien zur Senatorin gewählt wurde. Danach fungierte sie zwei Jahre lang als Co-Politchefin und später Reise-Stabschefin der Wahlkampagne von Kamala Harris für die US-Präsidentschaft 2020.
I’m Kamala Harris, and I’m running for President of the United States. pic.twitter.com/6qAM32btjj
— Kamala Harris (@KamalaHarris) July 25, 2024
Die beiden Frauen kennen und schätzen sich schon lange. Nach dem damaligen Ausscheiden von Harris als Präsidentschaftskandidatin sorgte die Demokratin als frisch nominierte Vizepräsidentschaftskandidatin von Joe Biden dafür, dass die Biden-Kampagne Chávez Rodriguez als Latino-Beauftragte einen neuen Job beschaffte. Die Politberaterin war ein Glücksgriff für Biden und stieg im Weissen Haus bis zur höchsten Wahlkampfmanagerin.
Obwohl sie auf diesem Posten zuerst glücklos agierte - was angesichts der schwachen Auftritte von Joe Biden ihr nur bedingt angelastet werden kann -, übernahm Harris ihre alte Weggefährtin von Joe Biden und machte sie auch in ihrer Kampagne zur Chefin. Ein Genie-Streich, wie sich später herausstellte. Chávez Rodriguez formte aus einer blassen Vizepräsidentin die neue Kamala, die bei den Demokraten ähnliche Begeisterungsstürme auslöst wie der frühe Obama.
Gelungen ist das Chávez Rodriguez mit einer emotionalisierten Kampagne und einer genialen Strategie. Sie hat Harris bisher von Interviews mit den grossen amerikanischen Medien abgehalten und dafür gesorgt, dass die Kampagne inhaltlich erst wenige Positionen bezieht. Das mag politisch fragwürdig sein, sorgt aber dafür, dass Harris bisher kaum Wähler verprellt hat und damit für weite Schichten wählbar geblieben ist. Dazu hat Harris den Republikanern ihr Lieblingsstichwort geklaut: «Freiheit».
Plötzlich sind es nicht mehr libertäre und rechte Kreise, die für Freiheit werben, sondern die Demokraten. Für Freiheit, «über seinen eigenen Körper entscheiden zu können bezüglich Abtreibung, frei zu sein von Verschuldung wegen medizinischer Behandlungen und für die Freiheit vor staatlichem Gewaltsmissbrauch». Chávez Rodriguez verantwortete auch, dass die Demokraten Trump und seinen Vize mit dem Wort «seltsam» brandmarkten und so bis zur Weissglut brachten.
Das Gespür für erfolgreiche Themen hat Strategin Chávez Rodriguez von ihren Grosseltern geerbt. Bereits ihr Grossvater César Chávez war ein in den USA legendärer Bürgerrechtsaktivist und Klassenkämpfer. Eine Büste seines Kopfs stand lange auf dem Bürotisch von Joe Biden im Weissen Haus.
Davon profitiert hat Enkelin Julie Chávez Rodriguez aber kaum. So sollen hochrangige Mitarbeiter des Präsidenten überrascht gewesen sein, als sie kürzlich über den prominenten Hintergrund der Wahlkampfleiterin erfahren haben.
Nichtsdestotrotz hat der aktivistische Grossvater Julie Chávez Rodriguez geprägt. In einem ihrer seltenen Interviews verriet die Präsidentenberaterin, dass gemeinsames Protestieren mit den Grosseltern Teil ihrer Jugend war. Von ihrem Grossvater hat Chávez Rodriguez auch die harte Haltung zur Migrationspolitik übernommen, auf die selbst Kamala Harris nun immer mehr umschwenkt. Das dürfte zumindest laut Umfragen bei den Wählern gut ankommen und Harris helfen, ihren Vorsprung weiter auszubauen. (bzbasel.ch)
Zumindest hat sich bis Anhang, die Rodriguez Strategie als richtig erwiesen.
Freue mich riesig auf das TV-Duell !