War das lustig gemeint? Trump floppt als Witzereisser an Journalisten-Gala
Ungemütliche Momente an einer Journalisten-Gala in Washington: Ehrengast Donald Trump nutzte am Freitag seine langfädige Rede am White House Correspondents' Dinner, um über seine angeblichen Gegner in den Medien herzuziehen.
So bezeichnete der 80-Jährige die CNN-Moderatorin Kaitlan Collins als eine Lügnerin, die «erfundene Geschichten» erzähle. Sie sei zwar attraktiv, sagte er über die 34-Jährige, aber sie lache nie. Dann verglich er Collins mit der Transfrau Dylan Mulvaney, die 2023 im Zusammenhang mit einer angedachten Werbekampagne für die Biermarke Bud Light im rechten Amerika für eine Kontroverse gesorgt hatte.
Und so ging es immer weiter. Trump beleidigte bekannte Washingtoner Medienfiguren wie Jake Tapper (CNN) und Jacqui Heinrich (Fox News). Auch verspottete er führende Demokraten: JB Pritzker, Gouverneur von Illinois, bezeichnete er als «fettes Schwein», und Gavin Newsom, Gouverneur von Kalifornien, als strohdumm.
Das war wohl lustig gemeint, denn es ist Usus, dass der Gastredner an der Journalisten-Gala derbe Witze über das politische Establishment, die Medien und sich selbst reisst. Darüber mochten auch in früheren Jahren nicht immer alle Anwesenden lachen. Aber im grossen Ballsaal des «Waldorf Astoria» in Washington, in dem die Journalisten-Gala stattfand, gab es keine Reaktion. Meist lachten während der Rede Trumps eigentlich nur noch die anwesenden Kabinettsmitglieder. Die hatten wohl keine andere Wahl.
«Es war ein interessanter Abend», sagte der Präsident gegen Ende seiner mehr als 60 Minuten dauernden Rede, nachdem er einen roten Hut mit dem Wahlslogan «Trump 2028» übergestreift hatte. «Ich wusste nicht, was auf mich wartet. Und es ist viel schlimmer, als ich dachte.»
Trump gratuliert den Journalisten, die er verklagt hat
Die Journalisten-Gala hätte eigentlich bereits am 25. April stattfinden sollen. Kurz nach Beginn der ersten Auflage versuchte aber ein Attentäter, die Sicherheitsschleuse des Secret Service zu stürmen und sich Zutritt zum Ballsaal im «Washington Hilton» zu verschaffen. Der Mann wurde vom Secret Service überwältigt; ihm droht eine langjährige Haftstrafe.
Die White House Correspondents' Association kündigte an, in Absprache mit dem Präsidenten, den Anlass zu wiederholen. Aufgrund der verschärften Sicherheitsvorschriften musste die Gala aber in ein anderes Hotel ausweichen. Statt 2600 Gäste konnten nur noch 700 Menschen teilnehmen. Dafür kam es im neuen Lokal zu keinem Zwischenfall.
Bevor Trump das Wort ergriff, verteilten die Organisatoren eine ganze Reihe von Preisen für Medienschaffende, die im Weissen Haus arbeiten. So erhielten Journalisten des «Wall Street Journal» eine Auszeichnung für ihre Artikel, die sich um die einstige Freundschaft zwischen ihm und dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein drehte.
Trump hat die Zeitung verklagt und verlangt 10 Milliarden Dollar Schadenersatz. Am Freitag aber gratulierte er den Journalisten und schüttelte die Hände der Medienschaffenden. Zuvor hatte er resigniert gestikuliert, als der Preis angekündigt worden war und gesagt: «Ich weiss nicht.» Das war immerhin ziemlich lustig. (schweizheute.ch)
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