Dresscode im Büro ab 30 Grad: Eine Firma überrascht mit ihrer Antwort
Über 30 Grad, der Schweiss läuft in Strömen und die Ventilatoren laufen auf Hochtouren. Doch wie kleidet man sich bei so einer Bruthitze für die Arbeit? Auch Personen, die nicht körperlich anstrengende Tätigenkeiten draussen verrichten, versuchen sich outfittechnisch gegen die Hitze zu wappnen. Doch was ist überhaupt erlaubt? Dürfen Büroangestellte mit kurzen Hosen und offenen Schuhen zur Arbeit kommen?
Bei der Rückversicherung Swiss Re gibt es seit Kurzem klare Regeln. Ende Juni verschickte der Schweiz-Chef Gianfranco Lot an die Belegschaft Tipps, wie sie trotz Hitzewelle den Büroalltag meistern. Dabei wies er den männlichen Teil des Personals darauf hin, dass Shorts «fürs Wochenende» seien, berichtet «Blick».
Doch wie sieht es andernorts aus? Wir haben uns bei den Schweizer Unternehmen umgehört, wie sie es mit Dresscodes halten.
Zeitgemässer Business-Look
Besonders bei Banken geht es seriös zu und her. Bei der Zürcher Kantonalbank gilt für Mitarbeitende mit Kundenkontakt «ein stilvoller, zeitgemässer Business-Dresscode», erklärt Yannick Fischer von der ZKB. «An sehr warmen Tagen kann dieser situativ angepasst werden – beispielsweise, indem auf das Tragen eines Sakkos oder Blazers verzichtet wird», heisst es weiter.
Für Mitarbeitende in den Kundenhallen gibt es von der Bank sogar seit Sommer 2024 eine Anleitung für den Business Casual Look. Darin wird auf den Wandel der Kleidung in der Business-Welt eingegangen. Der noch vor einigen Jahren strikte Dresscode wurde durch eine etwas lockere Variante ersetzt. Erlaubt seien demnach auch Sneaker und helle Chino-Hosen, denn «Kleidung drücke Persönlichkeit aus».
Auch zukünftig dürften sich die Kleiderregeln an den gesellschaftlichen Wandel anpassen, sofern die Professionalität nicht darunter leidet. Von Ernst & Young heisst es dazu:
Beim Beratungsunternehmen wird von den Angestellten grundsätzlich ein gepflegter Look erwartet. «Dies gilt auch während warmer Sommermonate und orientiert sich insbesondere am jeweiligen Arbeitsumfeld, an den Terminen sowie Erwartungen unserer Kunden», erklärt Sonja Müller, Head of Talent Team Switzerland. Bei Terminen mit Kunden sind die Anforderungen demnach höher.
Bei der Mehrheit der befragten Schweizer Unternehmen gibt es keine Kleiderordnung. Von der Axa heisst es etwa:
Einheitliches Erscheinungsbild
Bei gewissen Branchen wie dem Detailhandel spielt Individualität eine untergeordnete Rolle. In den Migros-Filialen trägt laut Mediensprecherin Laura Dikhoff «die Arbeitskleidung zu einem einheitlichen Erscheinungsbild bei und berücksichtigt die betrieblichen Anforderungen». In Bereichen wie der Migros-Industrie stehen zudem funktionale sowie sicherheits- und hygienerelevante Anforderungen im Vordergrund.
Auch Coop stellt seinen Angestellten gewisse Kleidungsstücke zur Verfügung:
Für die rund zehn Prozent der Coop-Mitarbeitenden in der Verwaltung gebe es jedoch keinen Dresscode.
Chef in Flipflops, Angestellte in Badehosen
Besonders locker geht es bei Digitec Galaxus zu. Jede Person darf dort so sein, wie sie ist, denn Eigenverantwortung steht im Mittelpunkt. Vorgemacht wird es von ganz oben:
Trotz der grossen Freiheit gelte auch hier der gesunde Menschenverstand. «Das Erscheinungsbild soll gepflegt und sauber sein. Kleidungsstücke, die beispielsweise provozierend, beleidigend, anstössig, rassistisch oder Ähnliches sind, werden nicht toleriert», sagt Heller.
Etwas angepasster muss das Personal in den Shops sein. Dort sind offene Schuhe, High Heels sowie Mützen und Caps verboten. Bei Angestellten im Lager müssen zudem ebenfalls die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, wobei Sicherheitsschuhe, Hosen bis zum Knie und nicht zu locker sitzende Kleidung Pflicht sind. Diese könnten sich nämlich in den Anlagen verfangen.
Auch bei den Swisscom-Shops gibt es spezielle Richtlinien: Swisscom-Poloshirts sind Pflicht, welche es aber auch in einer kurzen Variante gibt. Die Hosen können frei gewählt werden, sie sollten aber in der Farbe Grau sein. Und auch schlichte weisse Sneaker sind erlaubt.
Bei den SBB gibt es für Angestellte mit direktem Kundenkontakt, wie etwa dem Personal in den Zügen oder beim Kundenservice in den Reisezentren, eine Uniform, für die es saisonal abgestimmte Artikel gibt. Beim Büropersonal wird ein gepflegtes, professionelles und angemessenes Auftreten erwartet, heisst es von SBB-Sprecherin Fabienne Thommen.
Bei der Post steht Angestellten in der Sortierung, Zustellung und in den Filialen «funktionelle und/oder komfortable Arbeitskleidung zur Verfügung, welche sie an heissen Sommertagen tragen können», schreibt Sprecher Patrick Stepper.
Uniformpflicht bei der Swiss
Bei der Swiss gibt es etwa für Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sowie gewisses Bodenpersonal eine Uniformpflicht, welche einen einheitlichen, professionellen und stilvollen Auftritt sicherstellt. Bei Hitze gibt es jedoch die sogenannte erleichterte Uniform. Dabei kann beispielsweise auf das Tragen des Gilets oder des Blazers verzichtet werden, erklärt Silvia Exer-Kuhn, Corporate Communications bei der Swiss. Mitarbeiterinnen können zudem generell zwischen Hose und Jupe wählen. Konkrete Anpassungen an die zunehmenden Hitzewellen werden aber nicht vorgenommen.
Bei den Materialien der Uniformen wird auf Atmungsaktivität und angenehmen Tragekomfort geachtet. Neben Angestellten mit Uniformpflicht gibt es verschiedene Vorgaben bezüglich Kleidung, Schuhen, Frisur, Schmuck, Make-up sowie weiterer Aspekte. Diese sind im Uniformreglement festgehalten, welches regelmässig überarbeitet wird, um sich beispielsweise gesellschaftlichen Trends anzupassen.
Im Flugzeugunterhalt tragen die technischen Mitarbeitenden einheitliche Arbeitskleidung, bestehend aus Poloshirt, Hosen sowie je nach Temperaturen Pullover und Jacke. Zudem sind bei der Arbeit rund um die Flugzeuge und in den Werkstätten und Hangars Sicherheitsschuhe und lange Hosen vorgeschrieben. Auch im Sommer. Um sich vor Hitze schützen zu können, stehen den Mitarbeitenden ausserdem Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen zur Verfügung.
So kühlen Unternehmen ihre Büros
In den meisten Büros wird darauf geachtet, dass die Belegschaft nicht vor Hitze zerläuft. Bei Coop gelingt dies mithilfe von Klimaanlagen und Ventilatoren. Bei der Swiss gilt dasselbe. Auch in den Flugzeugen hat die Crew die Möglichkeit, die Temperatur zu senken. Bei den SBB variiert die Ausstattung je nach Standort, die Hitze wird jedoch mit entschiedenen Massnahmen minimiert. Und auch bei Digitec Galaxus kommt es auf den Standort an. Je nachdem werden Kühldecken, Klimaanlagen oder reversible CO₂-Wärmepumpen genutzt. Laut Tobias Heller gibt es besondere Massnahmen in den Shops:
Bei der Post setzt man auf Minergie, wie Patrick Stepper erklärt: «Zahlreiche Gebäude der Post sind nach Minergievorgaben gebaut. Daher entstehen aufgrund der Raumtemperatur keine erschwerten Bedingungen.»
