Der Brexit war eine schlechte Idee, der Megxit auch: Harry & Meghan kommen heim
Das Leben besteht aus Widersprüchen. Wie viele Paare lassen sich scheiden, obwohl sie einander lebenslänglich versprochen haben? Wie viele Veganer sind wieder zu Karnivoren geworden? Und hat nicht Oscar Wilde gesagt: «Der Gebildete widerspricht den anderen, der wahre Weise sich selbst»?
Prinz Harry, Landsmann von Wilde, ist so gesehen ein wahrer Weiser. Mutmasslich, jedenfalls, denn zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nichts von offizieller Seite bestätigt, es gibt wieder einmal «Quellen» beziehungsweise «Personen», die «dem Palast nahestehen» und wissen wollen, dass Harry, Meghan, Archie und Lilibet noch im August 2026 nach England heimkehren, in eine noch nicht näher bekannte Bleibe, die vermutlich in der Nähe von London steht und noch vermutlicher nicht zu den royalen Hütten und Palästen gehört.
In einer «Schock-Wende» («The Sun») hätten sich Harry und Meghan nach sechs Jahren USA umentschieden und seien dabei, das Multimillionärs-Kaff Montecito in Kalifornien zu verlassen. Ihre dortige Villa und eine andere in Portugal sollen sie allerdings behalten wollen, man weiss ja nie, wozu so ein Ferienhaus gut ist. Und schliesslich vermietet König Charles himself jetzt auch mehrere Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Areal von Schloss Sandringham an seine Fans (Ich sage nur: der Wasserturm! Hach!).
Angeblich hat auch Charles erst am Sonntag von der Schock-Wende erfahren haben und soll darüber ganz erbaut sein, er ist ja auch schon 77 und befindet sich noch immer in einer (bis jetzt gut verlaufenden) Krebsbehandlung. Und er ist ausgelaugt vom Skandal um seinen Bruder Andrew. Künftig wird er seine beiden Söhne und seine fünf Enkelkinder öfter um sich haben können.
Möglicherweise, so wird gemutmasst, hatte auch Harry das Bedürfnis, den alten, angeschlagenen Vater wieder regelmässig zu sehen, erst im Juli haben er und Meghan zusammen mit den Kindern Charles und Camilla besucht. Ob es da wieder gefunkt hat zwischen Vater und Sohn? Es wäre verständlich. Jedenfalls soll Harry danach versprochen haben, den Vater alle paar Monate zu besuchen.
Oder – wie gesagt, noch ist alles ein Stochern im Nebel – kehren Harry und Meghan etwa aus einer verlorenen Schlacht zurück? Waren sie in Amerika ein Misserfolg und hoffen jetzt, dass ihre Marke zuhause noch etwas mehr zählt als drüben? Netflix hat bekanntlich den spektakulären 100-Millionen-Dollar-Deal , den sich die beiden im Herbst 2020 geangelt hatten, im Herbst 2025 zu sehr viel schlechteren Konditionen verlängert. Und seit März unterstützt Netflix Meghans Luxus-Konfitüre-Marke For Ever für immer nicht mehr.
Dabei hatte alles so gut begonnen. Die beiden Exil-Royals perfektionierten das öffentliche Täubelen und Selbstbedauern auf allen Kanälen. März 2021: Meghan offenbart bei Oprah Winfrey ihre Suizidgedanken, die sie in den goldenen, aber auch rassistischen Käfigen der Monarchie überfallen hatten. Dezember 2022: In der Netflix-Dokuserie «Harry & Meghan» offenbaren beide noch viel mehr Elend. Januar 2023: Jetzt spricht Harry! In seiner Autobiografie «Spare» findet der Elendsporno seinen Höhepunkt, er diffamiert sämtliche Mitglieder seiner Familie, mit Ausnahme seiner Mutter Diana, Und erklärt seinen Bruder William zu «meinem Erzfeind».
Oprah, «Harry & Meghan» und «Spare» sind Hits, allein das Buch bringt ihnen nochmals 20 Millionen Dollar Vorschuss und noch ein paar Millionen an Tantiemen. Der Rest eher nicht. Meghans Streublümchen-Verherrlichungs-Orgie «With Love, Meghan» schafft es 2025 nicht unter die Top-300 von Netflix, Harrys Hobby-Doku «Polo» verendet gar auf Platz 3436. Mal klappt's, mal klappt's nicht, aber zur richtigen High Society gehören die beiden in den USA nicht, man sieht sie weder bei der Met Gala noch an einer Oscar-Party.
Harry will sehr viel Geld von zuhause für das Sicherheitsdispositiv in Amerika – und kriegt es nicht. Gemeinsam mit anderen britischen Prominenten, etwa Elton John, strengt er einen Prozess gegen britische Boulevardmedien an – und verliert. Die alte Heimat ist harzherzig. Noch im Sommer 2025 sagt Harry Dinge wie: «Ich kann mir derzeit keine Welt vorstellen, in der ich meine Frau und meine Kinder zurück nach Grossbritannien bringen würde.»
Jetzt schon. Seit zehn Jahren sind Harry und Meghan zusammen, sechs Jahre davon haben sie im Kampf gegen die Royals verbracht, jetzt hat es sich offenbar ausgetäubelet. Endlich. Oder die Geldquelle des eigenen Elends ist versiegt. Die Kinder sollen auch bereits in einer Schule angemeldet sein, und Meghan und Harry sollen nicht mehr in ihre Rollen als «arbeitende Royals» zurückschlüpfen, sondern selbständig bleiben. Mit einer ganzen Menge Privilegien, versteht sich.
Irgendwann werden sie auf Netflix gewiss die Regie über ihre Rückkehr übernehmen und «ihre» Geschichte erzählen. Wird sie minimal selbstkritisch sein oder die Plattform wieder zum Schlachtfeld machen? Fragt sich bloss, was William und Kate dazu meinen. Sie wurden in den vergangenen Jahren von Harry und Meghan abgewatscht wie keine anderen. Ob sich der Bruderzwist dem Vater zuliebe bald wieder in Bruderliebe verwandelt, bleibt also abzuwarten. Am Ende ist alles nichts als ein leidiger Familienstreit.
Und vielleicht sind die Ausreisser ja jetzt gerade in Heathrow gelandet, wer weiss, und schon morgen sitzen sie bei Kate und William am Tisch, trinken Gin Tonic und schliessen Frieden. Und der ganze «Megxit» (logisch, dass die Krise nach der Frau getauft wird) war nichts als eine schlechte Idee, die sich rückgängig machen lässt.
