3000 Sandwiches für den Bärenhunger! Mehr vom USA-Trip von Charles und Camilla
So viel stand schon fest, bevor Charles und Camilla am 27. April in Amerika landeten: Sowohl Sohn Harry als auch der Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, hatten verlauten lassen, dass sie C&C NICHT treffen würden. Also im Fall von Harry gar nicht, im Fall von Mamdani nicht privat. Mamdani ist der Sohn indischer Eltern. Von Charles, auch das gab er im Vorfeld des Staatsbesuchs bekannt, hätte er gerne die Rückgabe des Koh-i-Noor-Diamanten an Indien.
Wir erinnern uns: Die territorial übereifrige Queen Victoria stösst den elfjährigen Kinder-Maharadscha Duleep Singh vom Thron, reisst den Diamanten an sich, hält sich Duleep wie ein exotisches Äffchen am Hof, schleift den kostbaren Diamanten auf die Hälfte zusammen und lässt ihn in eine Brosche fassen. Später ziert er eine Krone, die Camilla nicht an ihrer Krönung tragen darf, weil sie damit Indien beleidigen würde.
Doch zurück zum USA-Abenteuer der Royals: Es begann am 27. nachmittags mit einem Staats-Tee im Weissen Haus, wo sich die Windsors und die Trumps ganz ungezwungen beschnuppern konnten. Danach ging's zu einer Gartenparty mit 650 Gästen in der britischen Botschaft. Serviert wurden 3000 Sandwiches und Scones, die Sandwiches hatten folgende Füllungen: schottischer Lachs mit Zitronenbutter, Roastbeef vom britischen Rind mit Meerrettich, Eier mit Mayo und schliesslich Gurke mit nichts.
Am 28. ging's weiter mit den bereits hinlänglich bekannten Reden von Charles im Kongress und abends, beim grossen Staatsbankett, dem unser Daniel Huber eine ungeniessbare Menge an Zwiebeln bescheinigt, vor Trump.
Der 29. brachte vier neue Termine: Der Tag begann mit einer Bouquet-Niederlegung auf der Gedenkstätte von 9/11, wo unter sehr vielen Menschen auch der Bürgermeister zugegen war, der mit Charles ein paar «Höflichkeitsfloskeln» austauschte, sonst nichts. Dann trennten sich C&C. Gartenfetischist Charles besuchte einen Schulgarten, wo er Hühner mit Salatblättern fütterte und hingerissen den Schülerinnen bei der Pflege ihrer Kräuter zuschaute.
Camilla traf es härter: In der prächtigen New York Public Library wurde sie erst von Vorzeige-New-Yorkerin Sarah Jessica Parker, dann von einem Mann in einem roten Winnie-the-Pooh-Pulli überfallen. Parker mimte Camillas Gastgeberin, bei dem Mann handelte es sich um den ehemaligen britischen Tory-Politiker und TV-Journalisten Gyles Brandreth, einen Hardcore-Royalisten.
Auch die «Devil Wears Prada»-Vorlage Anne Wintour war da und war wichtig (wieso?) und busselte Camilla ab. Und Camilla schenkte der Public Library ein Känguru namens Roo. Denn Roo fehlte der Library noch. Roo ist das Kind von Kanga, dem grossen Känguru aus «Winnie-the-Pooh» des britischen Autors A. A. Milne. Dieser schenkte seinem Sohn Robin diverse Stofftiere und dichtete ihnen wundervolle Geschichten an. Seine Protagonisten wurden ein kleiner Junge namens Robin und Pu der Bär. Heuer wird das grossartige Kinderbuch hundert Jahre alt.
Und die Stofftiere? Die hat Robin Mile 1947 dem Präsidenten seines amerikanischen Verlags mitgegeben. Der Verlag stellte die Tiere in einer Glasvitrine in seinem Foyer aus, 1985 schenkte er sie der New York Public Library. Alle waren da: Pu, der Esel, das Ferkel, der Tiger und das Känguru. Bloss das Känguru-Baby fehlte, das hatte Robin einst als Kind im Gemüsegarten verloren. Camilla brachte es nun mit. Nicht das Original natürlich, aber eine vom besten und traditionellsten Stofftierhersteller in Grossbritannien fabrizierte Kopie.
Riesenjubel in der Library. Und Camilla las ein paar enorm gelangweilt scheinenden Schulkindern aus den Abenteuern des Bären von geringem Verstand vor.
Endlich sahen sich C&C wieder, nämlich zu einer Gala im Auktionshaus von Christie's, wo Camilla schon wieder auf Anna Wintour, aber auch auf Lionel Richie, Stella McCartney oder Donatella Versace traf. Ausgerichtet wurde die Gala von dem vor 50 Jahren von Charles gegründeten King's Trust, einer britisch-amerikanischen Organisation, die den kulturellen und wohltätigen Austausch zwischen beiden Ländern fördern sollte. Charles hielt wieder eine Rede.
Die nächste Station ist Virginia. Da wird Camilla eine Pferdefarm besuchen, und Charles wird mit der indigenen Bevölkerung über Umweltschutz reden. Danach gibt's noch eine Riesenparty anlässlich irgendeines Jubiläums. Und vielleicht sagen sie unterwegs einmal zueinander, was auch der Pu-Bär sagte: «Ein Tag mit dir ist mein Lieblingstag. Also ist heute mein neuer Lieblingstag.»
(sme)
