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Dirty Royals: Norwegens Koks-Prinz und andere höfische Skandale

Prinsesse Ingrid Alexandras myndighetsdag feires med gallamiddag pa slottet Oslo 20220617. Prinsesse Ingrid Alexandra og kongefamilien pa slottet i Oslo fredag. Marit Tjessem, kronprinsesse Mette-Mari ...
Das ist die norwegische Königsfamilie. Der Blonde rechts aussen ist das schwarze Schaf Marius Borg Høiby.Bild: www.imago-images.de
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Dirty Royals: Skandale sind das Letzte, was Monarchien am Leben hält

Königshäuser funktionieren heute im Kampf um Aufmerksamkeit am besten wie Reality-TV.
29.08.2024, 20:0629.08.2024, 20:06

Die Royals, die uns umzingeln, die kontinental-europäischen und die britischen, sind im Grunde komplett egal. Gäbe es sie nicht mehr, so würde sich an unseren persönlichen kleinen Leben überhaupt nichts ändern. Denn im Grunde haben diese Royals alle keine wesentliche Rolle. Sie sind bloss teuer kostümierte Kuchendekoration, konstant irgendwelche Bänder durchschneidende, sich über Krankenbette oder kreative Kinder beugende oder Champagerflaschen gegen neue Schiffe donnernde, heiratende, sterbende Tourismusattraktionen.

Aber sonst? Sie führen zum Glück keine Kriege mehr, und über sowas Wesentliches wie weltweite Ölpreise können sie im Gegensatz zu ihren saudi-arabischen Pendants auch nicht bestimmen. Man nimmt sie halt so hin und denkt immer mal wieder über ihre Überflüssigkeit und Abschaffung nach, die Royals selbst wahrscheinlich auch. Gelegentlich sagt King Charles, dass Umweltschutz wirklich wichtig sei, zieht das selbstgemalte Aquarell einer walisischen Idylle aus der Tasche und serviert Shortbread aus der eigenen Manufaktur, dazu krächzt ein letzter, lebensmüder Corgie seiner Mutter und ein überzüchtetes Rennpferd wiehert arthritisch.

All die alten Kronen und anderen Juwelen, die Zepter und Reichsäpfel und Orden sind Reliquien aus uralten Zeiten, Symbole für etwas, das selbst längst nur noch symbolische Bedeutung hat. Doch wer sie tragen darf, gilt erstaunlicherweise immer noch als auserwählt und gesalbt und Gott näher als wir keuchendes, kreuchendes Erdenvolk.

Royals sind erhabene Figuren, auf ihren Schultern sitzen nicht Köpfe, sondern Häupter, sie erhalten die besten Ausbildungen in Elite-Institutionen, was von ihnen erwartet wird, gleicht starren mathematischen Formeln. Wer ihnen begegnet, muss immer noch tausend Regeln und Knickse und demure Blicke und Anreden mit der richtigen Titelreihenfolge auswendig lernen. Sie leben neben dem Papst in der letzten sublimen Sphäre auf Erden.

IMAGO / i Images

. 01/07/2020. Cheltenham, United Kingdom. Britain s Prince Charles, looks at a Gloucestershire Old Spot pig with her piglets during a visit to the Cotswold Farm Park near Cheltenham, ...
King Charles als Schweinehirt im Tweed.Bild: IMAGO / i Images

Doch dann und wann reisst so eine polierte Fassade ein und ein Royal fällt vom hohen Ross und benimmt sich derart daneben, wie wir uns das kaum je getrauen würden. Es sei denn, wir zögen ins Reality-TV, das ist bekanntlich die selbsterklärte Schule des schlechten Benehmens.

Der aktuelle Absturz des norwegischen Koks-Prinzen ist mal wieder ein schöner Beweis, dass es sich bei Royals wirklich nicht um Vorbilder handelt, sondern um charakterschwache, dekadente Rich People. Prinz Harry als Teenager im Nazi-Kostüm lässt grüssen. Bei Prinz Andrew ist eh jede Hoffnung auf einen Funken Integrität verloren. Und erinnert sich noch jemand an Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson, die von der britischen Presse Bestechungsgelder entgegennahm und ihr dafür Zugang zu royalen Kontakten versprach? Auch die amtierende Königin von England hatte vor ihrer ersten Ehe keine wirkliche Aufgabe ausser Partygirl.

FILE -- Britain's Prince Andrew weds Sarah Ferguson, in London's Westminster Abbey, in this July 7, 1986 file photo. Clarence House in London announced Tuesday Nov. 23, 2010, that Prince Wil ...
Da hatten sich zwei gefunden: Sarah Ferguson und Prinz Andrew 1986 bei der Hochzeit.Bild: AP PA, FILE

Und was war schon wieder mit dem immer schlecht gelaunten deutschen Prinzen Ernst-August von Hannover, der einst die gediegene Caroline von Monaco heiratete und Journalisten mit dem Regenschirm verprügelte? Überhaupt: Monaco! Fürst Albert mit seinen unehelichen Kindern, Bastarde hätten sie früher geheissen. Und erst seine Schwester Prinzessin Stéphanie, in den 80ern das jugendliche Supermodel unter den Royals. Sie hat einen Rekord im royalen Lieblingshobby, dass man sich seine Partnerin oder seinen Partner echt nicht unter Literaturnobelpreisträgern suchen muss, gesetzt: Ihre Männer, soweit bekannt, waren nach Alain Delon und dem Rennfahrer-Sohn von Jean-Paul Belmondo ein Leibwächter, noch ein Leibwächter, ein Zirkusdirektor und ein Zirkusartist.

Paul Belmondo porte Stéphanie de Monaco dans ses bras à Paris en 1983, France. (Photo by Bernard CHARLON/Gamma-Rapho via Getty Images)
Prinzessin Stéphanie von Monaco und der Rennfahrer Paul Belmondo. Eigentlich schade, dass aus den beiden nicht mehr geworden ist.Bild: Gamma-Rapho

Victoria von Schweden heiratete ihren Fitnesstrainer, ihr Bruder Carl Philip ein ehemaliges Erotik-Model – plötzlich Prinzessin! Dass Diana einmal in einen Arzt verliebt war, gibt ihr da direkt eine neue Tiefenschärfe. Die anderen Erwählten erinnern ... na? Woran? Etwa gaaaanz leicht an die körperbetonten Berufe im «Bachelor»?

STOCKHOLM 20150613 Prins Carl Philip och hans hustru Sofia efter bröllopet i Slottskyrkan. Foto Henrik Montgomery / TT kod 10060 Stockholm Sverige x10060x *** STOCKHOLM 20150613 Prince Carl Philip an ...
Möglicherweise sind der schwedische Prinz Carl Philip und seine Sofia das attraktivste royale Paar.Bild: www.imago-images.de

Es macht ja aber auch Sinn: Royals sind nichts als von der Bevölkerung finanziertes Reality-TV. Ihr Zweck ist nicht mehr das Regieren, sondern die Show, die Unterhaltung. Emotionen. Einerseits zieht Mitleid. Mit unglücklichen angeheirateten Frauen wie Diana, Letizia, Charlène, Kate und Meghan. Andererseits Fremdscham und Schadenfreude. Letztere sind die Hefe im täglichen Brot der Aufmerksamkeitsökonomie. Sie sorgen dafür, dass das Publikum dranbleibt und sich den Royals gelegentlich wohlig überlegen fühlt. Und das schafft man nur mit Fallhöhen.

Mit Koks-Prinzen und Zirkus-Prinzessinnen also. Mit Bösewichten, Bastarden und Busenludern. Mit restlos all den Schachfiguren, die «Game of Thrones» zum Welterfolg gemacht haben. Und manchmal – wie bei Prinz Andrew und während Dianas tragischen letzten Tagen – gibt es, zynisch betrachtet, sogar etwas True Crime. Lauter schlaue Täusch-Manöver, um die Untertanen davon abzulenken, dass sie definitiv zu hohe Abo-Beiträge bezahlen.

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