DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kamerateams lauern am Morgen nach Meghans und Harrys Interview mit Oprah Winfrey der royalen «Firma» vor dem Buckingham Palace auf.
Kamerateams lauern am Morgen nach Meghans und Harrys Interview mit Oprah Winfrey der royalen «Firma» vor dem Buckingham Palace auf.Bild: keystone
Kommentar

War das jetzt all die Aufregung wert?

08.03.2021, 14:3209.03.2021, 14:37

Die britischen Medien überbieten sich darin, das zweistündige Gespräch von Oprah und dem Paar, das mal royal war, es dann nicht mehr sein wollte, aber gerade daraus enorm viel symbolisches, emotionales und kapitales Kapital schlägt, hochzujazzen. Schliesslich muss jetzt einkassiert werden.

Nicht nur CBS, auch ausseramerikanische Sender wie ITV oder RTL müssen damit Quote machen, der Einkauf war nicht billig, die Werbeminuten wurden überteuert verkauft, das muss sich jetzt einfach lohnen. Und am kommenden Samstag, wenn wirklich alle schon alles wissen und das Ganze sowas wie Schnee vom letzten Jahr ist, wird es auch noch auf SRF gezeigt. Erwartet wurde ein Explosiv-Interview wie das mit Diana 1995, aber ein wirklich enthüllender Sprengsatz für die Ewigkeit wie Dianas «Well, there were three of us in this marriage, so it was a bit crowded» ist beim besten Willen nicht gefallen.

1995 stürzt Diana mit taktisch hervorragend eingesetztem Bambi-Blick und einigen Geständnissen über die Ehe mit Charles die britische Monarchie ins Chaos.
1995 stürzt Diana mit taktisch hervorragend eingesetztem Bambi-Blick und einigen Geständnissen über die Ehe mit Charles die britische Monarchie ins Chaos.Bild: Sygma

Natürlich ist es traurig, dass Meghan im goldenen Käfig derart verzweifelte, dass sie Suizidgedanken hegte. Und es ist unendlich bitter, dass die «Firma» ihr eine Therapie untersagt haben soll, weil der royale Ruf darunter zu leiden hätte. Und wenn es stimmt, dass Bedenken über die Hautfarbe des noch ungeborenen Archies geäussert wurden, so ist das skandalös. Aber war das jetzt all die Aufregung im Voraus wert? Ist es wirklich erstaunlich? War die Firma nicht gerade dafür bestens bekannt? Und waren es nicht schon immer die Liebesbeziehungen, die unter der Traditionsstarre einer Institution besonders litten?

Edward VIII. verzichtete aus Liebe zur geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson auf den Thron. Prinzessin Margaret verzichtete auf eine Ehe mit dem geschiedenen Peter Townsend, weil sie dann alle ihre royalen Privilegien verloren hätte. Diana war immer nur eine unzulängliche Ersatzfrau für Camilla. Und Meghan ist die Schauspielerin, die sich in einen Prinzen verliebte und sich – wie sie im Interview gesteht – keine Sekunde lang Gedanken machte, in was für eine Familie sie eigentlich einheiratet. Die ausblendete, dass die Windsors weder mit ethnisch durchmischten amerikanischen Self-Made-Milliardärs-Familien noch mit «Plötzlich Prinzessin» zu tun haben.

Ganze elf Monate lang war Edward VIII. 1936 König. Seine langjährige Beziehung mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson, die er nicht aufgeben wollte, erforderte schliesslich seinen Rücktritt. Die beiden heirateten 1937.
Ganze elf Monate lang war Edward VIII. 1936 König. Seine langjährige Beziehung mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson, die er nicht aufgeben wollte, erforderte schliesslich seinen Rücktritt. Die beiden heirateten 1937.Bild: AP/AP

Innerhalb der Firma vermag die Liebe nicht allzu viel zu überwinden. Jedenfalls nicht die importierte Liebe. Der Selbstschutz der Windsors dagegen ist absurd und stossend. Zwar wurde Prinz Andrew nach Bekanntwerden seiner Verstrickungen mit dem Mädchenhändler Jeffrey Epstein seiner repräsentativen Pflichten vorübergehend enthoben, aber sonst fiel kein Wort des Missfallens und keine Entschuldigung. Als Prinzessin Michael von Kent an Weihnachten 2017 Meghan kennen lernte, kommentierte sie dies mit Tragen einer venezianischen Mohren-Brosche.

Prinzessin Michael von Kent fährt 2017 mit ihrer «Blackmoor»-Brosche zum Weihnachtslunch der Royal Family.
Prinzessin Michael von Kent fährt 2017 mit ihrer «Blackmoor»-Brosche zum Weihnachtslunch der Royal Family.Bild: UK Press

Die rassistischen Witze, die Queen-Gatte Prinz Philip auf seinen Reisen durch das Commonwealth allenthalben fallen liess und damit bewies, dass das Prinzip Commonwealth eben nicht auf einer gleichberechtigten Gemeinsamkeit vieler, sondern auf dem von allen erarbeiteten Wohlstand weniger beruht, wurden allgemein als der possierliche Humor eines knorrigen Individualisten bewertet. Und dass die Kostümparty, an der Harry 2005 (von William unterstützt) als Nazi verkleidet teilnahm, ganz offiziell «Colonials and Natives», also Kolonialherren und Eingeborene hiess, das störte in der Firma niemanden.

Diese Vision geht nur in der Fiktion: Der britische Hofstatt, reimaginiert im Netflix-Hit «Bridgerton».
Diese Vision geht nur in der Fiktion: Der britische Hofstatt, reimaginiert im Netflix-Hit «Bridgerton».Bild: Netflix

Was also hat Meghan erwartet? Dass Liebe alle Schranken niederreisst? So wie in «Bridgerton», wo ein weisser König eine Schwarze heiratet und plötzlich ist der halbe Hofstaat schwarz und Rassismus ein Gespenst aus der Vergangenheit? «Bridgerton» ist ein fiktionales Experiment, eine kreative Geschichts-Appropriation, angelehnt an mögliche Ereignisse, weit mehr Märchen als Historie.

Meghan und Harry erlebten in England die ganz normale royale Realität, vorbelastet durch Jahrhunderte an Traditionen und Konventionen. Dass die beiden jetzt einen Vertrag mit «Bridgerton»-Produzent Netflix haben, ist eine wahrhaft amerikanische und durchaus ironische Wendung des Schicksals. Sie werden dort noch viel, viel mehr Sendezeit erhalten als bei Oprah. Denn wie man die Medien als Multiplikator seiner Geschichte nutzt, mindestens das haben sie von Diana in aller Perfektion gelernt. Sie können daraus noch viel Kapital schlagen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Meghan Markle und Prinz Harry

1 / 7
Meghan Markle und Prinz Harry
quelle: ap/the canadian press / nathan denette
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Meghan über Rassismus in der Royal Family

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

112 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
The oder ich
08.03.2021 15:02registriert Januar 2014
Das Schöne für uns in der Schweiz ist ja, dass wir an das ganze monarchistische Zeug keinen Rappen zahlen müssen und trotzdem unterhalten werden.
74022
Melden
Zum Kommentar
avatar
Glenn Quagmire
08.03.2021 14:47registriert Juli 2015
Die Frage nach der Babyhautfarbe könnte auch total harmlos sein. Meine Familie ist "gemischt" da gab es bei Schwangerschaften auch schon die Frage, wird es eher ein dünkleres Baby wie der die Grosseltern von der einen Seite oder wird es eher "europäsicher". Bei solchen Aussagen kommt es halt echt darauf an, wie sie zu verstehen sind. Und mit all den Kleinen gab es wirklich schon Vanille, Schoko und Caramel...und alle waren (sind) absolut knuddlig und süss.
67671
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sarkasmusdetektor
08.03.2021 15:13registriert September 2017
Dass Meghan nicht gewusst haben will, worauf sie sich mit dieser Heirat eingelassen hat, klingt allerdings ziemlich unglaubwürdig. Vielleicht war sie wirklich die naive Amerikanerin, die keine Ahnung hatte, was in Europa so läuft. Trotzdem dürfte sie so ziemlich jeder als erstes gefragt haben, ob sie sich im Klaren darüber ist, worauf sie sich da einlässt. Sie wurde mit Sicherheit gewarnt, auch von Harry. Aber wahrscheinlich wollte sie es nicht hören.
53427
Melden
Zum Kommentar
112
Hilary Swank wird mit 48 zum ersten Mal Mami

Frohe Kunde! Hilary Swank erwartet zum ersten Mal Nachwuchs. Und das gleich doppelt: Wie die 48-Jährige in der US-Talkshow Good Morning America verriet, wird sie Mutter von Zwillingen. «Das ist etwas, was ich mir schon lange gewünscht habe», so die zweifache Oscarpreisträgerin. «Und nicht nur von einem, sondern gleich von zwei Kindern. Ich kann es nicht glauben.»

Zur Story