Wie reich sind die Kaulitz-Zwillinge? Nicht stratosphärisch reich, aber schon reich. 20 Millionen Euro für Bill, 20 Millionen Euro für Tom. 2025 werden sie seit ganzen 20 Jahren berufstätig sein, denn 2005 kam der Riesendurchbruch, kam der Megahit «Durch den Monsun», quasi die Prophezeiung der Klimakrise, nein, Quatsch, einfach Teenage Angst auf Deutsch. Seither hat Tokio Hotel über 10 Millionen Tonträger verkauft, die Band existiert immer noch, und dann sind Bill und Tom ja auch mit dem Podcast «Kaulitz Hills» mega erfolgreich.
Und jetzt gibt's das Ganze, also das Geschwafel von zwei Brüdern, die auf dieser Welt nichts trennen kann und die – so unterschiedlich sie auch scheinen mögen – sogar synchron träumen, auch mit Bild. In «Kaulitz & Kaulitz» auf Netflix. Und siehe da: Das Leben der beiden zwischen Waffeleisen, Walen beobachten und Weihnachtsgans in Amerika und immer wieder Deutschland ist enorm herzig anzuschauen. Gegenseitig nennen sie sich «Maus».
Wir folgen ihnen durch das Jahr 2023, steigen ein, als sie von einer fünf Monate langen Tokio-Hotel-Tour nach Los Angeles heimkehren, Tom zu seiner Frau, die sich mit den Worten «Hallo, ich bin Heidi Kaulitz» vorstellt und deren Vermögen gut 150 Millionen Euro beträgt, Bill allein in ein wunderhübsch eingerichtetes Haus. Die beiden leben zehn Autominuten voneinander. So weit getrennt haben sie noch nie gewohnt, ihre ersten 27 Jahre verbrachten die 34-Jährigen zusammen. Und das ist auch schon die ganze Abzweigung, die das Leben der beiden bisher genommen hat.
Aus Tom wurde ein Ehe-, Familien- (seine Frau ist Mutter von vier Kindern) und Hausmann. Er ist abseits des Rampenlichts am glücklichsten, er würde am liebsten «nur Musik» machen und sich daneben um Reparaturen und allerlei Fahrbares kümmern, er liebt Autos, Motorräder, Traktore, Krane. Und die Lektüre von Betriebsanleitungen. Und seine Frau. Und Bill.
Einerseits ist Bill Toms grosse Liebe, er will nichts anderes im Leben, als Bill glücklich zu sehen, das ist schon seit Geburt so, auch wenn sich die beiden gelegentlich fürchterlich streiten. Allerdings nicht mehr bis aufs Blut, das taten sie früher, als sie sich «mit Bratpfannen kloppten». Andererseits transformierte ihn die Liebe zu seiner Frau vor sechs Jahren, hob ihn über sich selbst hinaus und machte ihn zu einem besseren Menschen, sagt er. Zu ihrem 50. hat er ihr einen gelben Buick geschenkt, das gleiche Modell, mit dem sie einst als junge Frau in Amerika herumgedüst ist.
Tom ist eher so der Grübler und Frickler, der sich im Studio (sie haben es in Bills Haus gebaut) verkriecht, komponiert und produziert und daneben gern an Dingen herumschraubt. Er schwört, noch nie in seinem Leben ein böses Wort über Bill gesagt zu haben, und man glaubt ihm das sofort, denn Tom ist einer, der sich um andere kümmert und sich Sorgen macht, um seine Frau, seinen Bill, seine Band oder um seinen neuen Hundewelpen, der mit einem allergischen Schock auf einen Bienenstich reagiert. Tom ist total loyal.
Bill ist die einsame Diva, die Libelle, die Fee, das Einhorn (jedenfalls an Halloween), extrovertiert, exzentrisch, grundpositiv, immer im Performer-Modus, gerne mal beim Botoxen, überschwänglich und verschwenderisch, auch im Finanziellen, es entzückt ihn, wenn er eben mal für einen «fünfstelligen!» Betrag zwei neue Glitzeranzüge kauft, weil er sich einfach nicht für einen einzigen entscheiden kann.
Ständig studiert er daran herum, wie er Tom eine Freude machen oder einen Streich spielen kann. Zum gemeinsamen Geburtstag schenkt er Tom und sich einen kleinen Roadtrip. Damit sie einfach mal wieder Bruderzeit verbringen und erinnernswerte Momente herstellen können. Süss, wie sie am Rand des Grand Canyon campen, Dosengerichte aufwärmen und bei Kerzenschein Champagner süffeln.
Apropos Süffeln: Bills Alkoholkonsum ist so besorgniserregend wie sein Liebesleben, Tom macht sich immerzu Sorgen, der Männergeschmack seines Bruders sei fatal, sei zum Unglücklichsein bestimmt, sagt er, aber mit Bills Neuem, einem Ballermannbarden, will er sich jetzt mal richtig Mühe geben und möglichst vorurteilsfrei daneben stehen.
Blöd nur, dass der Ballermannbarde bei Auftritten mit Bill in Deutschland überhaupt nicht mit dem immer noch irren Fame der Brüder zurechtkommt. Mit den Paparazzi, mit all den Menschen, die den Kaulitzen am Rand von roten Teppichen, in Bäckereien oder auf dem Oktoberfest auflauern. Alte Fans von früher. Neue Fans, die seit Bills Coming-out «Durch den Monsun» als queere Deutschland-Hymne feiern. Ganz kommune Insta-People-Jäger. Menschen, die von Stars an sich verzaubert sind. Denn das kann Frontmann Bill: So stark strahlen, dass sich die Sonne neidisch verzieht. Rockstar sein. Den Menschen «etwas geben». Ruhig wird Bill nur neben Tom. Und Tom ist auch der einzige Mensch, auf dessen Kritik Bill mit «da hast du recht» antwortet.
Normalität hat im Leben der beiden an einem anderen Ort Platz als bei uns normalen Menschen. Alles, was wir als Alltag bezeichnen würden, delegieren sie an Personal, das dafür bezahlt wird. Bills absolute Hilflosigkeit, als er sich einen Arzttermin organisieren sollte, weil seine Assistentin in den Ferien ist, spricht Bände. Das kann man dekadent finden, doch normal ist am Leben von Bill und Tom schon lange nichts mehr. Sie haben einiges dafür geopfert. Als wir unsere normale Jugend genossen (und dazu vielleicht Tokio Hotel gehört) haben, hatten die beiden keine. Aber sie hatten immer einander. Das hat sie gerettet.
Bills Opfer, der seine Homosexualität als Teenie-Idol verheimlichen musste («Ich bin nicht schwul!», sagte er damals für ganz Deutschland gut hörbar in eine Kamera), war dabei grösser als das von Tom. Und Bills Beschädigung ist auch heute noch grösser als die des Bruders. Weshalb ihn Tom umso mehr beschützen will. Es ist alles sehr herzig. Und es geht zu Herzen.
Die 2 sind dummerweise aber ganz ok - zumal nicht so nervig wie Hotdog-Heidi 🙄
Bill tut mir ein bisschen leid, weil er so einsam wirkt.
Möchte nie mit denen tauschen - aber zuschauen hat allemal Spass gemacht :)