Wieso Erwachsene Alltagsgegenstände aus Plüsch kaufen
Wer denkt, Kuscheltiere sind nur für Kinder da, der hat sich geschnitten, denn auch die Erwachsenen können an den süssen Plüschdingern an Flughafenshops oder Krimskramsläden unschwer vorbeigehen. Auch die Plüschdinger der Marke Jellycat haben es den Leuten angetan.
Die Marke wurde 1999 in London gegründet und ist seitdem auch hierzulande in aller Munde. Neben niedlichen Bären, Hasen oder Hunden gibt es zudem süsse Kerlchen in Form von Kuchen, Laugenbrezeln, Avocados oder Toilettenpapierrollen.
Die Verniedlichung von Gegenständen scheint sich auszuzahlen: 2025 steigerte Jellycat den Umsatz um 43 Prozent auf rund 450 Millionen Pfund, der Gewinn vor Steuern verdoppelte sich fast auf 240 Millionen, berichtet der Spiegel.
Kuscheltiere bei Erwachsenen
Kuscheltiere begleiten Kinder beim Erwachsenwerden und helfen ihnen, mit Angst und Stress umzugehen, und geben ihnen Sicherheit. Bei Erwachsenen können Kuscheltiere ebenfalls eine emotionale Stütze sein. Sie setzen einen in eine vergangene glückliche Zeit zurück und geben Trost und Geborgenheit, wie etwa bei einem Trauma oder Verlust.
Sie beruhigen zudem Personen, die mit Stress, Angst oder Einsamkeit zu kämpfen haben und geben ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit.
Der weiche und kuschelige Stoff sorgt zudem für eine beruhigende sensorische Stimulation. Vor allem Menschen mit Autismus oder ADHS helfen die Plüschtiere.
Alltagsgegenstände in Plüschform
Doch wieso kauft man sich ein Alltagsprodukt wie eine Avocado nochmals in Form eines Plüschdings? Die Jellycats könnten als kleine Alltagsfreuden dienen, mit denen man sich die Zeit ein wenig besser gestaltet, wie etwa das Spassgetränk am Nachmittag. Man belohnt sich damit ein klein wenig in einer etwas tristen Welt. Anders als ein Getränk oder ein Keks sind die kleinen Jellycats jedoch keine flüchtige Freude sondern sind dauerhaft.
Zwischen Selbstoptimierung, Kriegen und finanziellen Sorgen kann eine süsse Avocado aus Plüsch zwar nicht den Weltfrieden bringen, aber ein kleiner Trost und eventuell ein Sinnbild für eine friedliche und ungezwungene Welt darstellen.
Marx' Warenfetischismus
Das Konzept ist nicht ganz neu. In der japanischen Kawaii-Kultur ist das Phänomen von Niedlichkeit ein fester Bestandteil der Gesellschaft und auch in Europa sind Figuren wie Hello Kitty längst angekommen.
Diese Form des Warenfetischismus wurde bereits von Karl Marx beschrieben: Im Kapitalismus geraten die Arbeit und die gesellschaftlichen Verhältnisse, die hinter der Herstellung einer Ware stehen, aus dem Blick. Stattdessen scheint die Ware eine eigene, ihr innewohnende Macht zu besitzen. In einer globalisierten Welt, in der wir von Waren umgeben sind, werden schliesslich auch wir selbst zunehmend warenförmig.
(kek)
