Musikgeschmack ist für Liebi wichtiger als Charakter – sagt die Wissenschaft
Was ist dir wichtig bei der Partnerwahl? Charakter? Aussehen? Gemeinsame Interessen und Hobbys? Ähnliche ethische Werte wohl auch, nicht?
Oder vielleicht, ... dass er oder sie deine Liebe zu Destiny's Child teilt?
Wissenschaftler fanden heraus, dass Paare in romantischen Beziehungen eher einen gemeinsamen Musikgeschmack teilen als gemeinsame Persönlichkeitsmerkmale und Werte. Ihre Forschung legt zudem nahe, dass eine gemeinsame Vorliebe für dieselbe Musik sogar mit einer etwas besseren Beziehungsqualität verbunden sein könnte.
Eine im Jahr 2026 in der in der Fachzeitschrift «Social Psychological and Personality Science» publizierte Studie der Universität Innsbruck untersuchte insgesamt 309 Paare. Die Probanden wurden minutiös zu ihren Hörgewohnheiten quer durch alle Genres und Acts befragt und füllten zudem Fragebögen zu ihrer Persönlichkeit und ihren Werten aus. Danach mischten die Forscher die 618 Teilnehmenden wild durcheinander und kreierten tausende fiktive «Pseudopaare». Das Resultat war eindeutig: Echte Liebespaare wiesen durchs Band weg deutlich grössere musikalische Übereinstimmungen auf als die zufällig zusammengewürfelten Kontrollpaare. Zudem war die musikalische Übereinstimmung grösser als bei Persönlichkeitsmerkmalen oder Werten. Der musikalische Konsens wiegt bei der Partnerwahl demnach in etwa so schwer wie die Intelligenz (in der Psychologie bisher eigentlich das absolute Schwergewicht).
Mitautorin Dr. Julia Vigl: «Wir neigen dazu, Persönlichkeit und Werte als fundamentale Aspekte unseres Selbst zu betrachten. Daher war es verblüffend, dass ausgerechnet etwas scheinbar Oberflächliches wie der Musikgeschmack ein noch stärkeres Muster an Ähnlichkeit zwischen Partnern zeigte.»
Weshalb dies so ist, warum also Musik eine so verlässliche Grundlage für eine Beziehung darstellt, war nicht Gegenstand der Innsbrucker Untersuchung. Doch eine Antwort darauf liefert eine Cambridge-Studie mit 70'000 Menschen aus 36 Ländern aus dem Jahr 2022. Diese belegt, dass unser Musikgeschmack ein zentraler Pfeiler unserer Identität ist und verrät, wie wir unsere Emotionen regulieren. Wie stark uns Hörgewohnheiten prägen, zeigte bereits eine Untersuchung der Berliner Humboldt-Universität (2021): Wer sein Lieblingsgenre wechselt, fühlt sich danach regelrecht wie ein neuer Mensch.
Charles Darwin vermutete, dass wir Menschen Musikalität primär zur Balz entwickelt haben (analog wie beim Vogelgesang). Wie gnadenlos uns dieser Urinstinkt noch heute steuert, bewies ein Experiment von Forschenden aus Wien und Innsbruck (2022): Studierende bewerteten Fotos von potenziellen Dates sofort als deutlich attraktiver, wenn im Hintergrund Klaviermusik lief und man ihnen sagte, der Mensch auf dem Bild spiele den Soundtrack gleich selbst. Ebenfalls als bewiesen gilt: Gemeinsam Musik zu hören oder zu machen, flutet unser Hirn mit dem Kuschel- und Bindungshormon Oxytocin und killt gleichzeitig das Stresshormon Cortisol.
Menschen eines gewissen Jahrgangs mögen sich vielleicht erinnern, bei der ersten Einladung nach Hause instinktiv die Plattensammlung eines potenziellen Sexpartners durchstöbert zu haben. Heute schicken sich Frischverliebte Streaming-Playlists. Dass ein gemeinsamer Musikgeschmack gut fürs Zusammenleben ist, stellt damals wie heute niemand infrage. Dass er aber eine derart essentielle Bedingung darstellt, ist verblüffend.
Demnach, also: Suche Frau, die sich in 50s-Blues, Punk, Vintage Reggae, Country und früher Psychedelia auskennt.
Oder, wie der neuseeländische Musikologe Patrick Savage uns allen rät: «Geht beim ersten Date in eine Karaoke-Bar und singt Sie ein Duett. Am besten ‹A Whole New World› aus ‹Aladdin›. It's science.»
