Wie Knetmasse zu Kultur wurde: «Wallace & Gromit»-Studio wird 50
Diesen Monat wird Aardman, die Animationsfirma hinter «Wallace & Gromit» und «Shaun the Sheep», 50 Jahre alt. In den 70ern in Grossbritannien gegründet, hat das Studio zahlreiche beliebte Animationsfiguren aus Knete geschaffen.
1972 registrierten Peter Lord und David Sproxton noch während ihres Studiums den Namen Aardman Animations. Der Name kommt von ihrer ersten Filmfigur namens Aard Man, ein tollpatschiger Superheld, der ständig in Löcher fällt.
Als die BBC die Rechte an ihre Kunstfigur kaufen wollte, brauchten sie einen Firmennamen für die Überweisung. Aus «aardvark», dem englischem Wort für Erdferkel, entstand Aardman Animations.
Obwohl der Firmenname früher registriert wurde, wird 1976 von Sproxton und Lord als Startjahr des Studios betrachtet. In diesem Jahr nämlich, zogen die beiden nach ihrem Uniabschluss nach Bristol, wo sie ihre erste professionelle Produktion realisierten und die Figur Morph für die britische Kindersendung «Take Hart» entwickelten.
Morph wurde aus einer billigen Knetmasse geformt, da sie damals noch sehr wenig Budget hatten. Auch konnte die Gestalt dank der einfachen Knete in alles Mögliche verwandelt werden – daher auch der Name Morph.
1985 feierte Aardman einen ersten grossen internationalen Erfolg: Sie produzierten die Animationen für das Musikvideo «Sledgehammer» von Peter Gabriel.
Das ist auch das Jahr, in dem der Animationsfilmer Nick Park zum Studio stösst.
«Ich hatte eine Idee von einem Nordengländer, der in seinem Keller eine Rakete baut», erzählt Park gegenüber BBC. Und so ist Wallace entstanden.
Gromit hätte eigentlich eine Katze sein sollen, aber es stellte sich heraus, dass dies schwierig zu modellieren war. So wurde aus Gromit schlussendlich ein Hund.
Mitte der 1990er Jahre hatten die Figuren Wallace und Gromit Aardman zu einem der meistdiskutierten Namen in der Animationswelt gemacht.
Dieser Erfolg führte zu einem Meeting mit Regisseur Steven Spielberg und sie pitchten ihm die Idee für einen Film, der später «Chicken Run» werden sollte.
Ein guter Ansatz. Es stellte sich nämlich heraus, dass «The Great Escape» (1963), bei dem es um einen Massenausbruch aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager während des Zweiten Weltkriegs geht, einer von Spielbergs Lieblingsfilme war. Und ausserdem habe er auf seiner Ranch um die 300 Hühner, so Spielberg.
Noch nie zuvor hatte jemand einen 90-minütigen Stop-Motion-Spielfilm aus Modelliermasse gedreht. Das Budget belief sich auf über 20 Millionen Pfund, und Aardman bestand darauf, dass jedes Einzelbild in Bristol gedreht werden sollte.
Übrigens: Ein voller Drehtag gibt etwa drei Sekunden Film.
Das Risiko lohnte sich. «Chicken Run» spielte weltweit mehr als 224 Millionen US-Dollar (184 Millionen Franken) ein und ist bis heute der erfolgreichste Stop-Motion-Film aller Zeiten.
Der Film konnte aber keinen Oscar gewinnen, da es im Jahr 2000 noch keine eigene Kategorie für Animationsfilme gab. Also führte die Academy das Jahr darauf diese Kategorie neu eint. Und ein paar Jahre später gewann «Wallace & Gromit: The Curse of the Were-Rabbit» den Oscar für den besten Animationsfilm.
Nach dem Erfolg von «Chicken Run», stellte Aardman einen neuen Charakter in den Mittelpunkt: Shaun das Schaf. Shaun tauchte zum ersten Mal 1995 im «Wallace & Gromit»-Film «A Close Shave» auf. Nach einer erfolgreichen Kurzfilm-Serie bekam das weltweit geliebte Schaf 2005 seinen ersten eigenen Spielfilm. Inzhwischen ist Shaun gar der erfolgreichste und wertvollste Charakter von Aardman.
In seiner 50-jährigen Geschichte hat Aardman Animations vier Oscars und 18 BAFTAs für Filme, Fernsehprogramme und Spiele erhalten.
Aardmans nächstes Projekt? Eine «Pokémon»-Serie für Disney. Die Stop-Motion-Serie heisst «Pokémon Tales: The Misadventures of Sirfetch‘d & Pichu» und soll im Jahr 2027 auf Disney Plus erscheinen.
