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«Late Night Switzerland»: So war Stefan Büssers erste Sendung

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Rösti als Schlagzeuger und Baschi mit Gugge: So war Büssers erste Late-Night-Show

Ein Bundesrat am Schlagzeug, Baschi als Super-Bowler verkleidet und der Moderator selbst im Glitzerdress auf dem Glatteis. Das war der Auftakt zum neuen Sendeformat «Late Night Switzerland». Fast live aus dem «Kaufleuten» in Zürich.
12.02.2024, 07:48
Sabine Kuster / ch media
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Mehr live-Feeling, weniger woke Witze. Mit diesen beiden Differenzen zu seinem Vorgänger Dominic Deville ist Stefan Büsser als Late-Night-Moderator beim Schweizer Fernsehen SRF angetreten. Denn die Show wurde am Sonntagabend um 18 Uhr aufgezeichnet und um 21.50 Uhr auf SRF ausgestrahlt. Da bleiben 24 Stunden weniger Zeit, um an den Aufnahmen rumzuschnipseln, als das bei «Deville» der Fall war. Es wurde denn auch keine Anmoderation wiederholt und kein Versprecher korrigiert. Mit Bundesrat Albert Rösti als erstem Gesprächspartner blieb das live-Gespräch aber eher unüberraschend.

Stefan Büssers Late Night Show. Die Premiere aus dem Kaufleuten.
Sendungs-Geburtshelfer und Bundesrat Albert Rösti war gut gelaunt.Bild: Gian Vaitl/SRF

Er habe sich ehrlich gesagt am Vorabend schon gefragt, ob «ächt das e schloui Entscheidig» gewesen sei, sagte Albert Rösti, denn eine Late-Night-Show berge immer ein Restrisiko. Aber Büsser machte sein Versprechen, das er vor der ersten Ausstrahlung gegeben hatte, wahr und röstete seinen Interviewpartner nicht speziell heiss. Rösti wurde es trotzdem unwohl als Büsser behauptete, die SVP sei wie eine Sekte organisiert: «Jetzt sind Sie gefährlich unterwegs! Glatteis!».

Stefan Büssers Late Night Show. Die Premiere aus dem Kaufleuten.
Der Bundesrat gibt den Takt vor.Bild: Gian Vaitl/SRF

Dem Bundesrat zu sagen, er haben einen Entsorgungs-Fetisch in Anspielung auf die Wolf-Abschusserlaubnis, die Abschaffung der A-Post und der Senkung der SRF-Gebühren war eine neue Sichtweise und auch der Lacher sass, dass Rösti nach Kandersteg mit Adolf Ogi, nun wegen Luca Hänni wieder nur die zweitbekannteste Person an seinem neuen Wohnort in Uetendorf BE sei.

Rösti schloss seinen Auftritt bei Büsser taktvoll ab mit einem Einsatz am Schlagzeug der Hausband («The Beatz»). Damit wissen nun auch Nicht-SVP-Parteimitglieder: Der Bundesrat ist Schlagzeuger. Wie der neue SP-Bundesrat Beat Jans übrigens auch.

Das Kaufleuten war ausverkauft – und mit zwei Stars gut dotiert

Einen Bundesrat zum Sendestart, diesen Coup muss man dem neuen Late-Night-Moderator lassen. Und nicht nur Rösti war da. Sänger Baschi zog mit «Chum bring en hei» als Superbowler vor der Guggenmusik «Füdlichlüber» aus Wangen ZH in einem Ultrakurz-Auftritt durch den Saal. Das Kaufleuten in Zürich, der frühere Aufnahmeort von «Giacobbo/Müller», war ausverkauft.

Stefan Büssers Late Night Show. Die Premiere aus dem Kaufleuten.
Baschi als Superbowler, begleitet von einer Gugge.Bild: Gian Vaitl/SRF

Im Übrigen war die erste Sendung von «Late Night Switzerland» keine Neuerfindung des Formats, auch wenn Büsser im Vorfeld in der Sendung «G&G» auf SRF gesagt hatte, er sehe sich eher als Unterhalter denn als Satiriker. Für diejenigen, die sich gewohnt gewesen seien, politische Satire serviert zu bekommen, stehe «ein bisschen ein Umstieg auf etwas Leichteres an».

Es gab eingespielte Sketches (übers Dating: mässig lustig), es gab einen gefakten Werbeclip (zum Valentinstag: wirkte etwas abgekupfert von «Deville»), und Büsser hat einen Sidekick, Büssers Podcast-Partner von «Quoten-Männer» Michael Schweizer, der mit dem Laptop auf einem weissen Sofa sass. An «Schweizi» und nicht an «Büssi» gingen die ersten beiden richtigen Lacher, nämlich dass man mit der Fasnacht ja den Winter vertreibe, aber das sei in den letzten Jahren doch schon mit Fliegen und SUVs gemacht worden. Er selber gehe jedes Jahr als Wolf an die Luzerner Fasnacht, «aber abschiessen tu ich mich selber».

Stefan Büssers Late Night Show. Die Premiere aus dem Kaufleuten.
«Schweizi» und «Büssi» sind eingespielte Show-Partner.Bild: Gian Vaitl/SRF

Quotenfrau an Männermesse

Draussen als Reporterin an der Messe «Man's World» war Satirikerin Martina Hügi unterwegs. Die Thurgauerin hatte 2020 einen Auftritt bei «Deville», jetzt wird sie regelmässig die Real-Satire in die Late-Night-Show holen. An der Männer-Messe hatte Hügi ein leichtes Spiel und fragte ungerührt, wegen eines an der Wand aufgestellten Motorboots, ob da ein Mann so parkiert habe oder ob das so sein müsse. Ein Fitnessgerät zum Bauchmuskeltraining wurde unter ihren Kommentaren flugs zum Gebärstuhl: «schnuuufed Si!» Ihre Bilanz fiel so bissig aus, als sie sich Stumpen rauchend über die Lungenkrankheit Zystische Fibrose von Büsser lustig machte («Hier braucht man also Grappa, ein grosses Konto und Lungenvolumen. Sorry Büssi»!)

Und wurde Büsser selbst seinem Ruf als nicht ganz so woker Comedian gerecht? Ja, brav eingehalten mit Sprüchen über Hochzeiten zwischen Verwandten, Bärte-Streicheln beim Islamischen Staat und einem Perioden-Witz.

Auch gar nicht woke, nämlich total unaufgeregt und voraussehbar war übrigens das neue Gefäss «Ohne Üben», für das man einen Challenge einreichen kann. Dieses Mal gingen Büssi und Schweizi eislaufen – simpler gehts nicht, wenn man Szenelacher sucht. Zum Schreien war immerhin Büsser im lila-farbenen Glitzerdress.

Zum Dekor wäre noch zu sagen: Es muss ja nicht so durchgestylt sein, wie bei «Deville», aber jede Tasse in irgend einem Schweizer Bünzli-Büro ist lustiger als die Tasse des Moderators mit dem Aufdruck – ja was wohl? – «Late Night Switzerland». Und vom weissen Sofa wird hoffentlich noch eine breitere Version angeschafft: Michael Schweizer und Albert Rösti lehnten sich beide seitlich arg zurück, weil ganz offensichtlich jeder dem anderen zu kuschelig nah war.

Egal wie kuschelig: Nachdem Deville seine Talkgäste abgeschafft hatte, freuen wir uns auf weitere ungescriptete Antworten von Büssers und Schweizers Gästen. Bundesräte vorrätig sind immerhin noch für sechs Sendungen.

Stefan Büssers Late Night Show. Die Premiere aus dem Kaufleuten.
Michael Schweizer auf Tuchfühlung mit Bundesrat Albert Rösti.Bild: Gian Vaitl/SRF
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90 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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doitforthelove
12.02.2024 09:31registriert Juni 2020
Stefan Büsser hat mich noch nie zum Lachen gebracht. Weiss bis heute nicht wieso er vom SRF so oft gefördert wird.
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H.P. Liebling
12.02.2024 09:22registriert September 2018
Wir können keine Late Night. Akzeptieren wir das.
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Schon gegangen
12.02.2024 09:04registriert August 2016
Ich kann die ganze Sendung nicht beurteilen, da ich nach 15 Minuten abgestellt habe, nicht einmal für ein Schmunzeln hat es bei mir gereicht bis dahin, ich fand es eher etwas peinlich.
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