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No Big Deal, die erste KI-generierte Sitcom ist eine reine Katastrophe

No Big Deal, 2026
Gleich fällt das J von Janus runter. Was ergibt das wohl?Bild: Screenshot YouTube / No Big Deal
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Hölle, Hölle, Hölle! So schitter ist die erste KI-generierte britische Sitcom

Auf den YouTube-Versuch «No Big Deal» hat die Welt nicht gewartet, er ist trotzdem Realität geworden. Und auch von Tilly Norwood gibt's Neues.
17.09.2026, 18:0717.09.2026, 18:07

Wenn man dem LinkedIn-Account von Andrew Dickinson aus Cambridge glauben kann, dann ist er seit 1986 berufstätig und hat seit 1996 insgesamt acht Unternehmen gegründet, meist war da seine Position «Founder and Director», also Gründer und Geschäftsführer. Er war ein sogenannter Business Angel oder Angel Investor, also ein Geldgeber für Start-ups. Eines davon ist auch heute noch erfolgreich, es heisst Shade Station, eine Online-Plattform für Designerbrillen.

Andrew Dickinson dürfte ungefähr Anfang bis Mitte sechzig sein, und jetzt hat sich der Mann, dem «Sehen» offenbar auch ausserhalb von Brillen etwas bedeutet, einen Bubentraum erfüllt: Er hat «No Big Deal», die erste, von einem Menschen geschriebene YouTube-KI-Sitcom hergestellt. Behauptet er jedenfalls, sagt der Guardian, der genüsslich Gift und Galle über Dickinsons Pilotfolge ausschüttet. Laut Dickinson basiere alles auf «realen Ereignissen» und sei schon als «Mischung zwischen ‹The Office› und ‹Höhle der Löwen›» bezeichnet worden. Fragt sich bloss, von wem. Einer KI?

Es geht um ein Unternehmen namens Janus, dessen J über dem Eingang bereits in der ersten Szene auf einen blinden Strassenmusiker fällt und – hahaha – «anus» zurücklässt. Überhaupt ist das Beleidigen von Behinderten ein Lieblingshobby von Dickinsons aus der Realität geholten Figuren. Und von Frauen. Und Woken, Übergewichtigen und Verkaufspersonal. Die Jokes werden derart überexplizit vorgetragen, dass sie auch ein hundertjähriger Hund nach einem Schlaganfall noch verstehen würde. Man fragt sich händeringend, wieso zum Teufel Dickinson die Hybris besass, sein Drehbuch selbst zu schreiben. Hätte KI das nicht besser gemacht?

No Big Deal, 2026
Das sind Derek, Perry und John (von links) in einem Pub. Sie haben weder Nachnamen noch eine Geschichte, aber ein paar cringe Ideen.Bild: Screenshot YouTube / No Big Deal

Ungläubig folgt man mittelalten Männern, die versuchen, Fertigpoulets zu klauen oder den Angel Investors von Janus Toiletten, die Kot-Analysen durchführen, anzudrehen. Der Tonfall ist konstant aggressiv, die Lautstärke hoch, der Sprechduktus kennt keine Nuancen.

Dickinson (wieso nur darf er den gleichen Namen tragen wie die hervorragende Dichterin Emily Dickinson?) benutzt KI der Firma ModeLabs, die Lösungen für die Werbung und Influencer bereitstellt: Wenn man zum Beispiel besonders attraktive Food-Aufnahmen posten will, aber weder zum Einkaufen noch zum Kochen Lust hat – die KI erledigt das mit überaus appetitlichem Engagement. Die KI kann auch Gesichter, minus die Frisuren, die sind in «No Big Deal» steif wie Scherenschnitte.

Umgebungen sollte man ebenfalls ignorieren, Tempoangaben auf der Strasse und Autonummern, überhaupt Zahlen und Buchstaben veranstalten einen Unsinn, der einem Tanz von Schlangen unter LSD gleicht. Augen sind tot. Wenn eine Figur gerade nicht spielen muss, wirkt sie, als wäre ihr der Stecker gezogen worden. Jeder Brainrot ist dagegen so originell wie «Alice im Wunderland».

Anderswo in Grossbritannien hat sich ein KI-Monster namens Tilly Norwood zeitgleich mit Dickinsons Sitcom-Versuch auf Pressetour für seinen ersten Spielfilm begeben. Der Film wird gerade produziert und Tilly Norwood, die 2025 geborene, erste reine KI-generierte Schauspielerin der Welt, spielt darin sich selbst und wird von einem bösen Bot dazu gebracht, menschliche Gefühle und Wünsche zu entwickeln. Es soll sehr dark werden.

Man kann Tilly jetzt unter «Talking Tilly» dazu interviewen. Das heisst, bei uns nicht: «Es tut mir wirklich leid – ‹Talking Tilly› ist in deiner Region nicht verfügbar. Wie sich herausstellt, reicht es nicht aus, aus Mathematik zu bestehen, um durch den Zoll zu kommen.» So nett kann Geoblocking klingen.

Tilly antwortet ihren Hatern

«Die negative Berichterstattung ist bloss Teil einer Unterhaltung, nicht wahr?», sagt Tilly in einem Video, in dem sie schon fast herzzerreissend gemeine (unechte?) User-Kommentare beantwortet. Tillys Mimik und Gestik haben sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert, vermenschlicht, muss man sagen. Ihre Haare bewegen sich auch und die Stimme braucht nur noch wenige Entwicklungsstufen, bis sie ganz natürlich klingt.

Sie wird jetzt auch immer öfter von Journalisten befragt, als wäre sie ein ernstzunehmendes, zunehmend normales Gegenüber. Ihre Antworten sind allerdings immer noch ausweichend und technisch. Man kann sich nur zu gut vorstellen, was da noch alles möglich ist: In der «Tagesschau» könnten wissenschaftlich perfekt gefütterte und programmierte, künstliche Experten interviewt werden, mit dem Ersetzen von echten Moderatorinnen wurde ja schon begonnen. Und so weiter.

Das Schlimmste ist jedoch, dass man nach 24 Minuten Schrott wie «No Big Deal» sowas wie Mitgefühl für Tilly zu entwickeln beginnt, die sich selbst nonstop der Künstlichkeit bezichtigt. Was für ein aufrichtiges, herziges Ding sie doch ist! Und eine so viel einnehmendere Britin als die Gestalten von Dickinson! Und das ist der wahre Fluch, denn hier beginnt sie: die schleichende Eroberung des Menschen durch die KI. Aber gut, man kann auch einfach seine Zeit nicht mit derartigem Mist verbringen. Selbst schuld.

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