Leben
Review

«House of the Dragon», Staffel 3: Zu viele Drachen und Blondinen

Matt Smith and Emma D Arcy USA.Matt Smith and Emma D Arcy in a scene from CHBO Max series: House of the Dragon -season 3 2026. LMK106-J11725-160426 Supplied by LMKMEDIA. Editorial Only. Landmark Media ...
Wenn der Onkel mit der Nichte: Matt Smith als Daemon und Emma D'Arcy als Rhaenyra Targaryen.Bild: www.imago-images.de
Review

«House of the Dragon», Staffel 3: Zu viele Drachen und Blondinen verderben den Brei

Wie fest kann HBO den Stoff von George R. R. Martin eigentlich noch auspressen? Bis zum absoluten Überdruss. Leider.
03.07.2026, 17:3603.07.2026, 17:36

Erinnert sich noch jemand an «Game of Thrones»? Daran, wie übersichtlich die Fantasy-Welt damals war? Es gab den Norden, in dem eine neue Eiszeit mit Eiszombies und mönchischen Männern stattfand, es gab den heissen, hedonistischen Süden, es gab dazwischen die inzestuösen Lannisters, die grantigen Starks und die drachenfixierten Targaryens. Mal waren alle gegeneinander, mal ein paar miteinander, es gab viele intelligente Strategiespiele und seltene Schlachten. Und Gefühle. Am Ende waren die meisten tot, man konnte die Figuren und ihre Temperamente wirklich gut voneinander unterscheiden und Tyrion Lannister sorgte für viel komischen Zynismus. Weniges war langweilig. Drachen waren rar (drei Stück) und wenn einer starb, war man ernsthaft traurig. Das war luxuriöse, schlaue Unterhaltung. Die Fans liebten sieben Staffeln und hassten die achte und letzte. Ich war einer von ihnen.

Warnung: Wer wie meine lieben Kollegen Patrick, Dani, Philipp etc. «House of the Dragon» noch nie gesehen hat, wird nach den folgenden Zeilen kaum schlauer sein als zuvor.

Das Prequel «House of the Dragon» startete 2022 mit einer fantastischen ersten Staffel. Als wäre Shakespeare nie gestorben, wurde da ein intrigantes, brutales, aber auch hochinteressantes dynastisches Neurosenkabinett entworfen. Das Thema: Succession natürlich. Thronfolge. Die Frage: wer die Vorfahren von Daenerys Targaryen aus GoT eigentlich so waren.

«House of the Dragon» begann mit einem royalen Kaiserschnitt, der jedem Metzgermeister den Kopf gekostet hätte, und endete damit, dass sich eine Königin einen toten Fötus mit eigenen Händen aus dem Leib riss, weil der Schmerz sie am Regieren hinderte. Dazwischen starb ein alter, aber guter (ergo langweiliger, das wurde ihm öfter vorgeworfen) König an den Wunden, die ihm die Schwerter, aus denen sein Thron zusammengeschweisst war, zugefügt hatten.

Die zweite Staffel war anfangs okay, hing dann durch, erreichte in Folge vier ihren Höhepunkt und sackte danach in komplett unbefriedigende Niederungen ab. Und was sich in der ersten Staffel schon als Problem der Serie abgezeichnet hatte, entfaltete sich nun zu einem alles erstickenden Leichentuch des Immergleichen: Es gab keinen Norden, keinen Süden, keine Differenz, alles suppte in graunebligen Landschaften vor sich hin. Es gab viel zu viele Drachen. Oft mehr als bei uns Flugzeuge am Himmel.

Matt Smith as Daemon Targaryen, House of the Dragon Season 3 2026 Los Angeles CA PUBLICATIONxNOTxINxUSAxCANxUK 35042028THA
Im Gegensatz zu fast allen anderen trägt Daemon höchst ungern Helme. Was man bei den schönen Haaren ja auch versteht.Bild: www.imago-images.de

Es gab auch immer mehr ununterscheidbare Figuren mit glatten weissblonden Haaren oder weissblonden Dreadlocks. Sie vermehrten sich wie die sprichwörtlichen Karnickel. Einzig die Bastarde sahen anders aus. Die Konfliktlage war im Grunde einfach: Rhaenyra Targaryen und ihr Bruder Aegon kämpften um den Schwerterthron. Rhaenyra war nach einer gescheiterten Ehe mit einem schwulen Cousin mit ihrem Onkel Daemon verheiratet, Aegon mit seiner jüngeren Schwester Helaena.

Rhaenyras, Aegons und Helaenas Bruder Aemond versucht in Staffel drei, ihrer aller Mutter Alicent zu verführen. Dauernd stirbt eins von Rhaenyras Kindern durch einen Drachenbiss oder in einer Schlacht, während Alicents glattblonde Brut überlebt und immer böser wird, weshalb Rhaenyra schliesslich Alicents XXX (sorry, Spoilergefahr) köpft. Und immer, wenn man denkt, jetzt halbwegs die Übersicht wiedergewonnen zu haben, kommen ein paar neue Glattblonde hinzu.

Olivia Cooke and Ewan Mitchell USA. Olivia Cooke and Ewan Mitchell in a scene from CHBO Max series: House of the Dragon -season 3 2026. LMK106-J11725-160426 Supplied by LMKMEDIA. Editorial Only. Landm ...
Aemond (Ewan Mitchell) und seine Mutter (Olivia Cooke) geraten einander auch gefährlich nahe. Mitchell ist übrigens nur ein Jahr jünger als Cooke.Bild: www.imago-images.de

Zum gefühlt 33. Mal besteigt Rhaenyra in der eben ausgestrahlten Folge «Queen's Landing» nach einer pompösen Seeschlacht den Thron und lässt sich Treue schwören – wie lange wird es dieses Mal anhalten? Und wieso sind da schon wieder neue Drachen aus irgendwelchen Höhlen gekrochen? Aktuell sind es 28 Stück der begehrten Massenvernichtungswaffe!

Der Kern von Fantasy ist Fantasie. «House of the Dragon» scheint sie ausgegangen zu sein. Todernstes Gelaber über Blutrache und die erdrückende Last von Kronen unterbricht tödliches Gemetzel; das an sich tolle Ensemble verspielt sein Charisma in einem Sumpf aus bodenloser Bitternis. Wie trüb und redundant kann eine Serie, die pro Folge 20 Millionen Dollar kostet, eigentlich sein? (Im Vergleich: Eine Folge «Lord of the Rings: The Rings of Power» kostete fast 60 Millionen Dollar, eine Folge «Stranger Things» gut 30.)

Steve Toussaint as Lord Corlys Velaryon, House of the Dragon Season 3 2026 Los Angeles CA PUBLICATIONxNOTxINxUSAxCANxUK 35042038THA
Steve Toussaint als Lord Corlys in einer spektakulären Seeschlacht.Bild: www.imago-images.de

Die Gagen sind übrigens nicht das Teuerste an HotD, die Hauptdarstellerinnen und -darsteller (weniger als Drachen, nämlich aktuell etwa vier) erhalten 200'000 Dollar pro Folge, das ist fünfmal weniger als einst das Episodenhonorar der Stars von «Friends». Richtig teuer sind die Drachen, die kosten 80'000 Dollar pro Auftrittsminute. Drachen sind mächtiger als Menschen. KI ist mächtiger als Schauspielerinnen und Schauspieler. Oder etwas drastischer ausgedrückt: KI killed the movie star. Bereits jetzt. Deutlicher kann man das nicht zeigen.

Möglicherweise ist genau dieses das Kernproblem von HotD: dass zunehmend mehr Energie ins Künstliche fliesst als in die Kunst. Dass Grafikprogramme wertvoller sind als Drehbücher.

«House of the Dragon» läuft auf Sky und HBO Max. Neue Folgen gibt's immer montags.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Erste Bilder der Serie «House of the Dragon»
1 / 14
Erste Bilder der Serie «House of the Dragon»
König Viserys Targaryen ist warmherzig, freundlich und anständig. Er möchte nur das Erbe seines Grossvaters weiterführen. Doch ein guter Mann heisst nicht auch gleich ein guter König.
quelle: hbo
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Game of Thrones» von Laien erklärt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Dosen-Cocktails sind imfall viel besser als ihr Ruf
Let me explain.
Es geschah im Sommer 2020, am Bahnhof St. Pancras in London: Bevor wir in den Eurostar nach Paris einstiegen, wollten wir noch schnell im Marks & Spencers Shop etwas Proviant holen. Mmmmmmh … Sriracha Prawn Tacos, Mini Pork Pies, Rainbow Bhajis, Edamame and Butterbean Crush (verdammt, weshalb gibt's so geiles Zeugs nicht bei uns??) … und dann dort, im Getränke-Kühlgestell:
Zur Story