Handtaschen aus Krokodilleder: Das Geschäft auf Kosten der Tiere
Victoria Beckham, Kim Kardashian, Jennifer Lopez oder Cardi B: Sie alle wurden schon mit einer Hermès-Tasche aus Krokodilleder gesichtet. Und sie sind nicht die Einzigen. Doch der Luxus hat seinen Preis – vor allem für die Tiere. Dies zeigt die ZDF-Dokumentation «Die unheimliche Macht der Konzerne».
Vom Sattelunternehmen zum Modeimperium
Hermès steht bis heute für Status, Exklusivität und Luxus. 1837 von Thierry Hermès gegründet, legte die einstige Lederwerkstatt den Grundstein für ein Milliardenimperium. Aus dem ursprünglichen Sattelhersteller entwickelte sich ein Luxuskonzern, der heute für exklusives Reisegepäck, kostbare Seidentücher und ikonische Damenhandtaschen bekannt ist. Dabei beruft sich Hermès bis heute auf seine traditionsreiche Handwerkskunst und die aufwendige Verarbeitung seiner Produkte.
Die Zielgruppe: wohlhabende Kundinnen und Kunden. Besonders die nach der Schauspielerin Jane Birkin benannte Birkin Bag hat sich zum Verkaufsschlager entwickelt. Die Preise beginnen bei rund 9000 Franken. Für Modelle aus exotischem Leder werden hingegen bis zu 300'000 Franken fällig. Auch die exklusive Warteliste trägt dazu bei, die begehrten Taschen noch knapper und damit wertvoller erscheinen zu lassen.
Das Geschäftsmodell scheint aufzugehen: Hermès erzielt einen Jahresumsatz von rund 16 Milliarden Franken. Während es viele Luxusmarken derzeit auf dem Markt schwer haben, bleibt Hermès bemerkenswert stabil und kann seinen Erfolg konstant fortsetzen.
Eigene Krokodilfarmen in Australien
Von Hand gefertigt werden die Taschen in Paris. Die dafür benötigten Rohstoffe stellt Hermès teilweise selbst her – unter anderem auf eigenen Krokodilfarmen, wie es in der ZDF-Dokumentation heisst. Ein Grund für die Selbstversorgung ist, Lieferengpässe zu vermeiden. Gleichzeitig gilt die Haltung von Wildtieren für die Lederproduktion als lukratives Geschäft.
Hermès soll zudem die Produktion von Krokodilhäuten in Australien dominieren. Schätzungen zufolge leben rund 135'000 Krokodile auf den Farmen des Unternehmens – mehr als die Hälfte der dort gehaltenen Tiere. Andere Schätzungen gehen allerdings von einer geringeren Zahl aus.
Kosteneffizienz steht bei Hermès, dessen Anteile sich noch immer mehrheitlich in Familienbesitz befinden, offenbar im Vordergrund. Von den Gewinnen profitieren die lokale Bevölkerung und die Angestellten auf den Farmen kaum. Hermès selbst äussert sich zu den Vorwürfen nicht. Aufnahmen der Krokodilfarmen und der dort offenbar herrschenden unzumutbaren Bedingungen stammen von einer Tierschutzorganisation, die sich eigenen Angaben zufolge Zugang zu den Anlagen verschafft hat. Dass dort weiterhin Krokodile gehalten werden, lässt sich zudem anhand von Abwasserproben nachweisen.
Krokodile leiden, Konzerne profitieren
Ethische Standards sowie der Schutz von Umwelt und Natur geraten häufig in den Hintergrund, wenn es um die Profitinteressen grosser Konzerne geht, heisst es in der ZDF-Dokumentation. «Hermès gilt, wie viele andere Luxusunternehmen auch, als schlechtes Beispiel beim Thema Tierschutz», erklärt Thomas Pietsch, Tierschutz-Experte bei Vier Pfoten e. V., in der Doku. Grund dafür sei die Verwendung von Materialien aus Wildtieren – oder die Tatsache, dass diese nicht grundsätzlich ausgeschlossen würden. Damit verbunden sei grosses Tierleid:
Enge Räume, fehlende Beschäftigung und die Isolation von anderen Krokodilen seien laut Pietsch besonders bedenklich. Die Tiere würden bewusst voneinander getrennt, um Verletzungen und Kratzer zu vermeiden, damit das wertvolle Leder nicht beschädigt wird.
Pietsch beschreibt die Aufzucht als eine Art Tierfabrik: Die Eier werden in der Wildnis gesammelt, in Laboren ausgebrütet und die Jungtiere anschliessend gemästet. Nach rund drei Jahren werden die Tiere betäubt und getötet. Ihre Häute werden anschliessend nach Singapur oder Europa verschickt.
Bei der Überwachung der Krokodilfarmen verlässt sich Hermès auf Zertifikate und Richtlinien von Branchenverbänden. Diese kontrollieren die Einhaltung der Standards jedoch weitgehend selbst. Auch das Argument der Luxusunternehmen, eine nachhaltig betriebene Krokodilzucht könne positive Effekte auf den Artenschutz haben, wird von vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angezweifelt.
Zum Schluss meint Pietsch:
