Hitze bringt Igel in Not – so hilfst du ihnen
Diejenigen, die einen Garten besitzen, haben ihn vielleicht schon gesehen: den Igel. Das kleine Tier leidet zurzeit besonders aufgrund des momentanen Wetters. Wegen der Hitze fehlt es den Igeln an Insekten, welche sie fressen.
Igelstationen verzeichnen zurzeit eine besonders hohe Zahl an verwaisten Jungtieren und geschwächten Igelmüttern. Gemäss dem Verein Pro Igel Schweiz verschlimmern die Trockenheit und Hitze die ohnehin schon bedrohliche Situation der kleinen Tiere zusätzlich, denn es fehlt ihnen an Nahrung, welche vorwiegend aus Insekten besteht.
Grund dafür ist, dass die feuchtigkeitsliebenden Regenwürmer tiefer in der Erde verschwinden und so für den Igel nicht mehr erreichbar sind. Andere Insekten wie Raupen oder Laufkäfer ziehen sich ebenfalls zurück. Verstärkt wird die Nahrungskrise für den Igel auch durch Schottergärten, welche keinen Lebensraum für Insekten bieten, schreibt Nabu Niedersachsen.
Pro Igel Schweiz ruft die Bevölkerung deshalb dazu auf, den Igeln zu helfen, schreibt die «Bauernzeitung».
Neben Wasser auch Futter
Helferinnen und Helfer sollen den kleinen Gesellen nun nicht nur Wasser, sondern ausnahmsweise auch Futter hinstellen.
Das frische Wasser soll in eine flache Schale an einen schattigen Ort gestellt werden. Beim Futter für geschwächte und säugende Igel muss aber einiges beachtet werden. Denn das Igelfutter, welches im Handel erhältlich ist, ist vielfach ungeeignet, da es Getreide, Früchte oder Nüsse enthält.
Gemäss dem Igelzentrum Zürich kann der einfache Magen-Darm-Trakt der Igel diese Produkte nicht verwerten. Umgangen werden sollen deshalb Milch, Katzenfutter mit Getreide, Sauce oder Gelee, Obst, Nüsse, Haferflocken und andere pflanzliche Nahrung. Empfohlen wird das Futter von PikPik, das in Zusammenarbeit mit Igelstationen entwickelt wurde. Ebenfalls geeignet ist:
- Katzen-Nassfutter ohne Gelee oder Sauce mit einem Fleischanteil von mindestens 70 Prozent
- Ungewürztes Rührei
- Leicht angebratenes und ungewürztes Hackfleisch
- Als Ergänzung zu einer ausgewogenen Fütterung: Insekten wie beispielsweise eine Mischung aus Mehlwürmern und Soldatenfliegenlarven
Die richtige Futterstelle
Neben dem Futter muss auch die richtige Stelle ausgesucht werden, wo das Futter gelassen werden kann. Auch die Art und Weise des Fütterns ist wichtig.
Am geeignetsten wäre ein stabiles Igel-Futterhaus, welches das Futter vor Katzen oder Füchsen schützt. Dieses kann beispielsweise bei Fressnapf, Qualipet oder Galaxus gekauft werden. Das Futter soll abends nach der Dämmerung bereitgestellt werden. Die Futterstelle soll zudem täglich gereinigt werden, da verschmutzte Futterstellen Krankheitserreger verteilen. Besonders am Morgen sollen die Futterreste entfernt werden, damit keine Ratten angelockt werden. Auch die Wasserschale soll täglich gereinigt werden.
Die Zufütterung sollte nur von kurzer Dauer sein, denn langfristig würden naturnahe Gärten die wichtigste Hilfe für Igel bleiben, meint Pro Igel Schweiz. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann bei einer Igelstation nachfragen.
- Der Igel kugelt sich bei einer Berührung nicht ein.
- Der Igel ist mit Zecken, Fliegen oder Maden bedeckt.
- Der Igel torkelt oder läuft im Kreis.
So leistest du Erste Hilfe:
Lege den verletzten Igel in einen Karton, den du vorher mit Zeitungspapier und einem Frotteehandtuch ausgelegt hast. Mit einem weiteren Handtuch deckst du ihn zu. Bei starker Unterkühlung (kühler als deine Hand) legst du zwischen Zeitungspapier und Handtuch zusätzlich eine handwarme Wärmflasche und setzt das Tier darauf. Eventuelle Fliegeneier oder Maden auf dem Igel sollten vorsichtig mit der Hand entfernt werden.
Auf der Webseite von Pro Igel Schweiz gibt es eine Liste der Igelstationen.
Notfallnummer Pro Igel Schweiz: 0800 070 080
Igelfreundliche Gärten
Wenn du Igeln einen gemütlichen Lebensraum schaffen willst, solltest du deinen Garten igelfreundlich gestalten.
Wasserstellen können etwa in Form eines Naturteiches eingerichtet werden. Während Dürreperioden helfen auch, wie erwähnt, Wasserschalen. Eine Wiese ist zudem besser für Igel als Rasen, denn Igelnahrung wie Käfer, Spinnen, Larven, Schnecken und Würmer lässt sich so leichter finden. Auch einheimische Pflanzen eignen sich besser als fremde. Hecken und Sträucher können gerne stehen gelassen werden, denn darin verkriechen sich die nachtaktiven Igel durch den Tag und bauen das Säuglings- und das Winternest. Igel haben mehrere Nester, zwischen denen sie gern wechseln, weshalb Laubhaufen immer zuerst auf Igel untersucht werden sollten.
Auf Pestizide sowie Mähroboter sollte verzichtet werden. Letztere sorgen bei Igeln immer wieder für schwere Verletzungen. Auch Harken oder Schaufeln, die bei Laub- oder Komposthaufen eingesetzt werden, können Igel verletzen.
Gartenabfälle können gerne genutzt werden, denn Haufen aus Strauchschnitt, Laub und Holz bieten Nahrung und Versteck. Zäune und Mauern sollen durchlässig sein, denn Igel legen längere Strecken zurück. Dadurch sind Igel auch weniger gezwungen, Strassen zu überqueren – dies stellt nämlich einen häufigen Tod für die Tiere dar.
