Beim Zoll übernehmen die «Blaulichter»: Neue Chef-Auswahl sorgt für interne Kritik
Der grösste Direktionsbereich des Schweizer Zolls, der Bereich Operationen unter Cédric Doleyres, wird derzeit reorganisiert, unter anderem aus Spargründen. Aus sechs Zollregionen werden vier – wie vor der Zeit des umstrittenen Zollchefs Christian Bock. Diese vier Regionen bestehen neu aus 16 «Abschnitten» statt wie bisher aus 23 «Lokalebenen». Also braucht es auf dieser Ebene sieben Chefs weniger.
Die bisherigen Kader mussten sich neu bewerben. Ein Wahlgremium entschied jetzt, wer künftig diese 16 Abschnitte in den vier Zollregionen leitet. Wie eine Sprecherin des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) bestätigt, wurden letzte Woche intern die «künftigen Chefinnen und Chefs der oberen Führungsebene im Direktionsbereich Operationen» intern bekannt gegeben.
Das Resultat war so, wie viele befürchtet hatten. Auf den publizierten Listen der vier Zollregionen vermissten interne Beobachter, die sich aus Angst vor Nachteilen nur unter Quellenschutz äussern wollen, die Namen einiger guter, aber kritischer Leute. Die sich für ihr Team gewehrt hatten. Wiederholt wird insbesondere der Name einer der kompetentesten Expertinnen im Bereich Warenzoll genannt, die jetzt als Chefin aussortiert wird. Umgekehrt seien einige Chefs installiert worden, die wegen Führungsmängeln bekannt seien oder die fachliche Defizite aufwiesen.
Allerdings attestieren die Kritiker der Führungsetage auch, dass nicht alle Personalentscheide falsch seien.
«Indianerlis» spielen statt Warenzoll machen
Laut den Beobachtern wurde die Personalrochade auch dazu benutzt, das Bundesamt noch stärker vom Handelswarenzoll in Richtung einer «Blaulichtorganisation» zu bewegen, wie sich einer ausdrückt.
So komme keiner der neuen Abschnittschefs aus dem Bereich Warenzoll, einer der zentralen gesetzlichen Aufgaben des Bundesamts. Alle hätten einen Grenzwacht- oder Polizeihintergrund. In der bisherigen Organisation entfällt noch etwa ein Drittel der fraglichen Chefposten auf Personen mit Warenzoll-Hintergrund.
Diese Entwicklung sei von oben gewollt, sagte ein Beobachter: «Statt die Waren an der Grenze zu kontrollieren, kontrollieren einige Lokalfürsten heute Kebabstände im Inland». Er nennt das «Indianerlis spielen». Ein anderer Kritiker sagt, der Zoll suche heute vorab nach «Drogen und Migranten», sei bewaffnet und übe Nahkampf. Das sei alles gut und recht, nur laute der gültige gesetzliche Auftrag eben anders: Der Warenverkehr, der Milliardeneinnahmen generiere, sei zentrale Aufgabe des Zolls. Aber intern gehe das Fachwissen dazu immer mehr verloren. Das werde sich noch rächen.
Frauenanteil bei den Chefposten sinkt
Zur Entwicklung passt aus Sicht der Kritiker, dass der Frauenanteil sinkt. Unter den 23 bisherigen Leitenden der Lokalebenen zählten sie noch drei Frauen. Auf den 16 Chefposten der neuen Abschnitte nur noch eine. Zudem ist diese einzige Chefin umstritten. Sie betreibt nebenbei mit Duldung der Zoll-Spitze eine private Coaching-Firma.
Auf die Frage, warum bislang nur eine Frau und keine Warenzöllner in die neuen Chefposten befördert wurden, hält eine Zollsprecherin sinngemäss fest, es handle sich erst um einen Zwischenstand. «Weitere rund 60 Führungspositionen im Direktionsbereich Operationen werden in einer zweiten Phase voraussichtlich ab Mitte Oktober ausgeschrieben.»
Dabei gehe es unter anderem um «Audit & Verfahren» sowie «Aufgabenvollzug». Bei einem Drittel dieser Posten werde Zollfachwissen im Vordergrund stehen. Eine «Bilanz zum Frauenanteil und den fachlichen Hintergründen der Kaderfunktionen» könne deshalb erst später gezogen werden. Der Aspekt der Gleichstellung sei jedoch immer ein Entscheidungskriterium. (schweizheute.ch)

