An internationalen Flughäfen gelten strenge Sicherheitsvorschriften, so auch in Zürich. Doch wurden diese am 14. August korrekt eingehalten? Dieser Frage müssen die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle – kurz: Sust – und die Militärjustiz nachgehen.
Worum geht es? Wie mehrere Brancheninsider gegenüber CH Media ausführen, hat sich offenbar Folgendes zugetragen: Ein Angestellter der Flugsicherungsfirma Skyguide, der auch als Milizpilot im Militär amtet, stattete im Rahmen eines Armeeflugs mit einem Super-Puma-Helikopter seinen Team-Kolleginnen im Tower einen Besuch ab.
Dabei führte er offenbar ein Flugmanöver relativ nahe am Boden aus, bei welchem starke Luftströme mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde entstehen können. Am Boden sind diese Abwinde – in der Fachsprache Downwash genannt – spürbar und beispielsweise bei der Landung in einem Grasfeld auch deutlich sichtbar.
Ein Sust-Sprecher bestätigt entsprechende Recherchen, wonach die Behörde «die üblichen Untersuchungshandlungen zur Klärung des Sachverhaltes in Koordination mit den zuständigen Behörden und Stellen» aufgenommen hat. Aufgrund der laufenden Abklärungen könne man keine weiteren Angaben machen.
Martin Immenhauser, Sprecher der Militärjustiz, sagt auf Anfrage, dass es Sachschaden gab und eine Person verletzt wurde. Demnach wurden mehrere Firmenautos beschädigt sowie ein Gebäude des Flughafens. Laut Insidern handelt es sich dabei um den Tower, in dem die Skyguide-Lotsen die Bewegungen auf dem Flugfeld überwachen.
«Zudem wurde ein am Flughafen tätiger Mitarbeiter leicht verletzt», sagt Immenhauser. Gemäss CH Media-Informationen handelt es sich dabei um eine Verletzung in Augennähe durch ein Teil, das durch den Rotorenwind aufgewirbelt wurde.
«Die Militärjustiz hat zur Abklärung des Sachverhalts eine vorläufige Beweisaufnahme eingeleitet, welche von einem Untersuchungsrichter der Militärjustiz geleitet wird», sagt Immenhauser. «Soweit zweckdienlich, tauschen die Behörden der Sust und der Militärjustiz Untersuchungsergebnisse im Rahmen der Amtshilfe aus.»
Weitere Details nennt Immenhauser nicht: «Da es sich um eine laufende Untersuchung handelt, können wir zum heutigen Zeitpunkt noch keine Untersuchungsergebnisse kommunizieren.» In Aviatik-Kreisen wird derweil gemunkelt, dass der Helikopter-Pilot bei der Aktion seine Skyguide-Kolleginnen und -Kollegen im Tower grüssen wollte. «Einfach nur dumm» sei das gewesen, sagt ein Insider.
Inwiefern dies der Fall gewesen ist, werden die offiziellen Untersuchungen zeigen. Auf jeden Fall sind solche Grussaktionen am Flughafen Zürich zwar selten, aber nicht ungewöhnlich. Das unterstreichen Beiträge des Instagram-Nutzers «Towerspotter» (Anmerkung: das Konto wurde nach Erscheinen dieses Berichts auf privat gestellt). So zeigt eine Bildergalerie von 2020, wie ein Helikopter nahe am Tower vorbeifliegt und aus nächster Nähe abdreht. Der Kommentar des Publizierenden auf Englisch inklusive lächelndem Emoji: «Dieser wunderschöne Helikopter sagt der Tower-Crew Hallo. Danke Jungs.»
2022 zogen die Jets der Patrouille Suisse vorbei. Der Kommentar damals: «Es ist immer ein grosser Spass und ein echtes Vergnügen, wenn ihr uns begrüsst, danke Jungs.»
Der Flughafen Zürich hat ebenfalls Kenntnis vom Super-Puma-Vorfall, wie Sprecherin Bettina Kunz bestätigt. «Unsere Mitarbeitenden wurden, wie in einer solchen Untersuchung üblich, entsprechend befragt.» Und: «Generell ist die Koordination von Helikopterflügen für ausserordentliche Einsätze am Flughafen Zürich Sache der Skyguide.»
Und was sagt die Flugsicherungsbehörde? Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa bestätigt den Zwischenfall mit einem Super Puma und die Verletzung einer Person am Boden. Allerdings sei nur ein Fahrzeug beschädigt worden, nicht mehrere. Und der Tower habe auch keinen Schaden davongetragen – ein Widerspruch also zu den Aussagen der Militärjustiz.
Ob der Militär-Pilot Angestellter der Firma war, sagt Barrosa nicht. Einzig: «Der Helikopter ist zuvor in Dübendorf zu einem üblichen Ausbildungsflug nach Sichtflugregeln gestartet und hatte auch Mitarbeitende von Skyguide an Bord.» Aus Personenschutzgründen mache man keine Aussagen zu den Beteiligten.
Wie nahe der Helikopter am Tower war, werde die Untersuchung zeigen, sagt Barrosa. «Es gibt keinen Mindestabstand, und es liegt im Ermessen des Piloten.» Skyguide unterstütze die Sust sowie die Militärjustiz bei ihren Untersuchungen. Zudem hat der Bundesbetrieb eine interne Untersuchung eingeleitet.
Laut Militärjustiz-Sprecher Immenhauser dauert eine normale Untersuchung rund sechs Monate. Dazu gehört unter anderem die Befragung von Beteiligten. Zudem dürfte sich die Militärjustiz auch auf Videoaufnahmen stützen, schliesslich sind am Flughafen zahlreiche Überwachungskameras installiert. Falls der Untersuchungsrichter aber ein Expertengutachten verlangt, kann sich das Resultat deutlich verzögern.
Meine WKs machte ich in einer militärischen Ausbildungsstätte für höhere Kader (HKA). Diese mussten alle dieselbe Übung absolvieren, zu der auch die Geländeobservation aus dem Super Puma dazu gehörte und wir flogen immer mit.
Jedes Jahr waren auch Piloten der Luftwaffe dabei, welche jeweils von einem Paar Jets mit Vorbeiflug und Flügelwinken begrüsst wurden.
Und jedes Mal das Offizierskorps:
„Hahaha, was für eine Überraschung…“
„So g..l!“
Die Soldaten waren eher irritiert, wahrscheinlich fehlt uns die Begeisterungsfähigkeit…
Dieser Tritt ans Schienbein muss sein: Die Lupe ist ihres Zeichens altgedienter Gleitschirmpilot SHV16904. Ich werde sauer, weil wir uns als Stoff-Flieger darauf verlassen, dass man die Sichtflugregeln einhält. Es ist unglaublich was Armee und General Aviation (nebst "Hallo, ich bin die fliegende Costa-Concordia") noch so alles abliefern, von fehlenden NOTAMs, über zu nahe Vorbeiflüge, bis blochen quer über Bergkämme, dahinter ein Rudel Gleitschirme.