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Schweiz: Die Zukunft des Panzers in der Armee

Bundesrat Beat Jans spricht zur Grossen Kammer, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 11. Juni 2026 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Das Departement von Bundesrat Beat Jans glaubt Panzer haben ausgedient.Bild: keystone

Jans will die Panzer abschaffen – warum ein Experte davor warnt

Hat der Drohnenkrieg in der Ukraine das Schicksal des klassischen Kampfpanzers besiegelt? Die Totsagung durch die Politik könnte viel zu früh kommen, wie folgende Zukunftsszenarien zeigen.
03.08.2026, 16:4003.08.2026, 16:40
Bojan Stula
Bojan Stula

Die Versuchung, gerade jetzt den Panzer abzuschaffen, ist gross: Der Drohnenkrieg in der Ukraine habe das Ende des schweren Kampfmittels besiegelt, sind viele Beobachter überzeugt. Diese Meinung teilt man auch im Justizdepartement von Bundesrat Beat Jans. Wie der «Blick» vergangene Woche berichtete, hält das Departement Jans die Ausmusterung der Schweizer Panzerflotte für «alternativlos» – dies vor allem aufgrund technologischer und finanzieller Zwänge.

Kampfpanzer sind nach den Kampfjets das traditionell teuerste Rüstungsgut im Schweizer Arsenal; die dringend nötige Modernisierung der Panzerflotte wäre ein finanzieller Kraftakt. Die Kosten für einen Leopard 2 der modernsten Ausführung A8 belaufen sich inklusive Servicepaket auf rund 26 Millionen Franken. Wenn selbst solche Stahlkolosse mit einer Drohne für wenige hundert Franken abgeschossen werden können, stellt sich schnell einmal die Sinnfrage.

Zu Recht? Ralf Raths sieht das anders. Der Direktor des deutschen Panzermuseums in Munster hat einst mit einem bahnbrechenden Vortrag über den Einfluss der Bauhaus-Architektur auf die deutsche Panzerentwicklung die Szene auf den Kopf gestellt. Jetzt skizziert der originelle Forscher und Denker in einem Video die Zukunft des Kampfpanzers.

Ein Mechaniker wartet die Raupen an einem Panzer vom Typ Leopard 2 in einer Wartungshalle der RUAG, am Montag, 20. Maerz 2023, in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Ein Mechaniker wartet in Thun einen Leopard 2 der Schweizer Armee. Der 1988 eingeführte und ab 2011 modernisierte «Panzer 87» stösst immer mehr an seine technologischen Grenzen.Bild: keystone

Denn dass der Kampfpanzer trotz Ukraine-Krieg eine Zukunft hat, dafür liefert Raths gleich mehrere Gründe.

Zunächst einmal können Kampfpanzer in der Ukraine gar nicht so einfach aus der Luft ausser Gefecht gesetzt werden, wie das manche der im Internet kursierenden Videos suggerieren. Raths nennt die Zahl von bis zu 40 Fehlversuchen, ehe eine Drohne tatsächlich einen Panzer abschiessen kann. Schutzgitter und andere, teils elektronische Abwehrvorrichtungen erschweren zunehmend die Aufgabe der Drohnenpiloten.

Zudem können Drohnen nicht die Aufgabe des Panzers übernehmen, da im Bodenkampf die Infanterie auf Unterstützung durch gepanzerte Fahrzeuge angewiesen bleibt. Was drittens der Umstand zeigt, dass nach über vier Jahren Krieg weiterhin beide Seiten alle verfügbaren Panzer einsetzen und sogar neue produzieren.

Doch wie sieht die Zukunft des Panzers konkret aus? Raths skizziert drei mögliche Entwicklungsszenarien:

Das Revival des turmlosen Kasemattpanzers

Der Ukraine-Krieg zeigt ein verändertes Aufgabenfeld des Panzers: Es geht nicht mehr wie im Kalten Krieg um Duelle mit anderen Panzern auf einem dynamischen Gefechtsfeld, sondern primär um Feuerunterstützung der Infanterie und «Sniper»-Beschuss feindlicher Stützpunkte über lange Distanzen.

Der schwedische Kampfpanzer Stridsvagn 103
Der schwedische Kampfpanzer Stridsvagn 103 könnte Vorbild für eine neue Generation von Kasemattpanzern werden.Bild: Panzermuseum Full-Reuenthal

Daher könnte zur Verbesserung der Überlebensfähigkeit der Panzerturm weggelassen und die Kanone direkt in eine niedrig konstruierte Wanne eingebaut werden. Ahnen dieser Neuentwicklung, die natürlich mit allen modernen Panzerungs-, Elektronik- und Abwehrsystemen ausgestattet sein müsste, wären etwa das berüchtigte deutsche Sturmgeschütz aus dem Zweiten Weltkrieg oder später der schwedische S-103 von Ende der 1960er-Jahre.

Der Drohnenträger

Ein völlig anderes Zukunftskonzept des Panzers ist laut Raths der rollende Land-Flugzeugträger für Drohnen. So wie auf See wegen der übermächtigen Luftbedrohung die Schlachtschiffe den Flugzeugträgern weichen mussten, so könnte auch der klassische Panzer durch einen mobilen, gepanzerten Drohnenträger verdrängt werden.

Dieser spannt über einer ihn begleitenden mobilen Kampfgruppe einen Schutzschirm verschiedener Beobachtungs- und Kampfdrohnen auf, der ihn zum Nervenzentrum des Gefechts mit verbundenen Waffen macht. Der deutsche Rüstungsproduzent Hensoldt verfolgt mit seinem MGCS-Konzept (Main Ground Combat System) eine entsprechende Vision.

Unbemannter Roboterpanzer

Schliesslich ist – wenig überraschend – die Verschmelzung von Drohne und Panzer zu einem ferngelenkten Roboterpanzer eine denkbare Zukunft. Rüstungsindustrien weltweit forschen an entsprechenden Konzepten, nachdem der Ukraine-Krieg den Einsatz von Bodendrohnen, bisher primär für Logistikaufgaben, revolutioniert hat.

Die russische Armee hat bereits 2019 mit dem Uran-9 einen solchen Roboterpanzer in Dienst gestellt und in Syrien eingesetzt, allerdings mit wenig Erfolg. Der nächste Schritt hin zu einem von menschlicher Steuerung unabhängigen, von künstlicher Intelligenz gesteuerten Roboterpanzer würde laut Raths schwere ethische und völkerrechtliche Probleme aufwerfen.

Welches und ob überhaupt sich eines dieser Zukunftskonzepte durchsetzen wird, bleibt Spekulation. Ebenso, ob sich die Schweiz tatsächlich von ihrer Panzerflotte verabschiedet.

Der Museumsdirektor aus Munster beobachtet jedoch aktuell einen Trend zum Festhalten an überlieferten Konzepten mit Übergangslösungen. «Es ist auffällig, dass an der diesjährigen grössten Rüstungsmesse Eurosatory lediglich Kampfpanzer vorgestellt wurden, die Weiterentwicklungen bestehender Panzertypen sind.» In der Rüstungsindustrie sei scheinbar noch sehr viel «Denken der 80er- und 90er-Jahre drin», kritisiert Ralf Raths. (schweizheute.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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Desert Rose
03.08.2026 16:49registriert Juni 2021
Was hat der Asylminister mit Panzern am Hut?
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YvesM
03.08.2026 16:59registriert Januar 2016
Der Ukraine-Krieg zeigt eigentlich schön, dass Panzer, Artillerie, etc. (noch) nicht ausgedient haben. Für Raumgewinne und Vorstösse braucht es Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie und schweres Gerät. Was sich verändert hat, ist die viel tiefere Front, wo jederzeit Gefahr lauern kann. Weiter ist die Entwicklung der Waffensysteme extrem beschleunigt und die Armee in eher dezentrale unabhängige Einheiten aufgeteilt, die ihren Bedarf an Mitteln selber bestimmen.

Wenn die Ukraine eines zeigt: wir müssen im Stande sein, Drohnen und Abwehrwaffen in grossen Mengen selber herstellen zu können.
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Vinylfeel
03.08.2026 17:09registriert Mai 2023
In der UA wird einer der härtesten Kriege gefochten und unsere Militärs sehen immer noch nicht was sache ist.
Tanks braucht es zum vorstossen,genau so wie schwere Artillerie zur Feuer unterstützung.
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