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ZUM HEUTIGEN ENTSCHEID DES NATIONALRATS AN DER SESSION IN BERN, UEBER DIE MITTEL FUER BILDUNG UND FORSCHUNG, STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG 9. JUNI 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Studenten arbeiten in der Bibliothek des neuen Hochschulzentrums vonRoll, am Freitag, 8. November 2013 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: KEYSTONE

Gerichtsurteil im Fall «Prüfungsgate» – Uni Bern kassiert Schlappe und gibt sich wortkarg

Weil eine Professorin alte Prüfungsfragen rezykliert hatte, mussten Jus-Studenten eine Prüfung wiederholen. Jetzt gab es für die Uni vom Verwaltungsgericht einen Rüffel für dieses Vorgehen.



Im Herbstemester 2017 liess eine Professorin ihre Studenten eine Prüfung im Schuldbetreibungs- und Konkursrecht schreiben. Die Prüfung entsprach quasi 1:1 einer alten Prüfung aus dem Jahr 2013, welche öffentlich einsehbar war. Als Reaktion darauf ordnete die Uni eine Wiederholung des Examens an (siehe Box).

Weil er damit nicht einverstanden war, legte ein Jus-Student Rekurs ein. Im Januar 2018 entschied die Rekurskommission der Uni, dass die Wiederholung der Prüfung rechtsmässig sei. Dagegen wehrte sich die StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB). Nun hat sie vor dem Verwaltungsgericht Bern Recht erhalten. Die Universität sei «rechtswidrig» vorgegangen, urteilte das Gericht. Eine Schlappe für die Universität.

Das Gericht hält fest, dass die Universität mit ihrem Vorgehen Recht verletzt hat und sie die Ergebnisse der ursprünglichen Prüfung hätte bekannt geben müssen. Laut Tobias Vögeli, Vorstandsmitglied der SUB, habe das Verwaltungsgericht in der Urteilsbegründung der Argumentation der Rekurskommission deutlich widersprochen. Er geht deshalb davon aus, dass die Uni den Richterspruch akzeptieren werde.

Die konkreten Auswirkungen des Urteils sind laut Vögeli zwar gering. Die SUB vertrat bloss einen einzelnen Studenten, der aufgrund der verordneten Prüfungswiederholung den Rechtsweg beschritten hatte: «Jetzt ist die Uni dazu verpflichtet, ihm eine Note für seine Leistung in der ursprünglich abgelegten Prüfung auszustellen.» Bei allen anderen Studenten, welche keinen Rekurs eingelegt haben, gelten die Noten der Wiederholungsprüfung.

«Prüfungsgate»: Was bisher geschah

Professorin Jolanta Kren Kostkiewicz verwendete im Sommer 2017 eine leicht abgeänderte Master-Prüfung aus dem Jahre 2013. Sie glaubte, die Studenten würden diese nicht kennen. Weit gefehlt: Einem Grossteil der 190 Studenten waren sämtliche Fragestellungen und Lösungen schon bekannt. Sogar auf der Webseite der Uni konnte man sich die Prüfung samt Lösungen ansehen. Den Studenten stiess insbesondere sauer auf, dass die Professorin nach dem Prüfungs-Gate zuerst den Studierenden die Schuld in die Schuhe schieben wollte. (amü)

Doch gemäss Vögeli habe das Urteil eine symbolische Wirkung: «Es wirft viele Fragen über den Entscheid und das Verhalten der Uni auf.» Der Entscheid der Rekurskommission der Uni möge vielleicht politisch einleuchten, rechtlich sei die Argumentation jedoch wenig bis gar nicht überzeugend», sagt Vögeli. «Das ist bedenklich, denn die interne Verwaltungsjustizbehörde sollte unabhängig und nur dem Recht verpflichtet urteilen.» Jetzt werde die SUB auf jeden Fall das Gespräch mit der Universitätsleitung suchen. 

«Strittige Frage beantwortet»

Doch auch über die Uni Bern hinaus könnte das weitreichende Folgen haben: «Die Frage, ob bei neuen Prüfungen alte Prüfungsfragen in leicht modifizierter Form verwendet werden dürfen, war immer strittig.» Diese Frage habe das Verwaltungsgericht jetzt grundsätzlich bejaht. Solange nicht nur einzelne Studenten einen privilegierten Zugang zu alten Prüfungsfragen haben, dürften diese in modifizierter Form verwendet werden. «Insofern betrifft das Urteil nicht nur Universitäten sondern auch Grundschulen, Gymnnasien oder Berufsschulen», so Vögeli.

Trotz der richterlichen Abmahnung habe das Urteil habe für die Uni Bern nicht ausschliesslich negative Seiten, gibt Studierendenvertreter Vögeli zu bedenken: «Wenn sich ein einzelner Student mit Unterstützung des Studierendenverbands vor Gericht gegen die professionelle Rechtsabteilung der Uni durchsetzt, ist das durchaus ein Kompliment für die Qualität des Jus-Studiums», sagt er mit einem Schmunzeln.

Uni gibt sich wortkarg

Die Universität Bern veröffentlicht am Montagabend ein knappes Communiqué. Sie habe das Urteil erhalten und zur Kenntnis genommen: «Die Universität Bern muss das Urteil nun aber zunächst sorgfältig analysieren, bevor sie inhaltlich weiter dazu Stellung nehmen kann.»

Die Hochschule verweist darauf, dass vom Richterspruch nur eine einzelne Personen betroffen sei, deren Einspruch gegen das Urteil der Rekurskommission vom Verwaltungsgericht gutgeheissen wurde.

Im Zusammenhang mit diesem Fall habe die Universitätsleitung bereits im vergangenen Sommer mit allen Fakultäten Kontakt aufgenommen, um sie betreffend Prüfungsangelegenheiten zu sensibilisieren: «Die Universitätsleitung und die Fakultäten sind sich darin einig, dass die integrale Wiederverwendung von alten Prüfungen ohne relevante Modifikationen zu vermeiden ist.»

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • einmalquer 01.10.2018 14:07
    Highlight Highlight Muss man das so verstehen, dass an der Uni Bern und in ihrer Rechtsabteilung niemand eine grosse (?) Ahnung von Recht hat?

    Dann wäre auch das Studium der Rechtswissenschaft an dieser Uni eigentlich für die Katze.
    • Yamamoto /// FCK NZS 01.10.2018 15:09
      Highlight Highlight Zumindest die öffentlich-rechtliche Abteilung leistet gute Arbeit, wie dieser Fall bestätigt. ;) Herr Müller, der Verwaltungsrecht unterrichtet, halte ich nach wie vor für den besten Dozenten der rechtswissenschaftlichen Fakultät, was sich regelmässig auch in seiner Evaluation widerspiegelt. Mir ist keine andere Dozentin/kein anderer Dozent bekannt, der/die von den Studierenden regelmässig eine 6 erhält. In diesem Fall hätte er, wenn er denn die Kompetenz dazu hätte, zweifelsohne anders entschieden. Ausserdem schafft er es sogar, über vergleichsweise langweilige Themen spannend zu dozieren.
    • Aglaya 01.10.2018 15:47
      Highlight Highlight @einmalquer

      Dir ist bewusst, dass die Leute, die in der Rechtsabteilung arbeiten, nicht unterrichten und umgekehrt, oder? Die Qualität der Professoren lässt sich dementsprechend nicht an der Rechtsabteilung messen.
  • Donald 01.10.2018 13:46
    Highlight Highlight Ich glaube es gibt sehr wenige Professoren und Lehrer, die jedes Jahr/Semester eine komplett neue Prüfung schreiben.
  • lilie 01.10.2018 13:37
    Highlight Highlight Jaja, leg dich nicht mir Jusstudenten an... 😉🤣
  • Raphael Stein 01.10.2018 12:52
    Highlight Highlight Lec dich nie mit Jus Studis an. 😊
  • Ass 01.10.2018 12:31
    Highlight Highlight Richtig so! Schliesslich haben sie ja für die Prüfung gelernt. Lieber mal den Lehrern auf die Finger klopfen
  • andrew1 01.10.2018 12:08
    Highlight Highlight Man sollte das mit der bekannten prüfung etwas lockerer sehen von seite der uni: es wusste ja niemand das fälschlicherweise eine bekannte prüfung verwendet wird. Ergo wurde ja genau gleich gut gelernt wie sonst auch. Somit ist ja nicht wirklich etwas verloren gegangen. Zudem sollte bei einem fehler der uni nicht die studenten bestraft werden mit lästigen nachprüfungen.
    • TimHonks 01.10.2018 12:56
      Highlight Highlight Manche haben vielleicht mit genau dieser alten Prüfung gelernt, andere nicht. Dies ist ein klarer Vorteil für die einen, für die anderen ist es jedoch ein ungerechtfertigter Nachteil. Die Benachteiligten sollten zumindest die Prüfung wiederholen dürfen
  • Team_Stark 01.10.2018 11:52
    Highlight Highlight Als ehemalige Studentin an der Unibe kann ich nur sagen, dass da aber sauviele Profs einfach nur Glück hatten, hat es sie nicht getroffen...

    Zumindest am Institut für Psychologie gab es viele Profs, die ihre Prüfungsfragen gerne recycelten.
    • maddiepilz 01.10.2018 12:33
      Highlight Highlight Darum gehts hier allerdings nicht. Der Student hat dagegen geklagt, dass sie eine Wiederholungsprüfung schreiben mussten und hat Recht bekommen. Die Professorin ist nicht wegen der recycelten Prüfungsfragen unterlegen, sondern weil sie unrechtsmässig eine Wiederholungsprüfung schreiben liess.
    • Pinga 01.10.2018 12:33
      Highlight Highlight Nicht nur in Bern, ist in Zürich exakt das gleiche, jeder Student selber Schuld der die alten Prüfungsfragen nicht genügend anschaut...
    • JonSerious 01.10.2018 13:04
      Highlight Highlight Nicht nur in Bern... In Fribourg habe ich mal mit einer 6 Jahre alten Prüfung gelernt (so als Übungstest). Ich staunte nicht schlecht, als ich nicht nur die gleichen Fragen, sondern zum Teil auch die gleichen Schreibfehler in der richtugen Prüfung entdeckte!

      Das war zwar der krasseste, aber nicht der einzige solche Fall... 😶
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dschonnie 01.10.2018 11:49
    Highlight Highlight ha ha
  • Fly Boy Tschoko 01.10.2018 11:38
    Highlight Highlight Richtig so. Verstehe nicht das die Prüflinge für das Versagen der Prüfenden hätten bestraft werden sollen.

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