Schweiz
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Eine Schachtel SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test (Covid-19 Antigen-Schnelttest) von Roche fotografiert in der Apotheke TopPharm Apotheke am Paradeplatz am Dienstag, 3. November 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Inzwischen sind auch die Schnelltests im Einsatz. Bild: keystone

Testet die Schweiz zu wenig? 5 Fragen und Antworten zur aktuellen Corona-Situation

Sind wir bei den Hospitalisationen über den Berg? Und warum sinken die Neuinfektionen in der Romandie viel schneller? Die zweite Corona-Welle hat die Schweiz im Griff. Wir überprüfen fünf Fragen zur aktuellen Situation.



Die Zahl der Neuinfektionen nimmt in der Schweiz weiter ab. Am Montag meldete das BAG für die letzten drei Tage (Freitag, Samstag, Sonntag) 9751 Fälle – pro Tag macht das rund 3250. So tief lagen die Neuinfektionen letztmals am 20. Oktober mit 3008.

BAG-Direktorin Anne Lévy sprach am Wochenende denn auch von einer «Trendwende». «Ich bin zuversichtlich, dass wir momentan in die richtige Richtung gehen», sagte Lévy dem «Sonntagsblick». Sie hielt zudem fest, dass man bezüglich der Todesrate nicht viel schlechter dastehe als das Ausland.

Hat Lévy bezüglich den Todeszahlen recht? Und kann man tatsächlich schon von einer Trendwende sprechen? Oder sind die Fallzahlen so tief, weil wir wenig testen?

Fünf Fragen und Antworten auf die neuesten Entwicklungen in der Schweiz:

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Sind wir bei den Hospitalisationen über den Berg?

Am 2. November wurde mit 287 Personen in einem Tag der bisherige Rekordwert erreicht, nie wurden innert 24 Stunden so viele Patienten mit Covid-19 hospitalisiert. Gleich am nächsten Tag lag der 7-Tagesschnitt bei 231 – ebenfalls Höchststand.

Seither werden immer weniger Patienten ins Spital eingeliefert. Am 18. November lag der 7-Tagesschnitt noch bei 154. Der Trend zeigt hier deutlich nach unten.

Allerdings zeigt diese Grafik nicht, wie viele Personen aktuell insgesamt hospitalisiert sind. Auch steigen die Fallzahlen in einigen Kantonen wieder leicht an. Insbesondere bei regionalen Engpässen dürfte man dementsprechend noch nicht definitiv über den Berg sein – der Blick auf die gesamtschweizerische Situation stimmt aber optimistisch.

Entwicklung der täglichen Hospitalisationen in der Schweiz

Während die Akutbetten in der zweiten Welle in praktisch keinem Kanton knapp wurden, sieht es bei den Intensivstationen anders aus. Da und dort mussten Patienten aus Platzgründen in andere Spitäler verlegt werden.

Schweizweit verlangsamte sich die Zunahme der Covid-Patienten auf den Intensivstationen in den letzten knapp drei Wochen, inzwischen hat sich die Anzahl der Patienten auf den Intensivstationen stabilisiert. Am Montag waren 533 der 1135 Intensivbetten der Schweiz mit Covid-19-Patienten belegt. Dazu kommen 336 zusätzliche Intensiv-Patienten ohne Covid. Das ergibt eine Auslastung von 77 Prozent.

Zu beachten gilt: Im Gegensatz zu der obigen Grafik zeigt diese nicht die an einem Tag neu in eine IPS eingelieferten Patienten, sondern alle Patienten, die an einem bestimmen Tag auf einer IPS waren.

Belegung der Intensivbetten in der Schweiz

Achtung: für die letzten Tage kann es noch zu Nachmeldungen kommen.

Sind wir hier über den Berg? Die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin erklärte am 17. November in einer Medienmitteilung: «Eine Überlastung dieser ordentlichen Bettenkapazitäten konnte bisher zum einen vor allem deshalb verhindert werden, weil vielerorts nicht dringende Eingriffe und Behandlungen verschoben wurden.»

Auf Nachfrage zur aktuellen Situation verwies die Medienstelle auf die nächste Stellungnahme, welche voraussichtlich am Donnerstag erscheint.

Testet die Schweiz zu wenig?

An Spitzentagen Ende Oktober wurden in der Schweiz teilweise über 35'000 Personen auf das Coronavirus getestet. An den Arbeitstagen letzter Woche waren es noch um die 25'000.

Immer wieder ist von überlasteten Testzentren zu hören. Auch, dass möglichen Corona-Infizierten ohne oder mit leichten Symptome von Ärzten abgeraten werde, einen Test zu machen, komme öfters vor. Wie oft, lässt sich nur schwer nachvollziehen.

Aber über diese Entwicklung zeigt sich das Bundesamt für Gesundheit besorgt. Von überlasteten Systemen will man nichts wissen: «Es gibt genügend Testkapazitäten, deswegen sollten sich alle Menschen mit Symptomen testen lassen», sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG, an einer Pressekonferenz letzte Woche.

Das BAG empfindet die zurzeit durchgeführten Tests also offensichtlich als zu wenig. Damit sich wieder vermehrt Leute testen lassen, hat das BAG nun eine Kommunikationskampagne lanciert, die zum Testen bei auch nur geringen Symptomen aufruft.

Vergleich zum Ausland

Pro Einwohner testen wir übrigens ungefähr gleich viel wie unser Nachbar Deutschland, wobei die durchgeführten Tests in Deutschland zuletzt ebenfalls etwas abnahmen. In Österreich ist zurzeit kein Rückgang festzustellen.

Wöchentlich durchgeführte Tests pro 100'000 Einwohner

Hinweis: Als Datum ist jeweils der Montag der entsprechenden Woche angegeben. watson

Sinkt die Positivitätsrate?

In den letzten vier Wochen sank die Positivitätsrate in der Schweiz. Von einem 7-Tage-Schnitt über 25 Prozent bewegten wir uns auf aktuell knapp über 20 Prozent – wobei die letzten Tage alle einen Wert von unter 20 Prozent aufwiesen. Der 7-Tage-Schnitt dürfte also weiter fallen in den kommenden Tagen.

«Die sinkende Positivitätsrate könnte ein Hinweis auf eine Abnahme der Zirkulation des Virus sein.»

BAG im wöchentlichen Lagebericht vom letzten Donnerstag.

In 17 Kantonen sanken im Vergleich zur Vorwoche sowohl die Anzahl der Tests als auch der Anteil positiver Tests. Das BAG schrieb dazu im wöchentlichen Bericht: «Dies könnte ein Hinweis auf eine Abnahme der Zirkulation des Virus in der Woche 46 [entspricht dem Zeitraum 9. - 15. November, a.d.R.] in diesen Kantonen sein. Allerdings erschweren Meldeverzögerungen und nicht gemeldete Resultate der neuen Antigen-Schnelltests die Beurteilung dieser Entwicklung.»

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Positivitätsrate von maximal 5 Prozent, um die Bewegungen des Virus nachvollziehen zu können. Davon sind wir in der Schweiz noch deutlich entfernt – doch die Tendenz der letzten Tage stimmt.

Zum Vergleich: Die Positivitätsrate in Deutschland ist deutlich tiefer

quelle: rki

In einigen Staaten der USA bewegt sich die Positivitätsrate aktuell in anderen Sphären:

Warum gehen die Fallzahlen in Basel-Stadt jetzt rauf?

Der Kanton Basel-Stadt gehörte in der zweiten Welle lange zu denjenigen Kantonen, die pro 100'000 Einwohner am wenigsten Fälle verzeichneten. In den letzten Tagen nahmen diese allerdings zu und zeigen tendenziell noch nach oben, während die Zahlen in anderen Kantonen wieder zurückgehen.

7-Tagesschnitt der täglichen Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner seit dem 1. September in den Kantonen Basel-Stadt, Waadt und Zürich

In der Inzidenz pro 100'000 Einwohner in den letzten 14 Tagen weist Basel-Stadt im Kantonsvergleich die elfthöchste Zahl aus: 722. Das sind zwar noch immer weniger als halb so viele wie bespielsweise das am härtesten betroffene Genf (1594), aber auch hier lag Basel lange eher am unteren Ende.

Neben den Fallzahlen nehmen in Basel-Stadt auch die Hospitalisationen und die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen weiter zu.

Die Frage ist: Warum?

Basel-Stadt hatte lange wenig zusätzliche Regelungen zu den Massnahmen des Bundes. Jetzt hat man reagiert. Seit dem 23. November gilt: Restaurants zu, diverse Sportanlagen zu und eine Obergrenze von maximal 15 Personen für eine Veranstaltung. Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, sagte dazu an der Pressekonferenz am Freitag: «Wir haben in Basel über Wochen und Monate im Vergleich zu Schweizer Werten eine günstige Situation gehabt. Doch nun gehen die Basler Zahlen weiterhin nach oben, obwohl die Schweizer Zahlen sinken.»

Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsaerztinnen und Kantonsaerzte, spricht waehrend einer Point de Presse zum Coronavirus mit Fachexperten des Bundes, am Freitag, 20. November 2020 im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Basel-Stadts Kantonsarzt Thomas Steffen erklärte am Freitag die Lage in Basel. Bild: keystone

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Basel-Stadt führte beispielsweise früh eine Maskenpflicht ein. Steffen will nicht einen Punkt herausstreichen, warum die Zahlen jetzt ansteigen: «Ich kann nicht sagen, welche Massnahmen welche Auswirkungen haben. Das wird die Wissenschaft in ein paar Jahren wohl eher erklären können.» Mit anderen Worten: Es gibt keine einfache Antwort, warum die Zahlen in Basel jetzt steigen.

Ebenfalls in der Tendenz noch steigende Fallzahlen meldeten zuletzt die Kantone Basel-Landschaft und Obwalden.

Wie schnell verbessert sich die Situation in der Romandie?

In der Romandie nahmen die Fallzahlen ab Oktober schnell zu. Die Kantone beschlossen darum auch früher als die Deutschschweiz Massnahmen und gingen teilweise praktisch in einen Lockdown.

Seit 1. November nehmen die täglichen Neuinfektionen jetzt in allen Westschweizer Kantonen wieder ab. Allerdings sind die Infektionen noch immer höher als in der restlichen Schweiz.

Trotzdem: Im 7-Tagesschnitt konnten die täglichen Neuinfektionen in den letzten rund drei Wochen mit Ausnahme der Waadt in allen Westschweizer Kantonen ungefähr halbiert werden und der Trend zeigt weiterhin nach unten.

Entscheidender Faktor ist dabei die Reproduktionszahl, der sogenannte R-Wert: Im Schnitt steckt in der Romandie eine infizierte Person also aktuell weniger als eine weitere an. Schweizweit liegt der R-Wert aktuell bei 0,79.

7-Tagesschnitt der täglichen Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner seit dem 1. September in der Romandie

Blicken wir zum Vergleich auf einige Deutschschweizer Kantone. Wie in Punkt 1 schon erwähnt, zeigt die Kurve in Basel-Stadt noch nach oben, genauso wie im Kanton Obwalden.

Die anderen Kantone konnten ihre Fallzahlen im 7-Tagesschnitt zuletzt auch nach unten bringen – allerdings nicht in dem Ausmass, wie in der Romandie. Wobei festgehalten werden muss, dass die Ansteckungen pro 100'000 in den Deutschschweizer Kantonen auch deutlich unter den Zahlen in der Westschweiz blieben.

7-Tagesschnitt der täglichen Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner seit dem 1. September in Deutschschweizer Kantonen

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