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«Eine Monsterwelle, die sich nicht mehr stoppen lässt» – Rickli fordert kürzere Quarantäne

Die momentane Quarantäne- und Isolationsregelung werde die Schweiz lahmlegen, warnt die Zürcher Regierungsrätin und Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli. Sie fordert den Bund zum Handeln auf.
09.01.2022, 07:3610.01.2022, 08:40

Man müsse der Bevölkerung reinen Wein einschenken, sagt die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli mit Blick auf die explodierenden Fallzahlen. Im Interview mit der NZZ am Sonntag spricht sie Klartext: «Wir haben es hier mit einer Monsterwelle zu tun, die sich nicht mehr stoppen lässt. Sie wird das Land in den nächsten Wochen überrollen.» Man könne die Situation nicht mehr schönreden, denn die gesamte Gesellschaft, jedes Individuum werde davon betroffen sein, so Rickli weiter.

«Omikron kann eine Chance sein.»

Ein Blick auf Studien und Zahlen anderer Länder lasse aber darauf hoffen, dass die Welle zwar heftig, aber kurz sein werde. Das Virus dürfte möglicherweise bereits Ende Februar oder dann im Frühling endemisch sein. Rickli versucht, optimistisch zu bleiben: «Omikron kann eine Chance sein.»

Rickli rechnet mit einer kurzen, aber heftigen Welle.
Rickli rechnet mit einer kurzen, aber heftigen Welle.Bild: keystone

Zu diesem Schluss seien ihre Fachleute gekommen. Im Vergleich zu den Hospitalisationszahlen des letzten Winters scheine es tatsächlich so, als verursache Omikron weniger schwere Fälle. Sie räumt dennoch ein, dass man in dieser Pandemie nicht wirklich wisse, was in den nächsten Wochen passieren wird.

«Es ist einfach die Realität, dass wir nun alle eine Immunisierung aufbauen werden», so Rickli. In anderen Worten: Es findet eine Durchseuchung der Bevölkerung statt. Entweder durch den Booster oder durch die Ansteckung.

Gemäss wissenschaftlichen Modellen dürfte es allein im Kanton Zürich Ende Januar zu bis zu 40'000 neuen Fällen täglich kommen. Das sind zehnmal mehr als in den vergangenen Tagen. Diese Zahlen haben Folgen: «Sie werden unsere Gesellschaft lähmen, wenn wir jetzt nicht handeln.»

Aus diesem Grund müsse jetzt gehandelt werden, betont Rickli. Dafür sollten sich alle impfen oder boostern lassen und die Hygieneregeln einhalten. Währenddessen sollten Unternehmen sich auf mögliche Ausfälle von Angestellten vorbereiten. «Als Behörden müssen wir dafür sorgen, dass die Grundversorgung weiter gewährleistet werden kann.» Das Testen und die Kontaktverfolgung werde angesichts der hohen Fallzahlen allerdings nicht mehr so möglich sein wie bisher, befürchtet Rickli.

Mit den momentan geltenden Quarantäne- und Isolationsmassnahmen könnte die Schweiz bald stillstehen, doch das müsse auf jeden Fall vermieden werden. Aus diesem Grund fordert Rickli den Bund zum Handeln auf:

«Darum muss der Bund jetzt dringend die Dauer der Quarantäne und der Isolation auf fünf Tage reduzieren. Wir Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren der Ostschweizer Kantone haben den Bundesrat am Freitag per Brief gebeten, Isolation und Quarantäne entsprechend anzupassen.»

Fünf Tage würden Sinn machen, da Omikron eine kürzere Inkubationszeit habe. Zudem dürfe es nicht sein, dass Geimpfte, die meist kurze, leichte Verläufe hätten, so lange zu Hause sitzen müssten. Den Stimmen, die einen Lockdown fordern, entgegnet sie, dass dies das Problem nur nach hinten schieben würde. Auch wenn eine grosse Welle auf die Bevölkerung zurolle, stünden die Spitäler im Kanton Zürich noch relativ gut da. Allerdings könnte es mit Intensivpflegeplätzen etwas kritisch werden. Auf eine mögliche Triage angesprochen, antwortet Rickli:

«Vor allem aber müsste man dann jene beim Wort nehmen, die sich partout nicht impfen lassen wollten. Im Moment machen sie auf den Intensivstationen rund 80 Prozent aus. Ich finde, solche Patienten sollten auch bereit sein, auf Intensivbehandlung zu verzichten und das Personal damit nicht über Wochen zu belasten. Es kann nicht sein, dass die Ungeimpften uns als Gesellschaft weiterhin in Geiselhaft nehmen, jetzt, wo man Licht am Ende des Tunnels sieht.»

(saw)

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