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Ärztin Pauline Vetter gibt Auskunft.
Ärztin Pauline Vetter gibt Auskunft.
bild: shutterstock/dr/watson

Die Delta-Variante ist auf dem Vormarsch – wir beantworten die wichtigsten Fragen

Die Delta-Variante beunruhigt die Welt. Ansteckender, gefährlicher, impfstoffresistent – läutet sie in der Schweiz gar die nächste Corona-Welle ein? Pauline Vetter, leitende Ärztin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsspital Genf, beantwortet die neun wichtigsten Fragen.
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09.07.2021, 08:23

Was ist diese Delta-Variante genau?

Pauline Vetter: Das Auftreten einer Variante ist das Ergebnis der natürlichen Evolution eines Virus im Laufe der Zeit, wobei sich mit jeder Vermehrung Mutationen ansammeln. Die Delta-Variante ist eine von vier Varianten, die als besorgniserregend angesehen werden, da sie mit einem lokalen Anstieg von Covid-19-Fällen verbunden sind.

Wie ansteckend ist die Delta-Variante?

Sie ist übertragbarer als die anderen Varianten, die zuvor im Umlauf waren. Epidemiologische Daten aus England deuten darauf hin, dass sie etwa 50-60% ansteckender ist als die Alpha-Variante (früher englische Variante genannt). Es kann sein, dass die Delta-Variante die anderen Varianten nach und nach verdrängen wird und vielleicht eines Tages die verbreitetste Mutation ist.

Die Delta-Variante (grün) gewinnt an Gewicht.
Die Delta-Variante (grün) gewinnt an Gewicht.
bild: covariants.org

Wie gefährlich ist die Delta-Variante?

Ein grösseres Risiko für Krankenhausaufenthalte und ein höherer Schweregrad der Erkrankung wurde bei allen Varianten vermutet, obwohl dies nicht immer bestätigt werden konnte. Aber bei Delta erwecken einige englische Daten den Eindruck, dass es bei ungeimpften Infizierten ein erhöhtes Risiko für Krankenhausaufenthalte geben könnte.

Wird die Delta-Variante in der Schweiz irgendwann dominieren?

Wir sind auf dem Weg. Dieser Trend ist seit mehreren Wochen zu beobachten. Auch ohne einen Nettoanstieg der Fallzahlen steigt der Anteil, der auf Delta zurückzuführen ist.

Schützen uns Impfstoffe vor der Delta-Variante?

Nicht alle Impfstoffe wirken gegen alle Varianten gleich. Wir haben im Moment gute Daten, die belegen, dass die Boten-RNA-Impfstoffe, die in der Schweiz verwendet werden, zu denen gehören, die den besten Schutz gegen alle Varianten bieten. Ausserdem sind sie immer noch sehr effektiv gegen Delta.

In England ist der Schutz vor einer Infektion zwar leicht gesunken, liegt aber immer noch bei 79 Prozent. Die Boten-RNA-Impfstoffe schützen mit 88 Prozent sogar noch besser vor einer symptomatischen Erkrankung, während sie zu 96 Prozent vor einer schweren Erkrankung (und damit einem Krankenhausaufenthalt) wirksam sind. Aber Achtung, es ist eine vollständige Impfung notwendig, um im besten Fall geschützt zu sein, entweder durch zwei Dosen oder durch eine einzige Dosis, nachdem man sich bereits infiziert hat.

Können geimpfte Personen, die eine Delta-Infektion vorweisen, das Virus übertragen?

Geimpfte Menschen können in der Tat infiziert werden, da die Impfung keinen 100%igen Schutz dagegen bietet. Darüber hinaus haben bestimmte Bevölkerungsgruppen ein schwächeres Immunsystem und sprechen weniger gut auf eine Impfung an. Ich denke da zum Beispiel an ältere Menschen oder solche, die immunsuppressive Medikamente einnehmen müssen.

«Wenn wir jedoch nach einer Impfung infiziert werden, zeigen die Daten, dass wir weniger wahrscheinlich ins Krankenhaus eingeliefert werden und sterben.»

Wir sehen auch, dass, selbst wenn man nach der Impfung Träger des Virus ist, dies für einen kürzeren Zeitraum sein wird und die Viruslast dementsprechend niedriger ausfällt als bei nicht geimpften Personen, so dass die Möglichkeiten für eine Übertragung reduziert werden können.

Wird die Delta-Variante eine dritte Welle in der Schweiz auslösen?

Es ist zu erwarten, dass die Zahl der Fälle zumindest geringfügig ansteigt. Vor allem, weil die Menschen reisen und die Massnahmen aufgehoben wurden. Gleichzeitig steigt der Anteil von mit Delta infizierten Personen. Es ist möglich, dass diese Variante in den am wenigsten geimpften Bevölkerungsgruppen zirkuliert.

Ein Wiederanstieg an Infektionen ist möglich, wir möchten jedoch keinen Wiederanstieg bei den Krankenhauseinweisungen sehen. Um dies zu vermeiden, ist die Impfung der Schlüssel zum Schutz vor einer schweren Erkrankung und damit einem Krankenhausaufenthalt. Es ist auch wichtig, daran zu denken, dass Masken, Abstand und Händewaschen gegen alle Varianten wirksam bleiben.

Werden Jugendliche und Kinder die Delta-Variante verbreiten?

In England deuten die Daten darauf hin, dass dies Delta-Variante vorwiegend in der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen zirkuliert. Dies ist die Altersgruppe, in welcher sich die meisten nicht geimpften Personen befinden (ausser Kinder).

Diese Bevölkerungsgruppe ist auch diejenige, die bei Aufhebung der Massnahmen wieder mehr im Ausgang unterwegs ist und daher die meisten Möglichkeiten hat, das Virus zu übertragen. Bezüglich Kinder kann ich nicht für die Kinderärztinnen und -ärzte sprechen.

«Um die Übertragung des Virus so weit wie möglich zu begrenzen, müssen wir so viele Menschen wie möglich impfen. Es gibt immer noch einen Teil der Bevölkerung, vor allem Erwachsene, der nicht geimpft ist.»

Was ist die Variante Delta Plus?

Es ist eine Variante der Variante Delta, die Mutationen angesammelt hat. Sie wird überwacht. Wenn wir verhindern wollen, dass all diese Varianten weiter mutieren, müssen wir verhindern, dass sich das Virus ausbreitet. Deshalb sage ich noch einmal: impfen ist der Schlüssel.

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