Schweiz
Coronavirus

Berner SVP-Delegiertenversammlung läuft aus dem Ruder

SVP-Delegierte singen und jodeln an der DV in Belp. Die meisten ohne Maske.
SVP-Delegierte singen und jodeln an der DV in Belp. Die meisten ohne Maske. Bild: Twitter/christian liechti

Keine Masken, dafür Jodelgesänge: Polizei leitet Untersuchung wegen Berner SVP-DV ein

07.07.2021, 09:5307.07.2021, 23:16
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Für so viel Aufmerksamkeit hat die DV der Berner SVP noch nie gesorgt. Was ist geschehen? Die Parteiversammlung der kantonalbernischen SVP lief total aus dem Ruder: Statt wie geplant 180 drängten sich am Dienstagabend über 430 Personen in den Kreuzsaal in Belp BE. Die geltenden Covid-Schutzmassnahmen wurden kaum beachtet. Praktisch niemand trug eine Maske, Abstände wurden nicht eingehalten.

Stattdessen sangen und jodelten die Delegierten mit voller Kehle, wie neue Videoaufnahmen zeigen.

Auch der Berner SVP-Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg sang beim Klassiker «Bärnbiet» mit. Immerhin trug er eine Maske – und schaute dabei konzentriert auf den Liedtext.

Polizei leitet Untersuchung ein

Aufgrund der Medienberichte untersucht jetzt die Berner Kantonspolizei, was genau vorgefallen ist: «Auch wir haben durch die Berichterstattung Kenntnis von dem Anlass genommen und nun entsprechende Abklärungen eingeleitet», schreibt die Berner Kapo auf Twitter. Auf Anfrage von watson erklärt die Kapo, man kläre mit dem Regierungsstatthalter den Sachverhalt ab.

Oder anders gesagt, inwiefern die Berner SVP gegen die Covid-Verordnung verstossen hat.

Die Delegierten applaudieren einem Redner an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung zur Wahl des neuen Praesidenten der SVP des Kantons Bern, am Dienstag, 6. Juli 2021 in Belp. (KEYSTONE/Ales ...
Bild: keystone

«Wir sind überrannt worden, das macht mir schon Sorgen», sagte der abtretende Berner SVP-Präsident Werner Salzmann zu Radio SRF. «Leider haben sich die Leute nicht an die Maskenpflicht gehalten, aber wir haben halt keine Schutzpolizei. Darum liessen wir es laufen.» Salzmann wies die SVP-Leute auf die Maskenpflicht hin. Ohne Gehör zu finden.

«Wir sind überrannt worden, das macht mir schon Sorgen.»
Werner Salzmann

SVP-Gesundheitsdirektor ist nicht erfreut

Dies obschon rein rechnerisch über 100 Menschen zu viel im Saal waren. Denn laut BAG-Regeln dürfte bei solchen «Grossveranstaltungen» ohne Covid-Zertifikats-Pflicht der Saal nur zu zwei Dritteln gefüllt gewesen sein, dazu kommt eine Maskenpflicht.

Auch der Berner SVP-Gesundheitsdirektor Schnegg ist not amused. «Ich finde es schade, dass die Leute so schnell vergessen, was in den letzten 16 Monaten passiert ist», so der Berner, der bei Corona eine verhältnismässig harte Linie verfolgte. Seine mahnenden Worte scheinen bei der eigenen Partei nur bedingt angekommen zu sein. Der abtretende Präsident Werner Salzmann sang auf der Bühne ohne Maske und mit voller Kehle das Volkslied.

Das sagt der neue Präsident

In der RTS-Sendung «Forum» sagte der neue Präsident der Berner SVP, Manfred Bühler, dass es wichtig sei, ein Vorbild zu sein, wenn man Verantwortung trage, aber er relativierte die Geschehnisse auf dem Treffen:

«Ich denke, wir sind jetzt in einer Phase, in der wir das Glück haben, dass viele Menschen geimpft sind. Wir haben auch eine vollständige Auflistung aller Personen, die bei dem Treffen anwesend waren.»

Bühler trug keine Maske, als er die Glückwünsche von Pierre Alain Schnegg entgegennahm. Zudem drückte die Führung der bernischen SVP am Mittwoch ihr Bedauern über den Vorfall aus.

Bühler neuer SVP-Kantonalpräsident
Manfred Bühler ist neuer Präsident der kantonalbernischen SVP. Der ehemalige Nationalrat aus dem Berner Jura setzte sich am Dienstagabend in einer Kampfwahl gegen zwei Mitbewerber durch. Die Delegierten in Belp gaben Bühler den Vorzug gegenüber den Grossräten Samuel Krähenbühl und Thomas Knutti. Mit 211 Stimmen schaffte Bühler auf Anhieb das absolute Mehr. Auf Krähenbühl entfielen 112 Stimmen, auf Knutti 52. Als Präsident der bernischen SVP tritt Bühler die Nachfolge von Werner Salzmann an. Der heutige Berner Ständerat führte die Partei neun Jahre lang.
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342 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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R10
07.07.2021 10:08registriert Juli 2016
Stimmt, da gab es wirklich gar keine Möglichkeiten wie man das hätte verhindern können. Vorgängige Anmeldung, Sitzordnungen, etwas Nachdenken bei der Bestuhlung, nur so viele Plätte einrichten wie erlaubt, genügend Abstände zwischen den Tischen, Teilnehmer zählen und die Überzähligen nicht mehr hineinlassen etc., das alles war schlicht nicht möglich. Ausser man nimmt die Pandemie ernst und schaltet ein bisschen den Kopf ein.
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winglet55
07.07.2021 10:02registriert März 2016
Bei dieser Klientel habe ich nichts anderes erwartet!
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SBP
07.07.2021 09:59registriert Mai 2018
Erstaunt nicht im geringsten.
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