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50 Tonnen Gras pro Jahr – so viel Cannabis konsumiert die Schweiz

Bild: shutterstock
Eine neue Studie hat den Schweizer Cannabis-Konsum durchleuchtet. Wie viel Tonnen Gras die Schweizer jährlich konsumieren und wie viel wir dafür monatlich ausgeben, verraten euch die folgenden fünf Grafiken.
23.01.2020, 04:5623.01.2020, 09:46
Lea Senn
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Ein interdisziplinäres Team von Forschenden von Sucht Schweiz, dem Institut für Kriminologie der Universität Lausanne und Unisanté hat den Cannabis-Markt im Kanton Waadt untersucht. Die Forscher kombinierten Abwasseranalysen und Analysen von konfisziertem Cannabis mit Interviews von Polizeimitarbeitenden und Drogenkonsumierenden.

Die Resultat der Untersuchung rechnen die Forscher auf die gesamte Schweiz hoch und liefern so einen Einblick in den Cannabis-Konsum des ganzen Landes (hier geht's zur Studie).

Wieviel Cannabis wird konsumiert?

Ganz schön viel. Die Studienautoren schätzen, dass im Kanton Waadt täglich 50'000 Joints angezündet werden. Pro Jahr sind das 3,5 bis 5,1 Tonnen Cannabis – alleine im Kanton Waadt.

alle grafiken: watson

Rechnet man diese Zahl hoch auf die Schweiz, ergibt sich ein Marktvolumen von etwa 40 bis 60 Tonnen Cannabis jährlich.

Wer konsumiert Cannabis?

Die Studienautoren gehen davon aus, dass im Kanton Waadt ungefähr 60'000 bis 85'000 Einwohner Cannabis konsumieren.

Davon konsumieren aber die Wenigsten täglich. Diejenigen die das aber tun, sind für rund die Hälfte des konsumierten Cannabis verantwortlich. Heisst konkret: 5400 bis 7650 Personen im Kanton Waadt rauchen rund 25'000 Joints pro Tag. Das sind im Durchschnitt drei bis vier Joints täglich.

Eine weitere Gruppe, die laut Studienautoren eine wichtige Rolle spielt, sind Personen die Heroin oder andere Opioide konsumier(t)en. Sie sind sozial wenig integriert und nehmen regelmässig verschiedene legale und illegale Substanzen zu sich. Diese Personen scheinen höchstens ein bis zwei Prozent der Cannabiskonsumierenden auszumachen, konsumieren allerdings bis zu zehn Prozent der sich im Umlauf befindenden Cannabismenge.

Was wird genau konsumiert?

Im Kanton Waadt findet man hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Cannabis: Marihuana und Haschisch. Beim Marihuana handelt es sich um die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze. Haschisch ist das gesammelte und meist gepresste «Harz» der Hanfpflanze.

Haschisch ist das gepresste Harz einer Hanfplanze.
Haschisch ist das gepresste Harz einer Hanfplanze. bild: shutterstock

Die Forscher untersuchten kleinere Mengen beschlagnahmtes Marihuana und fanden einen variierenden THC-Gehalt. Der Mittelwert lag bei etwa 13 Prozent.

Beim Haschisch ist der THC-Gehalt heute oft sehr hoch, wie die Untersuchung zeigte. Er erreichte einen Mittelwert von 28 Prozent. Der Anstieg hänge vor allem damit zusammen, dass vermehrt Cannabissorten aus Marokko konsumiert würden, so die Studienautoren.

Wieviel Geld wird damit verdient?

Der Cannabis-Markt ist der grösste, aber nicht der umsatzstärkste Markt. Am meisten Umsatz generiert der Handel mit Kokain.

Der Jahresumsatz im Kanton Waadt wird auf ungefähr 31,7 bis 46,3 Millionen Franken geschätzt. Wird diese Zahl auf die ganze Schweiz hochgerechnet, ergeben sich Umsatzwerte von 340 bis 500 Millionen Franken.

Kokain schlägt das Cannabis zwar im generierten Umsatz. In Bezug auf die Menge ist es aber genau umgekehrt. Im Kanton Waadt ist im Jahr fast zehn Mal so viel Kilogramm Cannabis im Umlauf als Kokain. Die Menge des Heroins ist vergleichsweise tief mit 145 bis 205 Kilogramm.

Woher kommt der Stoff?

Eine 2016 von der Polizei ausgehobene Hanf-Indoor-Anlage in St.Ursen. Solche Anlagen decken ungefähr die Hälfte des Cannabis-Konsums ab.
Eine 2016 von der Polizei ausgehobene Hanf-Indoor-Anlage in St.Ursen. Solche Anlagen decken ungefähr die Hälfte des Cannabis-Konsums ab.Bild: KANTONSPOLIZEI FR

Eine Besonderheit des Cannabis-Marktes ist die Vielfalt der verschiedenen Akteure. Importiertes und einheimisches Marihuana und Haschisch halten sich ungefähr die Waage, schreiben die Studienautoren. Häufig kommt das Gras aus Spanien, den Niederlanden oder Albanien. Einen grossen Teil decken grosse oder mittelgrosse Anlagen in der Schweiz ab.

Aber auch der Eigenanbau sei nicht zu unterschätzen, heisst es in der Studie. Rund 10 Prozent des im Kanton Waadt konsumierten Cannabis stammt von Hobbygärtnern und Personen, die selbst ein paar Pflanzen angebaut haben.

Wie teuer ist das Gras?

Gelegentliche Konsumenten, die vielleicht einmal am Wochenende einen Joint rauchen, geben 30 Franken pro Monat für den Konsum aus. Bei den intensiven Konsumenten ist der Betrag schon etwas höher. Sie leisten sich für rund 314 Franken pro Monat Cannabis.

Gekauft und verkauft wird das Cannabis ganz unterschiedlich. Oft besorgt man sich das Gras über Freunde oder in öffentlichen Lokalen wie Bars oder Clubs. Der Strassenverkauf spielt eine eher untergeordnete Rolle.

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Video: srf

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117 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Leider Geil
23.01.2020 06:11registriert Mai 2017
"Wird diese Zahl auf die ganze Schweiz hochgerechnet, ergeben sich Umsatzwerte von 340 bis 500 Millionen Franken."
Wohlgemerkt: Steuerfrei und ohne jegliche sozialen Abgaben wie AHV. Meist ditekt abgefürt nach Albanien oder Spanien.
Please. STOP. This. NOW.
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Butch Cassidy & Sundance Kid
23.01.2020 06:23registriert Mai 2018
Fühlt man sich als Gegner bei solchen Zahlen nicht total vorgeführt?
Das selbe frage ich mich bei Polizisten und Politikern, die mit voller Überzeugung dagegen arbeiten.. you had one job...!xD haha
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Lullaby@20past
23.01.2020 06:42registriert April 2019
Ihr solltet mal vorrechnen, auf wieviele Steuereinnahmen bzw. AHV Beiträge da grosszügig verzichtet wird. Gelder, welche das Land gut gebrauchen könnte. Leider verschwindet es aber in irgendwelchen dubiosen Händen. Das ist bei einer Droge wie Cannabis, an der immer noch keiner gestorben ist, schwer zu verstehen. Legalize it!
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