Deshalb hat Starlink gegen Swisscom, Sunrise und Salt kaum Chancen
Die Eidgenössische Kommunikationskommission Comcom rechnet nicht mit einem Neueinsteiger in den Schweizer Mobilfunkmarkt. Die Hürden sind enorm hoch.
Alleine der Aufbau eines eigenen Mobilfunknetzes würde grob geschätzt mindestens eine halbe Milliarde Franken kosten, sagte Comcom-Präsident Martin Bürki am Dienstag am Rande einer Medienkonferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Dazu käme noch der Aufbau einer eigenen Verkaufs- und Betriebsorganisation in der Schweiz.
Es sei sehr aufwendig, eine eigene Infrastruktur aufzubauen, um die Mindestanforderung einer Abdeckung von 50 Prozent der Bevölkerung zu erfüllen. Denn in den Städten sei es sehr schwierig, neue Antennenstandorte zu finden.
Zudem gebe es an jedem Antennenstandort noch die Beschränkungen durch die Grenzwerte der Strahlenschutzregulierung (NISV). «Die Limitationen für einen Neueinsteiger sind enorm», sagte Bürki: Und wer keine gute Abdeckung biete, verkaufe wahrscheinlich auch nicht viele Mobilfunkabos.
Auch Elon Musk müsste Antennen bauen
Bei einem Neueinsteiger würde die Comcom sehr genau hinschauen, ob er bis 2033 ein Mobilfunknetz betreiben könne, das die Hälfte der Bevölkerung abdecke, sagte Comcom-Mitglied Jean Christophe Schwaab in der Medienkonferenz: «Ein Neueinsteiger muss aufzeigen, dass er technisch und finanziell dazu in der Lage ist.»
Dies würde auch für einen Satellitenbetreiber wie Starlink von Elon Musk gelten, der bereits in vielen Ländern Mobilfunk und Breitbandinternet aus dem Orbit anbietet. Ein Satellitenanbieter müsste ein eigenes Mobilfunknetz auf der Erde aufbauen und damit mindestens die Hälfte der Bevölkerung versorgen.
Eine rein satellitengestützte Versorgung wäre dafür nicht ausreichend. «Wir wollen keine Versorgung der Schweiz aus der Luft», sagte Bürki. Denn dabei würde nur ein beschränktes Gebiet abgedeckt, weil es in den Grenzregionen zu Interferenzen käme. Denn die ausgeschriebenen Frequenzen seien nicht zur Nutzung für Satellitenkommunikation vorgesehen.
Deshalb sei es sehr unwahrscheinlich, dass bei der anstehenden Mobilfunkauktion ein vierter Bieter auftauche, neben den bisherigen Mobilfunkanbietern Swisscom, Salt und Sunrise.
Dominanten Sieger und klaren Verlierer verhindern
«Wir möchten gerne, dass der Markt weiterspielt», sagte Bürki: «Wir möchten gerne drei starke Player haben im Markt, die am Schluss ein gutes Kundenerlebnis ermöglichen.» Bei einer Auktion bestehe immer die Gefahr, dass einer der klare Gewinner und einer der klare Verlierer ist.
«Wir haben versucht, das zu eliminieren», sagte Bürki. Die Bietbeschränkungen seien auf 230 Megahertz (MHz) verschärft worden. Damit könne ein einzelner Anbieter maximal rund 43 Prozent aller Frequenzen erwerben. Bei der Auktion von 2012 hatte die Obergrenze noch bei 270 MHz gelegen, also 50 Prozent aller Frequenzen.
Zudem hat die Comcom Bietbeschränkungen in den einzelnen Frequenzspektren eingeführt, was es 2012 nicht gegeben hatte. So kann ein einzelner Bieter maximal 38 Prozent der tiefen Frequenzen im Band von 800 und 900 MHz ersteigern. Im mittleren Frequenzband 1800 und 2100 MHz liegt die Obergrenze bei zwei Dritteln und im oberen Frequenzband 2600 MHz FDD gar 71 Prozent aller Frequenzen, die unter den Hammer kommen. (sda/awp)
