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Darum hält die EU Stromausfälle und Notlagen in Europa für möglich

Travellers queue during a blackout at the airport in Hamburg, Germany, Sunday, June 3, 2018. (Daniel Reinhardt/dpa via AP)
Gestrandete Flugreisende während eines Stromausfalls am Hamburger Flughafen. Die Europäische Union ist gemäss eigener Angaben für Notfälle gerüstet.archivBild: keystone/ap

Die EU hält Stromausfälle und Notlagen in Europa für möglich – das musst du wissen

Wegen des von Russland verschuldeten Ukraine-Kriegs und der Energiekrise droht ein ungemütlicher Winter. Der EU-Kommissar für Krisenschutz sagt, man sei auf Blackouts und Verstrahlung vorbereitet.
04.10.2022, 15:1204.10.2022, 15:39

Angesichts des Ukraine-Kriegs und der Energiekrise hält die EU-Kommission Stromausfälle und andere Notlagen innerhalb der EU für möglich. «Es ist gut möglich, dass Katastrophenhilfe auch innerhalb der EU nötig wird», sagte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarčič, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Von welchen Szenarien geht man aus?

Die Verantwortlichen innerhalb der EU arbeiten demnach mit zwei denkbaren Notfall-Szenarien:

  • Sollte nur eine kleine Zahl an Mitgliedstaaten von einem Zwischenfall wie einem grossflächigen Stromausfall (Blackout) betroffen sein, «können andere EU-Staaten über uns Stromgeneratoren liefern, wie es während Naturkatastrophen geschieht», sagte der zuständige EU-Kommissar.
  • Wäre eine grosse Zahl an Ländern gleichzeitig betroffen, sodass die EU-Länder ihre Nothilfe-Lieferungen an andere Mitgliedstaaten deckeln müssten, könne die Kommission den Bedarf aus ihrer strategischen Reserve bedienen.

Welches Material hält die EU für den Notfall bereit?

Zu dieser Reserve für Krisenfälle zählen laut EU-Kommissar Lenarčič Löschflugzeuge, Generatoren, Wasserpumpen und Treibstoff, aber auch medizinisches Gerät und inzwischen auch Medizin.

Bereits im Zuge der Corona-Pandemie habe sich die EU-Kommission gegen chemische, biologische, radiologische und nukleare Notfälle gewappnet. «So konnten wir nun schon fünf Millionen Jodtabletten an die Ukraine liefern, für die Anwohner bedrohter Atomkraftwerke», sagte er.

Wen wird die EU im Notfall unterstützen?

Bei dem EU-Programm für Katastrophenschutz können alle EU-Mitgliedsstaaten, aber auch alle anderen Länder der Welt Hilfe beantragen – im Fall von Waldbränden, Überschwemmungen, Erdbeben und ähnlichen akuten Krisen.

Die Hilfen mit Material und Gerät aus anderen EU-Staaten werden dann von dem Programm unter dem Krisenschutz-Kommissar koordiniert und weitergeleitet. Im Notfall geschehe das noch am selben Tag, betonte er.

Kann die EU trotz Bürokratie im Notfall schnell genug liefern?

Der EU-Kommissar für Krisenschutz versichert, dies sei möglich. So habe man etwa Slowenien, dessen Stromnetz 2014 nach einem Schneesturm beschädigt war, und Kroatien nach den Erdbeben Ende 2021 noch am gleichen Tag mit Generatoren und Treibstoff helfen können.

«Aber es gibt auch Fälle, wo Hilfe über mehrere Tage oder Wochen gebraucht wird. Zum Beispiel hat Deutschland in diesem Sommer erstmals Hilfe über den EU‑Katastrophenschutzmechanismus angefragt: Bei den Waldbränden im Harz konnten wir Löschflugzeuge organisieren, die vier Tage lang mehr als hundertmal Wasser abgeworfen haben.»
Janez Lenarčič, EU-Kommissarquelle: rnd.de

Was löst Russland mit seinem illegalen Tun aus?

Dazu vertritt der zuständige EU-Kommissar eine klare Haltung. Allein schon, dass die russische Führung die Energielieferungen an den Weltmarkt manipuliere, werde zur Belastung für viele Menschen, zumal die Energiekrise zugleich die Lebensmittelpreise in die Höhe treibe und für Millionen Menschen Lebensmittel unbezahlbar würden.

Verschärft werde diese Krise zusätzlich «durch die Blockade oder Besetzung von 90 Prozent der Schwarzmeer­häfen, über die die Ukraine als einer der bislang grössten Exporteure von Agrarprodukten die Welt beliefert».

Es sei sehr aufwändig gewesen, dieses Problem zu lösen, aber die EU habe sehr schnell «Solidaritätskorridore» organisiert, sodass bis heute zehn Millionen Güter per Schiene, Strasse und Wasserwege exportiert werden konnten. Parallel dazu habe man die Vermittlungen durch die Vereinten Nationen und die Türkei unterstützt, die Häfen zu öffnen.

«Die Exporte lindern die globale Nahrungskrise – aber wir müssen weiter daran arbeiten und die Kapazitäten der Solidaritätskorridore ausbauen und mehr Häfen öffnen. Denn noch immer liegen die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel höher als vor dem Krieg.»
quelle: rnd.de

Vernachlässigt die EU wegen des Ukraine-Krieges andere Länder in Not?

Nein. Der EU-Kommissar für Krisenschutz sagt:

«Bei uns wurde wegen der Ukraine-Krise kein einziger Euro aus einem Programm für auch nur einen einzigen Krisenherd der Welt abgezogen. Denn das Schlimme ist: Auch die anderen Notlagen verschärfen sich gerade – zum einen, weil die Konflikte selbst eskalieren, etwa im Norden Äthiopiens, wo anhaltende Bombenangriffe die humanitäre Hilfe erschweren.»
quelle: rnd.de

Wer ist der EU-Kommissar für Krisenschutz?

Zu Janez Lenarčič schreibt rnd.de:

«Der EU‑Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarčič, stammt aus Slowenien und war zuvor Direktor des Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte der OSZE. Seit 2019 arbeitet er in der Kommission unter Ursula von der Leyen, wo er neben der humanitären Nothilfe der EU auch die Entwicklungspolitik und den Katastrophenschutz der Kommission verantwortet.»
quelle: rnd.de
epa09810283 European Commissioner for Humanitarian Aid and Crisis Management, Janez Lenarcic holds a news conference on 'EU solidarity with those fleeing the war in Ukraine', at the European ...
Janez Lenarčič ist ein 54-jähriger slowenischer Diplomat und erfahrener Europa-Politiker.Bild: keystone

Quellen

(dsc)

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