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Analyse

Wie China bei der künstlichen Intelligenz die USA austrickst

Das Bild zeigt Antropic Chef Dario Amodei und CEO Sam Altman vor einem Mainboard auf dem eine Karte von China suggeriert wird.
Bild: watson/getty
Analyse

Wie die Chinesen bei der KI die Amerikaner austricksen

OpenAI und Anthropic wittern in den chinesischen Open-Source-Modellen eine existenzielle Gefahr.
21.07.2026, 20:4521.07.2026, 20:45

Im Januar 2025 schockte das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek mit einem Modell, das leistungsmässig mit der amerikanischen Konkurrenz wie ChatGPT mithalten konnte. Jetzt haben die Chinesen erneut zugeschlagen: Moonshot und Alibaba haben mit ihren neusten Modellen das KI-Rennen zwischen den Chinesen und den Amerikanern erneut angeheizt.

Im Gegensatz zu den geschlossenen Modellen von OpenAI und Anthropic setzen die Chinesen dabei auf ein Modell, das wir bereits vom Betriebssystem Linux kennen. Es ist kostenlos, offen und erlaubt es den Usern, es herunterzuladen und den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Das löst bei den Amerikanern Panik aus. Dean Ball, Strategiechef bei OpenAI, erklärt gegenüber dem «Wall Street Journal»: «Das Open-Weight-Model ist KI-Kommunismus in Reinkultur. Genau dies streben die Chinesen an. Sie wollen nicht, dass KI ein Produkt der Marktwirtschaft bleibt, sondern Teil einer staatlichen Infrastruktur wird.»

OpenAI’s CEO Sam Altman speaks at the AI Summit in New Delhi, India, Thursday, Feb. 19, 2026. (AP Photo)
Sam Altman
Von der chinesischen Konkurrenz bedrängt: Sam Altman.Bild: keystone

Äusserungen von Xi Jinping vom vergangenen Freitag an der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai bestärken diese Befürchtungen. Der chinesische Staatspräsident rief alle Länder zu «Open Source, Offenheit, Kollaboration und zum Teilen» auf.

Bei OpenAI und Anthropic hingegen spricht man von einer «dystopischen Höllenlandschaft», in der alle – auch Terroristen – Zugang zur KI haben und niemand mehr die Kontrolle darüber hat. Deshalb wird der Staat aufgefordert, einzugreifen, bevor es zu spät ist.

Die Befürchtungen von Sam Altman und Dario Amodei in Ehren, doch ihnen dürfte es primär darum gehen, ihre geschäftlichen Interessen zu schützen. Sowohl OpenAI wie auch Anthropic bereiten sich auf einen Börsengang vor und hoffen auf eine Börsenkapitalisierung in der Höhe von einer Billion Dollar und mehr. Um das zu erreichen, müssen sie die Investoren davon überzeugen, dereinst mit ihren geschlossenen Systemen fette Gewinne einzufahren. Dieses Ziel gefährden die offenen Modelle der chinesischen Konkurrenz.

Dario Amodei, Co-Gründer und CEO der US-amerikanischen KI-Entwicklerfirma Anthropic, 2024.
Dario Amodei, Co-Gründer und CEO von Anthropic.Bild: imago-images.de

Bill Gurley, ein ehemaliger Venture Capitalist, weist in einem Gastkommentar in der «Washington Post» auf die satten Gewinne, die einst mit Software erzielt worden sind, hin und stellt fest: «Das Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt, besteht nicht darin, weshalb offene Modelle gratis sind. Es besteht darin, weshalb geschützte Software seit den 1980er-Jahren so grosse Gewinne einfahren konnte, weil ein Mangel künstlich erzeugt wurde und dank Copyright Preise zementiert wurden, die weit über den Produktionskosten liegen. Open Source schafft diese Hindernisse zum Markt ab.»

Gurley widerspricht auch der These, wonach offene Modelle mehr Unsicherheit erzeugen. «Ein Modell, das von allen geprüft werden kann, wird immer sicherer», stellt er fest. «Eine Generation von Open-Source-Software hat dies bewiesen. Der Code, der heute am meisten Vertrauen geniesst, ist offen, genau weil er von Millionen Augen überprüft und notfalls verbessert wird.»

Deshalb kommt Gurley zum Schluss, dass eigentlich jedermann ein Interesse an offenen Modellen haben müsse, ausser OpenAI und Anthropic, «deren Vermögen davon abhängt, dass sie geschlossen bleiben.»

Sam Altman und Dario Amodei müssen sich nicht nur vor der chinesischen Konkurrenz in Acht nehmen. Zunehmend werden sie auch an Leib und Leben bedroht. Grund ist die Wut auf die KI, die in vielen Teilen der Bevölkerung um sich greift. Auf das Haus von Altman ist kürzlich ein Brandanschlag verübt worden. «Das Volumen der digitalen Drohungen gegen die KI-Chefs und Datacenters hat sich seit dem Februar versiebenfacht», meldet das «Wall Street Journal».

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