Schweiz
Digital

Schaffhauser Staatsanwaltschaft verfolgt junge Frau wegen dieser Handyhülle

Popsängerin und Stil-Ikone Rihanna posiert mit einer Schlagring-Handyhülle. 
Popsängerin und Stil-Ikone Rihanna posiert mit einer Schlagring-Handyhülle.

Schaffhauser Staatsanwaltschaft verfolgt junge Frau wegen dieser Handyhülle

Eine Handyhülle ist weit mehr als ein praktischer Schutz, für viele ist sie ein Mode-Accessoire. Aber Vorsicht: Wenn die Hülle zu extravagant ist, kann sie gegen das Waffengesetz verstossen. 
10.10.2015, 10:4311.10.2015, 12:14

Lassen sich Promis wie Rihanna, die bei jungen Frauen als Stil-Ikone gilt, mit einer neuen Handy-Schutzhülle fotografieren, schnellen die Verkaufszahlen in der Regel in die Höhe. Gerade junge Menschen eifern ihren Vorbildern nach. Einer jungen Schweizerin wurde die Rihanna-Hülle in Form eines Schlagrings zum Verhängnis. Das Konsumentenmagazin «Espresso» des SRF berichtete zuerst über diese Rechtsposse aus dem Kanton Schaffhausen.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf im Jahr 2013: Sophie S. fand: «Eine solche Rihanna-Hülle muss ich haben!» Sie bestellte sich die damals angesagte Schutzhülle aus Plastik im Internet. Das Paket traf allerdings nie ein. Dafür flatterte eine Vorladung der Polizei ins Haus – wegen Verstosses gegen das Waffengesetz. Die Handyhülle besteht aus einem Rahmen, der das Smartphone schützen soll. Auf der linken Seite ist ein Plastik-Griff angebracht. Dieser sieht aus wie ein Schlagring, ist aber natürlich keine Waffe, sondern ein extravagantes Mode-Accessoire. Für die Staatsanwaltschaft Schaffhausen ist die Schutzhülle gleichwohl eine Waffe. Die Begründung: «Der Artikel ist klar mit Schlagring-Handyhülle gekennzeichnet.»

Ein Beispiel für eine Schlagring-Handyhülle: Die Verpackung deutet nicht wirklich darauf hin, dass es es sich um eine Waffe handeln könnte.
Ein Beispiel für eine Schlagring-Handyhülle: Die Verpackung deutet nicht wirklich darauf hin, dass es es sich um eine Waffe handeln könnte.
bild: SRF

Auch wenn Sophie die Hülle gar nie erhalten hat, muss sie zum Verhör. Was für viele Menschen absurd klingt, ist für Strafrechtsprofessor Martin Killias nachvollziehbar: Weil Schlagringe gefährliche Waffen seien und in der Gewaltszene eine verheerende Rolle spielen würden, sei die Reaktion der Polizei verständlich. 

Ob die Schweizer Polizei auch die gemeingefährliche Cameron Diaz zum Verhör vorladen würde?
Ob die Schweizer Polizei auch die gemeingefährliche Cameron Diaz zum Verhör vorladen würde?
bild: keystone

Die Akte liege nun bei der Staatsanwaltschaft Schaffhausen, schreibt «Espresso». Ihr droht schlimmstenfalls ein Eintrag ins Strafregister und eine Busse von 200 Franken. Laut Staatsanwältin Monika Jehl besteht die Möglichkeit, dass das Verfahren eingestellt wird, falls man ihr doch noch glaubt, dass keine böse Absicht bestand. Auf dieses Ende hofft auch Killias. Er findet es nicht sinnvoll, wenn Leute verfolgt werden, «die offensichtlich keinerlei Bezug zur Gewaltszene haben. Das ist vermutlich in den meisten Fällen ein Overkill, also übertrieben», wird er im Bericht zitiert.

Ist die Schlagring-Hülle für dich eine Waffe?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1972 Personen teilgenommen

Pfefferspray, Hammer oder Axt: Ist es eine Waffe oder ein Werkzeug?

1 / 32
Hammer, Schere oder Pfefferspray: Ist es eine Waffe oder ein Haushaltsprodukt?
Je nach Situation ist ein Hammer oder eine Axt ein Werkzeug oder eine Waffe. Es drohen Geld- und Freiheitsstrafen und ein Eintrag ins Strafregister. Ein Pfefferspray ist laut Gesetz in der Regel keine Waffe. Aber welche Gegenstände gelten als Waffe?
quelle: fedpol / fedpol
Auf Facebook teilenAuf X teilen

(oli)

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Fake-QR-Codes: Luzerner Polizei warnt vor Betrugsmasche an Parkuhren
Betrüger haben es im Kanton Luzern auf parkierende Automobilisten abgesehen. Sie versuchen, mit gefälschten und an Parkuhren angebrachten QR-Codes an Bankdaten zu gelangen.
Zur Story