Tauender Permafrost führt zu Rekordzahl an Felsstürzen in Alpen
Der Hitzesommer 2026 dürfte in den Alpen zu einer Rekordzahl an Felsstürzen führen. Allein im Mont-Blanc-Massiv werden laut französischen Forschenden 450 grössere Felsstürze erwartet.
Das Jahr 2026 werde mit Sicherheit ein Rekordjahr sein, sowohl bei der Häufigkeit der Felsstürze als auch bei der Menge des Gesteins. Das sagte der Geomorphologe Ludovic Ravanel vom französischen Forschungszentrum CNRS (Centre national de la recherche scientifique) am Donnerstag der französischen Nachrichtenagentur AFP.
Eine grosse Mehrheit der Felsstürze sei auf die Klimakrise zurückzuführen, so Ravanel. Die steigenden Temperaturen schädigten den Permafrost. Dieser seit Jahrtausenden gefrorene Boden enthalte unsichtbares Eis in den Felsspalten. Dieses Eis wirke als «Zement» oder «Kitt für die Berge». Wenn es schmelze, lösten sich die Felsen.
Eine weitere Ursache sei der Gletscherschwund. Die Gletscher übten einen stabilisierenden Druck auf die Felswände aus. Wenn sie an Dicke verlören, würden sich die Wände dekomprimieren, was ebenfalls zu Felsstürzen führen könne.
Risiko für Alpinisten
Die Destabilisierung der Felswände stellt laut Ravanel ein Risiko für Alpinistinnen und Alpinisten dar. Seit Beginn des Sommers seien mehrere ums Leben gekommen. Ravanel sprach sich dennoch gegen ein vollständiges Verbot des Zugangs zum Hochgebirge aus, das «vor allem ein Raum der Freiheit» sei.
Die Gemeinschaft der Alpinisten reguliere sich selbst und setze sich in einem Hitzesommer nicht mehr Gefahren aus als in einem kühlen Sommer. Es gebe daher keine «Explosion der Unfallzahlen» aufgrund von Felsstürzen. Der Anstieg der Unfälle sei vielmehr auf die zunehmende Zahl von Feriengästen in den Bergdörfern zurückzuführen.. (nil/sda/afp)
