Der Rasenstreit des Philipp Müller
Der Hallwilersee, so blau. Der Rasen, so grün. Die Köpfe, so rot. Zwei Nachbarn, so zerstritten.
Seit 2018 leben Bury und Müller an bester Lage in Meisterschwanden nebeneinander. Ein ruhiges Quartier, stattliche Häuser, freie Sicht auf den Hallwilersee. Doch die Idylle trügt. Jüngstes Beispiel, das den Nachbarschaftsstreit in die Öffentlichkeit trägt: ein Beitrag vom Lokalsender Tele M1 von vergangener Woche.
Darin wirft Bury seinem prominenten Nachbarn vor, seinen Rasen getränkt zu haben – trotz Bewässerungsverbots der Gemeinde Meisterschwanden. «Es könnten Kühe darauf grasen, so hoch ist das Gras», sagt Bury in die Kamera. «Der Rasen ist wunderbar grün, rundherum alles braun.» Ein Schwenk aus der Vogelperspektive im Beitrag zeigt Müllers grünen Garten neben braunen Wiesen.
Müller wehrt sich im Beitrag. Der Rasen sei lediglich mit einer Giesskanne getränkt worden, während er und seine Frau in den Ferien weilten. Dies sei erlaubt. Die Gemeinde sieht dies freilich anders: Ganze Flächen zu wässern, sei auch mit einer Giesskanne verboten.
Baueingabe und Kamera lösen den Streit aus
Nun schlägt der Ex-FDP-Präsident zurück. Der Fernsehbeitrag ist für ihn vor allem eines: ein Racheakt seines Nachbarn. Wann der Konflikt begonnen hat, ist unklar. Auslöser aus Müllers Sicht ist ein Parkplatz, den er und seine Frau renaturieren wollen. Im September 2025 kontaktierten sie Bury und dessen Mutter, die im Nachbarhaus leben. Doch die Mutter verweigerte gemäss Müller ihre Unterschrift. «Wegen 35 Quadratmetern – ein Witz.»
Es folgte der Behördenweg: Baueingabe, Zusage der Gemeinde, Einsprache der Nachbarn, der Kanton lehnt diese ab. 1200 Franken kostet Bury und seine Mutter die Einsprache. Sie können den Rekurs ans Verwaltungs- und ans Bundesgericht weiterziehen.
Wenige Tage, nachdem der Entscheid die verfeindeten Nachbarn erreicht hatte, standen zwei Polizisten vor Müllers Tür. Der Verdacht, Müller solle seinen Rasen heimlich wässern, erhärtete sich offenbar nicht. Die Polizisten sahen von einer Busse ab.
Noch mehr aber stört sich Müller an der schwenkbaren Überwachungskamera seines Nachbarn, die auf sein Grundstück und in sein Wohnzimmer gerichtet sei. «Das ist illegal und der eigentliche Skandal», sagt Müller.
Der Ex-FDP-Chef ist überzeugt: Die Bilder aus dem «Tele M1»-Beitrag, die seinen grünen Rasen zeigen, stammen von Burys Kamera. Dieser behaupte jedoch, sagt Müller, seine Kamera sei lediglich eine Attrappe. Nach dem Beitrag habe Bury seine Kamera demontiert. Müller sieht seinen Verdacht bestätigt.
Zum Beweis schickt Müller zwei Fotos. Das erste, gemäss Dateiinformation am 6. August 2026 aufgenommen, zeigt die Kamera an der Nachbarfassade. Auf dem zweiten, am Folgetag aufgenommen, fehlt sie indes.
Verbrannt ist die Erde ohnehin
Für seinen grünen Garten hat Müller eine zusätzliche Erklärung statt der unterstellten Wässerung. Sein Rasen ist relativ neu. Erst im Mai liess er sogenannten Rollrasen verlegen. Im Vorfeld habe seine Frau den Untergrund mit sogenannten effektiven Mikroorganismen behandelt. «Diese erhöhen die Widerstandsfähigkeit des Rasens gegen Trockenheit», sagt Müller.
Nachbar Bury möchte den Konflikt nicht zusätzlich befeuern und äussert sich auf Anfrage nicht zu Müllers Vorwürfen. Lieber will er Gras über die Sache wachsen lassen. Doch verbrannt ist die Erde ohnehin. (schweizheute.ch)

