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Filmfestival Locarno

Filmfestival Locarno: Der Goldene Leopard geht an "Mrs. Fang"

Filmfestival Locarno

Der Goldene Leopard von Locarno geht an den Dokfilm «Mrs. Fang»

12.08.2017, 15:0812.08.2017, 17:51

Der Wettbewerb war stark, die Spannung dementsprechend gross – und die Überraschung noch grösser: Der Goldene Leopard des 70. Filmfestivals in Locarno geht an den Dokumentarfilm «Mrs. Fang» des Chinesen Wang Bing.

In «Mrs. Fang» schaut man einer alten Frau beim Sterben zu. Mit Voyeurismus hat das nichts zu tun. Nüchtern erzählt Wang die Geschichte von Fang Xiuying, einer ehemaligen Bäuerin, die acht Jahre lang an Alzheimer litt. Nachdem ein Aufenthalt in einem Heim keine Besserung brachte, holte die Familie Fang zurück in die Wohnung, wo sie schliesslich 2016 starb.

Auch wenn Wang, der im vergangenen Jahr noch selber in der Locarno-Jury sass, zu den wichtigsten Dokumentarfilmern Chinas gehört, hatten ihn die wenigsten Filmkritiker auf dem Radar. Dementsprechend gross war die Überraschung am Samstagnachmittag, als Jurypräsident Olivier Assayas vor den Medien den Preisträger verkündete.

Der Goldene Leopard für die beste Darstellerin geht an die Französin Isabelle Huppert, die im Spielfilm «Madame Hyde» eine verschrobene Lehrerin spielt.

Der Preis für den besten Darsteller geht – entgegen der Erwartungen vieler – nicht an den 91-jährigen Harry Dean Stanton («Lucky»), sondern an Elliott Crosset Hove für seine Darstellung in «Winter Brothers» (Bild unten).

epa06139937 Actor Elliot Crosset Hove from Denmark poses during the photocall for the film 'Winter Brothers' with the Pardo trophy for the best actor at the 70th Locarno International Film F ...
Elliot Crosset Hove.Bild: EPA/KEYSTONE

Enttäuschende Schweizer Filme

Die Schweizer Kandidaten im Wettbewerb gehen nahezu leer aus. Der Spielfilm «Goliath» von Dominik Locher erhält keine Auszeichnung. Für das Debüt «Dene wos guet geit» von Cyril Schäublin im Nachwuchswettbewerb «Cineasti del presente» gab es immerhin eine spezielle Erwähnung der Jury.

Übergeben werden die Preise am Samstagabend auf der Piazza Grande. Dort verkündet der künstlerische Leiter Carlo Chatrian auch, welcher Film des Piazza-Programms den Publikumspreis gewinnt. Darüber konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer abstimmen. Den filmischen Abschluss bildet nach der Preisverleihung die Premiere des Schweizer Dokumentarfilms «Gotthard – One Life, One Soul» (Regie: Kevin Merz).

Insgesamt starker Wettbewerb

Das Filmfestival machte in seinem 70. Jahrgang mit einem aussergewöhnlich starken Wettbewerb von sich reden: Narrative, zugängliche Filme überwogen, während Experimentelles rar war.

Hingegen kam das Programm der Piazza Grande beim Publikum und den Filmkritikern weniger gut an als in vergangenen Jahren. In der zweiten Festivalhälfte machte zudem das Wetter den Freilichtvorführungen einen Strich durch die Rechnung: Nach fünf Hitzetagen trieben Regen und Gewitter das Publikum in die Kinosäle.

(dsc/sda)

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