So verändert die Hitze die Tierhaltung
Viele Tiere können nicht oder nur eingeschränkt schwitzen und haben deshalb Schwierigkeiten, ihre Körpertemperatur bei Hitze zu regulieren. Temperaturen, die für Menschen noch angenehm erscheinen, können so für manche Nutztiere bereits zur Belastung werden: Für Kühe kann es bereits ab etwa 16 Grad Celsius zu warm werden, Schweine geraten ab rund 20 Grad unter Hitzestress.
Die Hitze schlägt sich auch auf die Produktion nieder: Gestresste Tiere fressen weniger, die Erträge sinken. Viele Betriebe haben darum ihre Haltung angepasst.
Schwitzen ist im Tierreich eine Ausnahme
Eine Milchkuh produziert durch ihren intensiven Stoffwechsel und die Verdauung sehr viel Wärme: An einem Sommertag rund 200 Wattstunden. Eine gute Belüftung im Stall ist deshalb entscheidend. An Hitzetagen sorgen grosse Ventilatoren für einen kühlenden Luftstrom. Zusätzlich setzen viele Betriebe Sprühanlagen ein, um die Temperatur zu senken, berichtet SRF.
Bei hohen Temperaturen fressen Kühe weniger, weil die Verdauung Körperwärme erzeugt. Somit geht auch das Wiederkäuen zurück, womit das Risiko einer Magenübersäuerung steigt.
Viele Betriebe setzen darum auf leicht verdauliches Futter und energiereiche Ergänzungen wie pansenstabile Fette oder Hefe. Zudem wird die Fütterung häufig auf die kühleren Abend- und frühen Morgenstunden verlegt. Neben dem Futter spielt auch die Wasserversorgung eine entscheidende Rolle: Bereits unter normalen Bedingungen trinken Kühe bis zu 150 Liter pro Tag. Bei grosser Hitze steigt der Bedarf auf bis zu 250 Liter.
Kühe vermeiden bei Hitze unnötige Anstrengung. Sie können zwar schwitzen, besitzen aber nur wenige Schweissdrüsen. Anders als Schweine legen sie sich bei hohen Temperaturen seltener hin und bleiben häufiger stehen, weil sie so ihre Körperwärme besser abgeben können. Um sich abzukühlen, atmen sie zudem schneller und intensiver, schreibt der Schweizer Bauer.
Hitze senkt Milch- und Eierproduktion
Die Hitze wirkt sich nicht nur auf die Milchleistung aus, sondern auch auf die Fruchtbarkeit der Kühe. Gleichzeitig schwächt Hitzestress das Immunsystem und kann die Anfälligkeit für Krankheiten erhöhen, etwa für Euterentzündungen. Diese können wiederum die Milchqualität beeinträchtigen.
Schafe sind ebenfalls Wiederkäuer und reagieren ähnlich auf Hitze wie Kühe. Bei hohen Temperaturen fressen sie weniger, um weniger Verdauungswärme zu produzieren. Das kann die Milchleistung verringern und die Tiere anfälliger für gesundheitliche Probleme machen.
Viele Betriebe haben den Weidegang darum umgestellt: Am Tag bleiben die Tiere im gekühlten Stall und am Abend, wenn es kühler wird, werden sie auf die Weide gelassen.
Hühner können gar nicht schwitzen, ihnen fehlen die Schweissdrüsen. Um Wärme loszuwerden, beginnen sie zu hecheln. Bei grosser Hitze fressen sie weniger und nehmen dadurch weniger Energie auf. Das wirkt sich auf die Eierproduktion aus: Die Eier werden kleiner, und auch das Legeverhalten verändert sich. Statt am frühen Morgen legen viele Hennen ihre Eier erst später am Tag.
Doch viele Betriebe haben sich auf die steigenden Temperaturen eingestellt: «Moderne Hühnerställe verfügen heute standardmässig über automatische Lüftungssysteme, die auch bei hohen Aussentemperaturen für ein stabiles Stallklima sorgen», schreibt SRF.
Spezialfutter für heisse Tage
Auch Schweine mögen keine Hitze. Sie können nicht schwitzen und suchen deshalb andere Wege, um Wärme abzugeben. Sie legen sich auf kühle, feuchte Böden und machen sich so lang, wie es geht, damit möglichst viel Körperfläche mit dem Untergrund in Kontakt kommt. Viele Betriebe unterstützen die Tiere zusätzlich mit Duschen, Wasserflächen und klimatisierten Ställen.
Statt grosser Mahlzeiten erhalten Schweine mehrere kleinere Portionen über den Tag verteilt. Oft wird der Proteingehalt angepasst, da der Abbau von Eiweiss zusätzliche Körperwärme erzeugt.
Neue Strategien gegen die Hitze
Die Hitze verändert auch den Blick auf die Zukunft der Tierhaltung. Künftig könnte es wichtiger werden, den Rhythmus der Tiere an die Jahreszeiten anzupassen. Das könnte so aussehen: Die Kühe bekommen ihre Kälber im Frühling, wenn auf den Weiden am meisten Gras wächst. In dieser Zeit ist ihr Energie- und Futterbedarf am höchsten, weil sie viel Milch produzieren. Im Sommer oder Winter, wenn das Futter knapper ist, sind sie trächtig und brauchen weniger Futter. Heute bekommen viele Milchkühe ihre Kälber über das ganze Jahr verteilt, damit die Milchproduktion möglichst konstant bleibt.
Künftig könnten auch robustere Tiere gefragt sein, die Hitze besser vertragen, seltener krank werden und mit weniger Futter auskommen. Doch bis sich solche Eigenschaften durchsetzen, dauert es einige Jahre.
