Schweiz
Gesellschaft & Politik

Ernährungsinitiative in der Schweiz: Umweltverbände distanzieren sich

Umweltverbände distanzieren sich plötzlich von Ernährungsinitiative

03.08.2026, 10:2303.08.2026, 10:23

Nach anfänglicher Unterstützung distanzieren sich inzwischen Umweltschutzorganisationen von der Ernährungsinitiative. Pro Natura hat die Nein-Parole zur Ernährungsinitiative gefasst. Vier Pfoten will sich nach eigenen Angaben «nicht aktiv zur Initiative äussern». Greenpeace Schweiz gibt Stimmfreigabe.

Impression vom Foodsaver Jam, einem oeffentlichen Gemueseruesten und Kochen von geretteten Lebensmitteln, fotografiert auf dem Barfuesserplatz in Basel, am Montag, 2. Mai 2016. Jeder kann mitjammen, a ...
Umweltschutzorganisationen gehen bei der Ernährungsinitiative auf Distanz.Bild: KEYSTONE

Die Initiative, über die am 27. September abgestimmt wird, habe nicht die erhoffte «dringend nötige, breite Diskussion über die Zukunft des Schweizer Ernährungssystems lanciert», teilte Pro Natura am Montag mit.

Tamedia hatte zuvor berichtet heute, dass Pro Natura, Greenpeace und Vier Pfoten ihre Unterstützung der Ernährungsinitiative zurückgezogen haben. Der Rückzug der Organisationen sei schwierig zu verstehen, wurde Initiantin Franziska Herren zitiert.

Franziska Herren, Initiantin Initiative, spricht an der Pressekonferenz zum Kampagnenstart der Volksinitiative 'Fuer eine sichere Ernaehrung durch Staerkung einer nachhaltigen inlaendischen Produ ...
Franziska Herren, Initiantin der Ernährungsinitiative.Bild: keystone

Pro Natura will sich, wie es auf Anfrage von Keystone-SDA hiess, im Rahmen der Agrarpolitik weiterhin konstruktiv und tatkräftig für tragbare Tierbestände, weniger Pestizide und ein Ernährungssystem einsetzen, das mit sinnvollen Anreizen arbeite.

Die Stossrichtung der Initiative sei aus Tierschutzperspektive grundsätzlich unterstützenswert, teilte vier Pfoten auf Anfrage mit. Vier Pfoten setze sich aber aktuell mit verschiedenen politischen Massnahmen, konkreten Projekten und Kampagnen für einen besseren Tierschutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen von Tieren ein und wolle sich «nicht aktiv zur Initiative äussern».

Auch Greenpeace Schweiz teilte auf Anfrage mit, dass man das Anliegen der Initiative teile, mehr Lebensmittel direkt für die menschliche Ernährung statt als Tierfutter anzubauen. «Der Entscheid, die Ernährungsinitiative nicht länger zu unterstützen, basiert auf einer strategischen Fokussierung unserer politischen Arbeit, nicht einer inhaltlichen Distanzierung», so Greenpeace weiter. Man wolle sich jedoch prioritär in die Agrarpolitik 2030+ – und vor allem in die Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel – einbringen: «Deswegen empfehlen wir weder ein Ja noch ein Nein».

Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» will die Verfassung ergänzen. Namentlich fordert sie, dass der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt und entsprechend eine vermehrt auf pflanzliche Lebensmittel basierende Ernährungsweise fördert. Darauf müsste sich die Land- und Ernährungswirtschaft ausrichten, und auch Subventionen müssten entsprechend gestaltet werden. Erreicht werden müssten diese Ziele innerhalb von zehn Jahren. (dab/sda)

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