Kommission will nach USZ-Herzchirurgie-Skandal Konsequenzen – das sind ihre Forderungen
Die Eidgenössische Qualitätskommission (EQK) nimmt die Vorkommnisse an der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ) aus den Jahren 2016 bis 2020 zum Anlass für schweizweite Empfehlungen. Sie will verhindern, dass Patientinnen und Patienten durch finanzielle Eigeninteressen von behandelnden Ärzten zu Schaden kommen.
Die EQK richtet ihre Forderungen an die Kantone sowie an die Leitungsgremien der Spitäler. Spitalleitungen und Aufsichtsgremien müssten ein verantwortungsvolles Verhalten an den Tag legen, um die Versorgungsqualität zu gewährleisten.
Die Kommission empfiehlt den Kantonen, die Aufnahme von Spitälern auf die kantonalen Spitallisten an strenge Bedingungen zu knüpfen. Die Gesundheitseinrichtungen sollen verpflichtet werden, die Interessenbindungen ihres leitenden Personals konsequent offenzulegen. Dies betrifft nicht nur die Ärzteschaft, sondern auch das Kader aus Pflege und Therapie. Die Informationen müssen regelmässig aktualisiert werden, damit Konflikte abgewendet werden können.
Ethische Standards bei Studien
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft Forschungsprojekte und den Einsatz experimenteller Behandlungen. Die Leitungsgremien der Spitäler werden aufgefordert, ihrer Verantwortung gemäss dem Humanforschungsgesetz nachzukommen. Es müsse sichergestellt sein, dass klinische Studien gesetzeskonform ablaufen. Hinweise auf Verstösse müssen umgehend untersucht werden, um die Studienteilnehmenden zu schützen.
Zur Einhaltung der Standards zählt die EQK die zwingende Bewilligung durch eine Ethikkommission oder ein Review Board. Zudem fordert sie eine sorgfältige Abwägung zwischen Nutzen und Risiken, eine umfassende Aufklärung der Patienten sowie deren Freiwilligkeit bei der Teilnahme. Ebenso unerlässlich seien eine vollständige Dokumentation und eine engmaschige Überwachung des Studienverlaufs.
Übersterblichkeit am USZ
Hintergrund dieser nationalen Empfehlungen ist der gravierende Fall an der Zürcher Herzchirurgie unter dem ehemaligen Klinikdirektor Francesco Maisano. Eine im Mai dieses Jahres publizierte Administrativuntersuchung belegte in der Klinik ein massives Führungs- und Systemversagen. Die unabhängige Untersuchungskommission wies nach, dass es von 2016 bis 2020 bei rund 4500 Operationen zu 68 bis 74 zusätzlichen Todesfällen kam.
11 von 307 detailliert untersuchten Todesfällen wurden von den Experten als medizinisch nicht erwartbar eingestuft. Die Untersuchung beleuchtete zudem den Interessenkonflikt von Maisano, der lukrative Beziehungen zu Medizintechnikunternehmen unterhielt. Diese Verflechtungen waren dem Zürcher Spitalrat bei seiner Berufung im Jahr 2014 bekannt, wurden jedoch nicht kritisch hinterfragt oder reguliert.
Maisano war unter anderem an der Entwicklung des sogenannten Cardiobands beteiligt. In 13 Fällen stufte der Bericht den Einsatz solcher neuartigen Produkte als eindeutig unangemessen ein. Der Bericht folgerte, dass oftmals die Patienten in den Dienst der Innovation gestellt wurden und nicht umgekehrt. Die mangelhafte klinische Umsetzung führte zu einer massiven Gefährdung der Patientensicherheit.
Erschwerend kam hinzu, dass die Spitalführung trotz interner Warnungen nicht rechtzeitig eingriff. Qualitätsberichte wiesen bereits ab dem Jahr 2017 auf die erhöhte Sterblichkeit hin. Die Spitaldirektion liess eine erneute Verschlechterung ab 2019 dann aber weitgehend unbeachtet. Zur rechtlichen Klärung hat der USZ-Spitalrat die elf nicht erwartbaren Todesfälle und die 13 Fälle des unangemessenen Produkteinsatzes der Staatsanwaltschaft gemeldet. (dab/sda)
