«Baby Botox» boomt – wie ein Schweizer Unternehmen vom Schönheitswahn profitiert
Schönheit wird immer mehr zum Geschäft – und die Kundschaft immer jünger. Wie die Financial Times berichtet, greifen immer mehr Menschen schon in ihren Zwanzigern zu Botox. Nicht etwa, weil sie die ersten Falten bemerken, sondern um sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Der Trend nennt sich «Baby Botox». Kleine Dosen sollen die Haut glatt halten und den Alterungsprozess hinauszögern.
Einer der grossen Profiteure vom Geschäft mit der ewigen Jugend befindet sich in der Schweiz: Galderma Group AG mit Sitz in Zug ist der zweitgrösste Hersteller von ästhetischen Injektionsmitteln weltweit. Das Dermatologieunternehmen wurde 1981 als Joint Venture zwischen L'Oréal und Nestlé gegründet. Der Börsengang erfolgte 2024. Seitdem haben sich die Aktien mehr als verdoppelt.
Milliardenmarkt – das Geschäft mit der Schönheit
Der Däne Ornskov ist seit 2019 CEO des auf Dermatologie spezialisierten Pharmaunternehmens Galderma. Das Unternehmen verkauft nicht nur Botox, sondern auch Hyaluron-Filler für mehr Volumen, Kollagen-Booster wie Sculptra, Medikamente gegen Hautkrankheiten und Hautpflegeprodukte wie Cetaphil. Gegenüber der Zeitung sagt er: «Der Trend ist nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Menschen wollen ihr Aussehen gezielt verbessern oder optimieren.»
Das zeigt sich auch in den Zahlen: Der Umsatz mit den ästhetischen Injektionsprodukten stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr um 11,5 Prozent auf 2.5 Milliarden US-Dollar. Analysten erwarten für dieses Jahr einen Umsatz von 6.3 Milliarden Dollar und einen Vorsteuergewinn von 1.1 Milliarden Dollar – also 21 Prozent mehr als im Vorjahr.
Ozempic bringt neue Kundschaft
Der neueste Trend: Niemand soll sehen, dass nachgeholfen wurde. Galderma setzt auf dezente Behandlungen – mit dem Versprechen eines natürlichen Ergebnisses. Besonders Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy haben dem Unternehmen zu mehr Kundschaft verholfen, da viele Menschen durch die schnelle Gewichtsabnahme auch Volumen im Gesicht verloren haben. Produkte wie Sculptra sollen dieses wieder aufbauen.
Ornskov weist die Kritik zurück, Galderma fördere den Trend zu immer mehr Eingriffen. Der Wunsch nach einem jüngeren Aussehen sei Teil einer viel grösseren gesellschaftlichen Entwicklung. «Menschen wollten länger leben, gesünder wirken und ihr Aussehen optimieren.» Galderma sei dabei nur ein kleiner Akteur in einem riesigen Markt.
Der Wilde Westen der Beauty-Branche
Doch das Unternehmen steht auch aus einem anderen Grund in der Kritik: Die Britin Naveen Cavale, Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Plastische Chirurgie (ISAPS), beschreibt die Branche als «Wilden Westen». Die Unternehmen täten zwar ihr Bestes, um zu verhindern, dass ihre Produkte in die falschen Hände geraten, doch ihre Möglichkeiten seien begrenzt. Immer mehr Ärzte, Zahnärzte, Pflegefachpersonen – und teilweise sogar Personen ohne entsprechende Ausbildung – würden weltweit Botox- und Filler-Behandlungen anbieten. Die Folge sind Fehlbehandlungen, die von einem geschwollenen Gesicht bis zu ernsteren Komplikationen reichen können.
Galderma könne zwar kontrollieren, an wen die Produkte verkauft werden – nicht aber, wie sie am Ende eingesetzt werden. Deshalb schult das Unternehmen selbst Gesundheitsfachpersonen: 2025 wurden weltweit mehr als 100'000 Personen ausgebildet. Ziel ist es, Fehlbehandlungen zu verhindern – auch, weil schlechte Ergebnisse in sozialen Medien dem Ruf der Marke schaden können.
In der Schweiz ist das Spritzen von Botox gesetzlich streng geregelt: Ausschliesslich Ärztinnen und Ärzten mit einer gültigen Berufsausübungsbewilligung dürfen die Eingriffe vornehmen. Trotzdem gibt es auch hierzulande unseriöse Angebote.
