Jeder Vierte findet sich zu dick – Wunsch nach staatlichem Eingriff
Ein paar Kilo weniger auf den Hüften, das wünschen sich viele. Gut jede und jeder Vierte möchte abnehmen, das geht aus dem jährlichen Ernährungsmonitor des Forschungsinstituts GFS Bern hervor. Bereits zum 13. Mal ist die Umfrage im Auftrag der Schweizer Mineral- und Softdrinkproduzenten bei Stimmberechtigten durchgeführt worden.
Während der Anteil jener, die mit ihrem Gewicht unzufrieden sind, seit Jahren relativ stabil ist, wächst das Interesse am Thema Ernährung. 89 Prozent der befragten Stimmberechtigten geben an, eher oder sogar sehr daran interessiert zu sein – ein Höchstwert seit der ersten Befragung 2014. Gleichzeitig fällt aber der Anteil jener, die sich mindestens gut übers Thema Ernährung informiert fühlen, mit 68 Prozent auf einen Tiefstand. Offensichtlich fällt es zunehmend schwer, bei all den teils widersprüchlichen Infos, die man gerade online findet, den Durchblick zu behalten.
Der Einsatz von Medikamenten zur Gewichtsabnahme, beispielsweise Spritzen, ist umstritten. 41 Prozent sehen das kritisch, 36 Prozent stehen dem positiv gegenüber. Besonders gross ist die Skepsis, wenn solche Medikamente rein aus ästhetischen und nicht aus gesundheitlichen Gründen genommen werden. Letzteres lehnen über zwei Drittel der Befragten ab.
Werbung für Kinder soll verboten werden
Den Auftraggebern der Studie geht es aber jeweils vor allem darum, herauszufinden, wie die Bevölkerung zu staatlichen Eingriffen rund ums Thema Ernährung steht. Beziehungsweise: aufzuzeigen, dass die Skepsis gegenüber solchen Massnahmen gross ist.
So lehnen zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer eine Zuckersteuer ab, die diverse Staaten bereits eingeführt haben. Allerdings: Ebenfalls zwei Drittel finden, dass Zucker staatlich eingeschränkt werden müsse. Drei Viertel sind ausserdem der Meinung, dass die staatlichen Massnahmen gegen Übergewicht nicht ausreichen. Die Bereitschaft wachse, «staatlichen Eingriffen einen gewissen Stellenwert einzuräumen», halten die Studienautoren fest.
Acht von zehn Befragten befürworten etwa ein Verbot von Werbung für besonders süsse, salzige oder fettige Lebensmittel, die sich an Kinder richtet. Ein solches Werbeverbot will auch der Bund. Das zuständige Bundesamt verhandelt mit der Branche über eine freiwillige Selbstregulierung, wie die «NZZ am Sonntag» im Frühling berichtete. Der Druck auf Hersteller und Detailhändler ist gross – finden sie keine einvernehmliche Lösung, droht eine Regulierung per Gesetz. Und das wollen sie unbedingt verhindern. (schweizheute.ch)

