Vitaminwasser im «Saldo»-Test stellen sich als getarnte Süssgetränke heraus
Wer seinen Durst stillen möchte, aber keine Lust auf langweiliges Wasser hat, greift oftmals zu Vitaminetwasser – Erfrischungsgetränken, die mit Vitaminen angereichert sind. Doch wer nun denkt, man tue sich damit was Gutes, der hat sich geirrt.
Gemäss einer Analyse vom Konsumentenmagazin «Saldo» gehen die meisten der zehn getesteten Produkte als Süssgetränke durch. Diese können zur Entstehung einer Fettleber oder von Typ-2-Diabetes beitragen. Ausserdem steigt der Insulinspiegel an und Fett wird eingelagert. Eine Fettleber kann dann zu Herzinfarkten, Entzündungen und Leberversagen führen.
In einem halben Liter Vitaminwasser sind bis zu 20 Gramm Zucker in Form von Fruktose enthalten, dies entspricht fünf Würfelzucker. Da Fruktose weniger Kalorien als Haushaltszucker enthält, dürfen die Vitaminwasser als kalorienarm vermarktet werden. Gesund sind sie aber bei Weitem nicht.
Teure Spassgetränke
Neben dem Aspekt mit dem Zucker sind die Getränke auch nicht gerade günstig und oftmals teurer als Mineralwasser. Sieben der getesteten Produkte kosten mehr als zwei Franken pro Liter. Zum Vergleich: Einen Liter Schweizer Mineralwasser gibt es ab rund 20 Rappen. Noch billiger ist Leitungswasser, denn für 20 Rappen gibt es davon 100 Liter.
Am besten abgeschnitten hat im Saldo-Test Valais Vitamin, eine Eigenmarke der Migros. Ein halber Liter enthielt hier «nur» 13 Gramm.
Am meisten Zucker enthalten die Vitaminwasser Coop Hydrate + von Coop und Farmer von Landi mit 22 Gramm pro halbem Liter. Dies ist auch deswegen problematisch, weil die Weltgesundheitsorganisation für einen Erwachsenen maximal 50 Gramm Zucker pro Tag empfiehlt.
Vitamine bringen keinen Mehrwert
Der hohe Zuckergehalt kann auch nicht mit den zusätzlichen Vitaminen entschuldigt werden. Laut der deutschen Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt sind Vitaminwasser nicht zu empfehlen, da die zugesetzten Vitamine oft keinen gesundheitlichen Vorteil brächten. Auch Herr und Frau Schweizer seien gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit mehrheitlich ausreichend mit den Vitaminen A, C, B6 und B12 versorgt. Eine zusätzliche Vitaminzufuhr sei dagegen bei Menschen ab 65 Jahren denkbar.
Die Vitamine in den getesteten Produkten bauen sich zudem durch Sonnenlicht und Wärme ab. Diesem Problem wirken die Hersteller entgegen, indem sie entgegen den Angaben Überdosierungen vornehmen, was je nach Vitamin nicht zu empfehlen ist.
Das sagen die Hersteller
Der Grossteil der Produzenten steht hinter ihrem Vitaminwasser. Coop schreibt gegenüber «Saldo», der Zuckergehalt sei niedriger als bei anderen Softdrinks. Die Überdosierung bezüglich der Vitamine will der Detailhändler aber prüfen. Vitamin-Well meint, die Kundschaft könne Getränke der Zero-Produktelinie erwerben, wenn sie Zucker vermeiden will. Lidl möchte zukünftig den Zuckergehalt Schritt für Schritt reduzieren.
(kek)
