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KidsHealthCH-Bericht: 8 Erkenntnisse zur Gesundheit der Schweizer Jugend

Die Sozialen Medien erzeugt bei Schweizer Jugendlichen einen hohen emotionalen Druck.
Die Sozialen Medien erzeugt bei Schweizer Jugendlichen einen hohen emotionalen Druck.Bild: Shutterstock

8 Erkenntnisse zur Gesundheit der Schweizer Jugend

Kindern und Jugendlichen in der Schweiz geht es mehrheitlich gut. Doch der neue KidsHealthCH-Bericht des BAG zeigt: Hinter der stabilen Fassade nehmen psychische Belastungen, Schlafprobleme, Mobbing und Nikotinkonsum deutlich zu.
23.06.2026, 10:5523.06.2026, 11:32

In der Schweiz aufzuwachsen, gilt gemeinhin als Privileg. Blickt man auf die harten medizinischen Fakten, stimmt das auch: Die Sterblichkeitsrate bei Kindern und Jugendlichen ist historisch tief. Doch hinter der glänzenden Fassade lauern ernsthafte Probleme.

Der aktuelle nationale Bericht «KidsHealthCH» des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigt, dass die heranwachsende Generation psychisch wie auch physisch stark belastet ist. Von 100 Indikatoren zeigen 9 eine positive Entwicklung, 23 eine negative Entwicklung, 47 sind stabil oder ohne klaren Trend, 6 sind nicht bewertet, und bei 15 bestehen Datenlücken. Besonders auffällig: Negative Entwicklungen häufen sich in der obligatorischen Schulzeit und in der Adoleszenz. Hier sind die acht wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

Das grosse Paradox: Subjektiv gesund, aber...

Die grosse Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz schätzt die eigene Gesundheit als gut bis sehr gut ein. Bei den 1- bis 10-Jährigen sagen das laut ihren Eltern stolze 98,3 Prozent, und auch bei den 15- bis 24-Jährigen sind es in der Selbsteinschätzung 94,3 Prozent. Zudem ist die Todesfallrate bei den 0- bis 25-Jährigen seit den 1990er-Jahren um mehr als die Hälfte gesunken. Doch diese positive Gesamtbilanz täuscht darüber hinweg, dass das Wohlbefinden im Jugendalter zunehmend bröckelt.

Psychische Belastungen nehmen drastisch zu

Besonders beunruhigend entwickeln sich die Zahlen zur mentalen Gesundheit. Bei den 15- bis 24-Jährigen sind selbstberichtete, mittelschwere bis schwere Depressionssymptome seit 2017 um 45,8 Prozent angestiegen. Die allgemeine psychische Belastung schnellte im selben Zeitraum sogar um 58,5 Prozent in die Höhe. Betroffen ist heute rund ein Viertel beziehungsweise ein Fünftel der jungen Generation, wobei junge Frauen und sozial Benachteiligte die Hauptlast tragen.

Die psychische Belastung der Schweizer Jugendlichen hat drastisch zugenommen.
Die psychische Belastung der Schweizer Jugendlichen hat drastisch zugenommen.Bild: Shutterstock

Mehr Hospitalisierungen und Suizidversuche

Die psychische Not wird auch in den Spitälern festgestellt. Stationäre psychiatrische Behandlungen bei Mädchen und jungen Frauen unter 26 Jahren sind seit 2017 um 33,8 Prozent gestiegen. Noch deutlicher ist die Statistik bei den Notfall-Aufnahmen wegen mutmasslicher Suizidversuche: Diese haben sich bei den jungen Frauen seit 2017 verdoppelt (+100 Prozent). Bei den jungen Männern gab es ein Plus von 62,5 Prozent. Insgesamt sagen 4,7 Prozent aller 15- bis 24-Jährigen, dass sie in ihrem Leben bereits einen Suizidversuch unternommen haben.

Social Media, der digitale Stressfaktor

Als ein wesentlicher Treiber des emotionalen Drucks gilt die veränderte Lebensweise. Die problematische Nutzung von Social Media bei den 11- bis 15-Jährigen hat seit 2018 um 61,4 Prozent zugenommen – auch hier sind Mädchen besonders stark betroffen. Parallel dazu klagen Jugendliche immer häufiger über Begleiterscheinungen: Schlafstörungen bei den 15- bis 24-Jährigen sind seit 2017 um über ein Viertel (+27,6 Prozent) gestiegen.

Das digitale Fazit: Erhöhter Medienkonsum und sinkende Schlafqualität gehen bei vielen Jugendlichen Hand in Hand und verstärken die psychische Verwundbarkeit.

Übermässige Social-Media-Nutzung kann verheerende Folgen haben.
Übermässige Social-Media-Nutzung kann verheerende Folgen haben.Bild: Shutterstock

Gewichtsprobleme haben sich seit den 1990ern verdoppelt

Nicht nur die Psyche leidet, auch der Körper verändert sich. Der langfristige Trend zeigt: Übergewicht und Adipositas (schweres Übergewicht) haben sich seit den 1990er-Jahren in der Schweiz verdoppelt. Bei den 15- bis 24-Jährigen ist die reine Adipositas seit 2017 um 34,1 Prozent in die Höhe geklettert – ein erhebliches Risiko für chronische Krankheiten im späteren Erwachsenenalter.

Zu viel ungesundes Essen fördert Übergewicht.
Zu viel ungesundes Essen fördert Übergewicht.Bild: Shutterstock

Leistungsdruck, Mobbing und körperliche Beschwerden

Der Alltag in der Schule wird für viele zum Belastungstest. Die gefühlte Stressbelastung im Klassenzimmer ist bei den 11- bis 15-Jährigen seit 2017 um fast ein Drittel (+31,8 Prozent) gestiegen. Gleichzeitig nimmt das Mobbing zu: In der Schule gab es ein Plus von 9,5 Prozent, im Netz (Cybermobbing) explodierten die Zahlen sogar um 70,6 Prozent. Das hinterlässt Spuren: 35 Prozent leiden mittlerweile mehrmals pro Woche unter wiederkehrenden körperlichen Beschwerden wie Rücken-, Kopf- oder Bauchschmerzen (+38,5 Prozent). Die psychische Resilienz (Kontrollüberzeugung) sank im Gegenzug um ein Viertel (-25,4 Prozent).

Vapes boomen – Entwarnung bei Alkohol und Cannabis

Beim Konsum von Suchtmitteln zeigt sich eine deutliche Verschiebung. Klassische Suchtmittel verlieren an Boden: Der Konsum von Alkohol und Cannabis ist tendenziell rückläufig. Stattdessen greifen Jugendliche jedoch deutlich öfter zu neuartigen Tabak- und Nikotinprodukten. Der Konsum von E-Zigaretten (Vapes) stieg bei den 14- bis 15-Jährigen um knapp 30 Prozent, Snus verzeichnete gar ein Plus von 135,5 Prozent. Ein grosses Problem laut Bericht: Der Jugendschutz greift zu oft ins Leere, da die illegale Ab- und Weitergabe an Minderjährige zunimmt.

epa10663276 Young people use single-use vaping products in London, Britain, 30 May 2023. The UK government has announced it is cracking down on retailers providing free vape samples to children. The g ...
Vapes erfreuen sich bei Jugendlichen grosser Beliebtheit.Bild: keystone

Die Lichtblicke: Mehr Fitness und gute Versorgung

Trotz der vielen Baustellen liefert das Monitoring auch positive Nachrichten: Die körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen hat sich spürbar verbessert (+26,1 Prozent bei den 11- bis 15-Jährigen), und der Konsum von zuckerhaltigen Getränken geht zurück. Ausserdem sind die Durchimpfungsraten bei allen empfohlenen Impfungen auf einem extrem hohen Niveau (teilweise über 90 Prozent), und die Eltern stellen den Schweizer Spitälern bei Behandlungen ein hervorragendes Zeugnis aus.

Teenagers take part in a dancing class in Zurich, Switzerland, pictured on February 13, 2008. The course is part of the holiday sports program of the sports board of the city of Zurich. (KEYSTONE/Gaet ...
Bei sportlicher Aktivität können Schweizer Jugendliche abschalten.Bild: KEYSTONE

Das Fazit

Der KidsHealthCH-Bericht macht unmissverständlich klar: Der Schweizer Jugend geht es materiell und medizinisch-technisch hervorragend, aber die psychische Gesundheit leidet erheblich. Der massive Anstieg von Depressionen, Spitalaufenthalten nach Suizidversuchen und digitalem Stress ist ein lauter Weckruf. Das BAG fordert deshalb eine engere, sektorübergreifende Zusammenarbeit und gezielte Massnahmen – insbesondere für Mädchen und sozial benachteiligte Jugendliche, die am stärksten unter Druck stehen.

Datenbasis
Die Zahlen basieren auf den offiziellen Erhebungen von KidsHealthCH. Dabei handelt es sich um das zentrale Schweizer Monitoring-System für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 25 Jahren.

Herausgeber: Eidgenössisches Departement des Innern (EDI) / Bundesamt für Gesundheit (BAG), Abteilung Prävention NCD.

Datenstand: März 2026 (beinhaltet aktuelle Kennzahlen sowie langfristige Trendanalysen seit den 1990er-Jahren).

Fokus der Untersuchung: Kontinuierliche Erfassung und Analyse der physischen, psychischen und sozialen Gesundheit sowie des Gesundheitsverhaltens der heranwachsenden Generation in der Schweiz.
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63 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Snowy
23.06.2026 11:20registriert April 2016
Wenn ich Eltern nur einen einzigen Erziehungstipp mitgeben dürfte, so wäre dies:

Beschränkt die Bildschirmzeit auf ein absolutes Minimum!

Wahnsinn, wieviele Kinder quasi dauernd am Bildschirm sind, weil es für die Erwachsenen so angenehmer ist. Gerade in der wichtigsten Entwicklungszeit von 0 bis 6 Jahre.

Ein Kind, welches nie "Langeweile" gespürt hat und dauernd "bespast" wird, wird nie lernen strukturiert zu denken, sich selber für etwas zu motivieren, anzupacken und das Wichtigste: Mit seinen Emotionen und Gefühlen umzugehen.

Wer sein Kind liebt, sagt öfters Nein (auch zum Bildschirm).
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mibster81
23.06.2026 11:28registriert April 2020
Zum Glück bin ich mit dem Game Boy aufgewachsen und nicht mit dem Smartphone <3
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Uffelienchen
23.06.2026 11:20registriert April 2024
Tiktok zieht die Jugendlichen in eine stundenlose Schleife, die die Aufmerksamkeitsspanne nachweislich auf wenige Sekunden schrumpft.Für China (Douyin): Die chinesische Version ist streng reguliert. Jugendliche unter 14 Jahren dürfen die App maximal 40 Minuten pro Tag nutzen. Vor allem aber zeigt der Algorithmus dort primär wissenschaftliche Experimente, Museumsführungen, geschichtliche Bildung und patriotische Inhalte. China schützt die eigene Jugend vor der digitalen Betäubung, während es den Westen damit flutet
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