Schweiz
Gesundheit

Krankenkassenprämien seit 1996: 5 Fakten vor der Erhöhung 2027

Die Wechselbereitschaft in Sachen Krankenkasse ist bei Schweizerinnen und Schweizern relativ gering. (Archivbild)
In den letzten 30 Jahren haben sich die Krankenkassenprämien in der Schweiz verdreifacht.Bild: sda

So stark sind die Krankenkassenprämien seit 1996 gestiegen – und das sind die Preistreiber

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider verkündet morgen die Krankenkassenprämien 2027 – und sie dürften erneut steigen. 5 Fakten zu 30 Jahren Prämienschock, den aktuellen Preistreibern und einem Lichtblick fürs Jahr danach.
28.09.2026, 17:5428.09.2026, 17:54

Morgen Dienstag um 14 Uhr verkündet Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider die Krankenkassenprämien für 2027. Erwartet wird ein Plus von rund 5 Prozent – mehr als im Vorjahr. Fünf Fakten zeigen, wie stark die Prämien seit der Einführung des Obligatoriums 1996 schon gestiegen sind und was hinter dem Anstieg steckt.

Verdreifachung seit 1996

Seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1996 hat sich die mittlere Prämie über alle Altersgruppen und Versicherungsmodelle mehr als verdreifacht: von rund 128 Franken pro Monat auf geschätzte 393 Franken im laufenden Jahr. Das entspricht einem Plus von 207 Prozent. Zum Vergleich: Die allgemeinen Preise sind im gleichen Zeitraum nur um rund 20 Prozent gestiegen.

Verändert hat sich auch, wie die Schweiz versichert ist: 1996 wählten nur 2 Prozent ein Modell mit eingeschränkter Arztwahl, heute sind es über 80 Prozent, die auf ein günstigeres Telmed-, HMO- oder Hausarztmodell setzen.

Nächste Erhöhung bereits absehbar

Für 2027 rechnen Fachleute sowie die «NZZ am Sonntag» übereinstimmend mit einem Anstieg von rund 5 Prozent, mehr als die 4,5 Prozent des letzten Jahres. Die exakte Zahl verkündet Baume-Schneider aber erst morgen. Ein Blick zurück zeigt: Sprünge von 7 oder 8 Prozent gab es in den vergangenen 30 Jahren mehrmals, nur in zwei Jahren sanken die Prämien leicht.

Das treibt die Kosten

Als Ursache der steigenden Gesundheitskosten nennt der Bundesrat die alternde Bevölkerung, den medizinisch-technischen Fortschritt, eine steigende Inanspruchnahme von Leistungen und Fehlanreize im Tarifsystem. Neue Therapien erweitern die Behandlungsmöglichkeiten, treiben aber auch die Kosten – ebenso wie neue, hochpreisige Medikamente.

Zwei Posten fallen aktuell besonders auf: Spezialisierte Betreuungsfirmen vermitteln Personal, das etwa pflegebedürftige Angehörige im Alltag unterstützt, für rund 53 Franken pro Stunde. Laut Krankenkassenverband Priswiss kostet diese Angehörigenpflege die Prämienzahlenden 2026 mindestens 350 Millionen Franken.

Dazu kommen Abnehmspritzen wie GLP-1-Analoga: Eine Behandlung gegen Adipositas oder Diabetes Typ 2 kostet pro Person rund 2100 Franken im Jahr, schweizweit summiert sich das auf etwa 160 Millionen Franken – obwohl viele die Therapie schon nach wenigen Monaten wieder abbrechen und das Gewicht danach oft rasch zurückkehrt.

Nicht überall gleich teuer

Am stärksten gestiegen ist seit 1996 die Prämie in Appenzell Ausserrhoden: von 90,69 Franken vor 30 Jahren auf 341,20 Franken im Jahr 2026 – ein Plus von 276 Prozent. Kaum weniger stark zugelegt haben Graubünden (+265 Prozent) und Thurgau (+261 Prozent). Am moderatesten stieg sie in der Waadt (+150 Prozent), knapp gefolgt von Zug (+153 Prozent) und Genf (+165 Prozent). Am teuersten ist die Prämie 2026 im Tessin mit 501,50 Franken, am günstigsten bleibt sie in Zug mit 264,50 Franken.

Politik sucht Lösungen

2024 nahm das Volk die Efas-Reform an: Ab 2028 beteiligen sich die Kantone erstmals auch an ambulanten Behandlungen, Medikamenten, Labor- und Physiotherapiekosten, nicht mehr nur an Spitalaufenthalten – sie übernehmen einen Viertel der Kosten, die Krankenkassen den Rest. Das dämpft laut einer BAG-Berechnung vom Sommer die Prämien schweizweit um rund 2 Prozent, gut 800 Millionen Franken pro Jahr.

Am stärksten profitieren gemäss «Tages-Anzeiger» die Kantone Tessin (−197 Franken pro Kopf) und Zürich (−121 Franken). Ob es irgendwo gar für eine Nullrunde oder sinkende Prämien reicht, hängt davon ab, wie stark die Gesundheitskosten bis dahin weitersteigen.

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