Schweiz
Graubünden

Feuerwerke an Silvester und Neujahr Schweiz: Hier finden 2024 keine statt

Zuschauer verfolgen eine Drohnenshow am Bielersee, am Montag, 31. Juli 2023 in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Eine Drohnenshow über dem Bielersee, 31. Juli 2023. Bild: keystone

Natur und Tieren zuliebe: Hier sind Feuerwerke verboten

30.12.2024, 15:3231.12.2024, 08:24
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Das Thema ist mit mehr Sprengstoff beladen als die Böller selbst: Soll das private Abbrennen von Feuerwerk an Silvester und am 1. August weiterhin erlaubt sein?

Schweizweit gelten unterschiedliche Regelungen. Beim Bund ist eine Volksinitiative hängig, die den Verkauf und die Verwendung von lärmenden Feuerwerkskörpern für Privatpersonen verbieten will. Grosse Feuerwerke, zum Beispiel an Stadtfesten, sollen weiterhin von den Kantonen bewilligt werden können.

76 Prozent der Schweizer Bevölkerung wollen lautes Feuerwerk für Private verbieten. Dies geht aus einer repräsentativen watson-Umfrage vom Dezember 2023 hervor.

Der Bundesrat lehnt die Volksinitiative allerdings ab. Er will auch keinen Gegenvorschlag dazu, weder in der Verfassung noch auf Gesetzesstufe. Der Lärm und die Feinstaub-Emissionen durch Feuerwerk seien zeitlich begrenzt und vergleichsweise gering, teilte er im Januar mit. Zudem gebe es in Kantonen und Gemeinden bereits Rechtsgrundlagen, um Feuerwerk einzuschränken.

Besonders die Gemeinden eines Kantons haben von den Möglichkeiten Gebrauch gemacht, die Tradition verstummen zu lassen: Graubünden.

Darunter fallen auch Tourismusmagnete: Davos erliess 2020 als erste Gemeinde der Schweiz ein gesetzlich verankertes Feuerwerkverbot. Die Initiative ist von der Stimmbevölkerung mit grosser Mehrheit angenommen worden. Wer sich nicht an das Verbot hält, muss mit einer hohen Busse von bis zu 5000 Franken rechnen.

Zwei Jahre nach dem ersten Feuerwerksverbot führten weitere Gemeinden in Graubünden ähnliche Gesetze ein, darunter Laax, St.Moritz, Scuol.

Andere Gemeinden in Graubünden haben kein Verbot erlassen, bitten Einheimische und Gäste aber, freiwillig auf das Abbrennen von Feuerwerk zu verzichten.

Einige Gemeinden gaben an, dass die Verbote und Verzichte der Natur und den Tieren zuliebe erfolgt seien. Feuerwerk verursacht den Bundesbehörden zufolge jedes Jahr 200 bis 400 Tonnen Feinstaub. Somit machten Feuerwerke ein bis zwei Prozent der jährlichen Gesamtemissionen aus. Insbesondere bei niedrigen Temperaturen und sogenannten Inversionslagen blieben die Schwebepartikel lange in der Luft.

Doch die Feuerwerkskörper sind nicht nur eine Belastung für die Umwelt, sondern versetzen auch Tiere in Panik. Tiere besitzen häufig eine höhere Hörsensibilität als Menschen. Laute Knalle können bei ihnen Stressreaktionen auslösen, die nicht nur ihr Wohlbefinden, sondern auch ihre körperliche Gesundheit gefährden, indem das Immunsystem geschwächt wird.

Gefährdet sind auch Wildtiere, die aus Panik flüchten, durch laute Geräusche ihre Orientierung verlieren und sich dabei in gefährliche Situationen begeben. Einige Tiere können sogar in ihrer Fortpflanzung beeinträchtigt werden.

Ein leuchtender Flickenteppich am Schweizer Himmel

In Städten wie Zürich, Bern oder Genf gibt es zwar kein generelles Feuerwerksverbot, doch in einigen städtischen Zonen oder Naturschutzgebieten gelten strikte Regelungen. Auch im Wallis gibt es in vielen Gemeinden Einschränkungen, um Natur und Tiere zu schützen. Ein striktes Verbot für Knallkörper an Silvester gilt in Liestal, dem Hauptort des Kantons Basel-Landschaft. Am 1. August sind Raketen und Böller allerdings erlaubt.

(Mit Material der sda)

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131 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Antinatalist
30.12.2024 16:36registriert September 2019
"Beim Bund ist eine Volksinitiative hängig, die den Verkauf und die Verwendung von lärmenden Feuerwerkskörpern für Privatpersonen verbieten will."

Äh. der Bundesrat hat die Initiative mit der Begründung abgelehnt, dass die Kantone bereits die Möglichkeit hätten, Verbote zu erlassen.

So viel zum demokratischen Verständnis in der Schweiz.

Aber ganz abgesehen davon werden schon seit drei Wochen täglich Böller und Raketen gezündet. Das allein zeigt, dass ein nationales Verbot nötig ist. Läden wie Coop, Lidl haben direkt nach dem Tannenbaumfest schon ihre Feuerwerksverkaufszelte aufgestellt. 👎
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Quaerentius
30.12.2024 17:23registriert Mai 2022
Ich hoffe einfach, dass die Initiative, wenn sie dann vors Volk kommt, trotz der Ablehungsempfehlung des Bundesrates wie in Davos “mit grosser Mehrheit der Stimmbevölkerung“ angenommen werden wird.
Es darf geblitzt werden, ist wie ein kleiner symbolischer letzter Frauenfurz …
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Bemic
30.12.2024 16:36registriert April 2023
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