Dicke Luft wegen Dürre: So wollen die Grünen der SVP Bauern abwerben
Die anhaltende Trockenheit lässt Felder und Weiden verdorren – und macht politische Gräben in der Landwirtschaft sichtbar. «Schluss mit dem Schweigen, setzt euch für uns ein!» Mit deutlichen Worten wandten sich Bäuerinnen und Bauern diese Woche in einem offenen Brief an den Bauernverband.
Die Absender werfen dem Verband vor, in den vergangenen Wochen rund ums Thema Trockenheit «beharrlich» geschwiegen zu haben. Kurzfristige Massnahmen wie die Senkung von Zöllen für Futtermittel oder die Lockerung der Label-Vorschriften begrüsse man zwar. Doch das reiche nicht, heisst es in dem Schreiben, das bis Donnerstagmittag über 1500 Personen online unterzeichnet haben. «Neben Massnahmen zur Anpassung der Schweizer Landwirtschaft an ein heisseres Klima benötigen wir dringend auch effektive Klimaschutzmassnahmen, die die weitere Erderhitzung abbremsen.»
«Geht es um konkrete Massnahmen, ist man dagegen»
Hinter dem offenen Brief stehen Finn Suter, Betriebsleiter in einem Gemüsebaubetrieb in der Region Zürich, sowie weitere Bäuerinnen und Bauern. Suter kritisiert die passive Rolle des Bauernverbands beim Klimaschutz. «Bei konkreten Massnahmen ist man häufig einfach dagegen, statt konstruktiv Vorschläge einzubringen.»
Grünen-Nationalrat und Biolandwirt Kilian Baumann hat den Brief nicht mitunterzeichnet – er sagt aber, er könne die Verzweiflung verstehen. «Hier ein Pflästerli, da ein Pflästerli», fasst er die aktuellen Forderungen zusammen. Man könne schon immer mehr Entschädigungen fordern, doch löse dies das Problem nicht. Auch er wirft dem Bauernverband vor, sich zu wenig für den Klimaschutz einzusetzen, obwohl die Landwirtschaft von den Folgen der Klimaerwärmung zuvorderst betroffen ist.
Grüne schenken Bauern Mitgliedschaft
Die Grünen machen sich die aufgekommene Kritik am Bauernverband für eigene Zwecke zunutze. In einer am Freitag gestarteten Kampagne wenden sie sich direkt an die dürregeplagten Bäuerinnen und Bauern. Mit einem Geschenk wollen sie die Landwirte, viele SVP-nah, für sich gewinnen: Werden sie Parteimitglied, offerieren sie ihnen die Mitgliedergebühr für ein Jahr. Je nach lokaler Sektion sind das bis zu 300 Franken. «Wenn wir auch in Zukunft noch ernten wollen, müssen wir jetzt Lösungen suchen», sagt Kilian Baumann in einem Videoclip an seine Berufskollegen gewandt.
Der Bauernverband weist den Vorwurf vehement von sich, sich gegen Klimaschutzmassnahmen einzusetzen. «Wir anerkennen sowohl die besondere Betroffenheit als auch die Verantwortung der Landwirtschaft», schreibt der Verband in einer Antwort auf den offenen Brief der Landwirte. Man habe beispielsweise 2021 die Ja-Parole zum CO2-Gesetz beschlossen und 2023 auch das Klimagesetz befürwortet. Er wirft den Absendern des Briefs eine politisch motivierte Aktion vor, «um Aufmerksamkeit zu generieren und nicht, um effektiv etwas zu bewirken».
Bauer Finn Suter wehrt sich gegen die Anschuldigung. Er zeigt sich enttäuscht über die Reaktion des Bauernverbands. Die politischen Gräben in der Landwirtschaft: Sie bleiben tief. (schweizheute.ch)

