Diese beiden kontroversen Iraner sollen morgen in die Schweiz reisen
Mohammad Bagher Ghalibaf: Der unbeliebte Selbstdarsteller
Mit dem iranischen Delegationsleiter Mohammad Bagher Ghalibaf kommt einer der bekanntesten Selbstdarsteller im Iran in die Schweiz. Der frühere Kommandeur der Luftstreitkräfte der Revolutionsgardisten hatte in den neunziger Jahren eine Pilotenausbildung absolviert, die ihn zum Steuern von Airbus-Flugzeugen berechtigte.
Mit der weissen Pilotenuniform trat er sogar in Präsidentschaftswahlkämpfen auf, um sich als tatkräftiger Macher von der blassen Zunft der Kleriker abzuheben. Mit seinen oft gockelhaften Auftritten konnte er die Herzen der Iraner aber nicht gewinnen.
Trotzdem hat die iranische Staatspropaganda das Pilotenmotiv jetzt wieder aufgegriffen: Auf Regierungskanälen ist von «Captain Ghalibaf» die Rede, der «mit derselben sicheren Hand verhandle, mit der er einst die Linienmaschinen der Iran Air landete».
Der iranische Historiker Arash Azizi sagt: «Ghalibaf ist einer der letzten Überlebenden des alten Regimes, der das Zeug zu einer Führungsfigur hat.» Für ihn gehe gerade «ein Lebenstraum in Erfüllung».
Der 64-jährige Ghalibaf konnte erst nach der gezielten Tötung von Ali Larijani zu einem der mächtigsten Männer im Iran aufsteigen. Der amtierende Parlamentspräsident ist für die strategische Linie verantwortlich, während der Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi, die militärische Front führt und Präsident Pezeshkian das Tagesgeschäft verwaltet.
Anders als Vahidi, der die sich anbahnende Verhandlungslösung mit den USA noch immer ablehnt, hat sich Ghalibaf von einem zunächst strikten Gegner zum Befürworter der Gespräche mit den USA entwickelt – ein pragmatischer Schwenk, der für sein politisches Überleben ebenso aufschlussreich ist wie für die innere Machtbalance der Islamischen Republik.
Abbas Araghchi: Der gewiefte Hardliner
Während Ghalibaf als politisches Schwergewicht des Regimes die Verlässlichkeit des Deals mit dem langjährigen amerikanischen Erzfeind symbolisieren soll, ist es Aussenminister Abbas Araghchi, der das diplomatische Handwerk besorgt hat. Kaum ein iranischer Spitzendiplomat sitzt länger und vor allem routinierter am Verhandlungstisch mit dem Westen als er. Der 1962 geborene Sohn eines Teppichhändlers nahm bereits als Teenager an der Islamischen Revolution teil.
In den achtziger Jahren kämpfte er in den Reihen der Revolutionsgardisten im Krieg gegen den Irak. Es ist diese biografische Fussnote, die Araghchi bis heute die innenpolitische Legitimität als Systemtreuer verschafft – auch wenn sein eigentlicher Werdegang auf dem diplomatischen Parkett geprägt worden ist. Als Stellvertreter des ehemaligen iranischen Aussenministers Mohammad Javad Zarif war Araghchi an den Wiener Verhandlungen beteiligt, die 2015 zum Atomabkommen des Iran mit dem Westen führten. Er leitete auch die Nachverhandlungen, als die USA unter Trump aus dem Deal ausstiegen.
Im August 2024 berief Präsident Pezeshkian Araghchi zum Aussenminister. Das Ziel war klar: Der an der University of Kent zum Politikwissenschafter ausgebildete Karrierediplomat sollte das Verhältnis zu Europa kitten und nach Wegen für einen kritischen Dialog mit Washington suchen. Genau diese Rolle füllt Araghchi, der neben Persisch auch Arabisch, Englisch und Japanisch fliessend spricht, jetzt auch aus.
Vor zu viel Nähe warnt indes die konservative iranische Tageszeitung «Khorasan», die Ghalibaf nahesteht. Sie schrieb am Mittwoch, iranische Amtsträger sollten in der Schweiz kein gemeinsames Foto mit US-Vertretern machen, und ihnen auch nicht die Hand schütteln. Washington sei auf genau solche Bilder aus, hiess es. (schweizheute.ch)
