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Kachelmann schimpft über die Deutschen wegen Hitze-Mythen

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Jörg Kachelmann hat wenig Verständnis für gewisse Mythen bezüglich Wetter und Klima.Bild: DPA-Zentralbild

Kachelmann schimpft über die Deutschen wegen Hitze-Mythen: «Schwurbler-Land Nr. 1»

Wetterexperte und Moderator Jörg Kachelmann geht in einem Podcast hart mit in Deutschland (und auch der Schweiz) weit verbreiteten Irrglauben bezüglich Klima und Gesundheit ins Gericht. Auch zur Ursache der aktuellen Hitzewelle äussert er sich deutlich.
15.08.2026, 16:1915.08.2026, 16:34

Nicht nur die Schweiz leidet unter der Hitze, auch in Deutschland sinkt das Thermometer kaum mehr unter 30 Grad. Für Wetterexperte Jörg Kachelmann ist der Umgang der Deutschen mit der Hitze äusserst fraglich. Im Podcast der Bild-Zeitung spricht der 68-Jährige deshalb Klartext.

Besonders einige weit verbreitete Halbwahrheiten und Aberglauben über Wetter, Klima und Gesundheit sind dem Schweizer Meteorologen, der auch als Moderator und Unternehmer tätig ist, ein Dorn im Auge. So sagt er beispielsweise über den Tipp, dass man die Fenster bei Hitze tagsüber geschlossen lassen soll:

«Das führt dazu, dass viele alte Menschen in ihren kleinen Alterswohnungen wirklich auf erbärmlichste Art und Weise – ich kann es nicht anders sagen – verrecken.»

Hitze in Kombination mit der Feuchtigkeit durch das Atmen könnte ohne Luftzirkulation zu Zuständen «wie in den Tropen» führen – und somit die Bedingungen noch weit belastender machen, was sogar tödlich enden könne.

Gar richtig sauer wird Kachelmann bei Vorurteilen gegenüber Klimaanlagen und Ventilatoren:

«Viele Menschen würden auch ganz einfach überleben oder gut schlafen, wenn sie einen grossen Ventilator (...) einen halben Meter oder einen Meter vor dem Gesicht hätten in der Nacht. Aber der Aberglaube in diesem Land ist so gross. (..)»

Deutschland sei, so glaube er, das «Schwurbel-Land Nummer eins» auf der Welt. Beispielsweise gebe es den Irrglauben, dass Durchzug und ein steifer Nacken krank machen könnten. Auch die Klimaanlagen-Skepsis der Deutschen geht dem 68-Jährigen auf den Wecker. Er sagt sogar:

«Diese Hitzetoten wären vermeidbar, wenn sich irgendjemand für dieses Thema interessiert hätte.»

Auch jetzt würden noch Schulen ohne Kühlsysteme geplant. Wie das noch sein könne, wisse er nicht:

«Ihr seid einfach ein durchgeknalltes Land. Da sind wir wieder bei bildungsfern und wissenschaftsfeindlich.»
MDR - Riverboat. Moderator J�rg Kachelmann anl��lich der Aufzeichnung der MDR - Talkshow Riverboat am 28.10.2022 in der Mediacity Leipzig. 20221028SFL0048 *** MDR Riverboat host J�rg Kachelmann on the ...
Nimmt kein Blatt vor den Mund: Jörg Kachelmann.Bild: www.imago-images.de

In seinem Rundumschlag wettert Kachelmann auch gegen obsessives Autowaschen während der aktuellen Dürreperiode, Widersprüche in der deutschen Klimapolitik und das fehlende Verständnis für Zusammenhänge bezüglich Wetter und Klima. Der aktuelle Wassermangel habe wenig mit der Hitze zu tun, sondern vielmehr mit dem ausbleibenden Regen.

«Und das werden die Deppen kommende Woche schmerzhaft sehen, wenn es plötzlich 15 Grad kühler geworden ist und nicht wie durch ein Wunder plötzlich alle Flussbetten wieder bis oben gefüllt sind.»

Der Meteorologe glaubt zudem, dass die Hitze in Europa – oder zumindest in Deutschland – noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. In diesem Jahr habe Frankreich den Schwerpunkt der Hitzewelle abbekommen – doch dieser könne sich auch ohne Weiteres in den kommenden Jahren auch einmal weiter östlich befinden. Auch in Berlin seien deshalb 45 Grad möglich.

Bezüglich der Ursache für die Hitze ist für Kachelmann klar, dass die Menschen selbst die Verantwortung trügen:

«Wir heizen die Atmosphäre auf. Das wissen wir. Das ist auch physikalisch belegt. Wenn man mehr Treibhausgase in dieses System reinbläst – das kann man berechnen – dann wird das System wärmer.»

(con)

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