Ich hasse Sandstrände
Doch damit hört es für mich auch schon auf mit positiven Gefühlen gegenüber Sandstränden. Denn eigentlich gibt es – neben Weihnachtsguetzli – nicht viel Dümmeres als Sandstrände.
Ich hasse Sandstrände. Also nicht Sandstrände per se. Am Strand spazieren, ihn bestaunen – das ist super. Aber so einen Tag da verbringen: absolute Hölle.
Dabei war ich früher fast ein kleiner Sandstrandjäger. Ich besuchte einige der schönsten Strände der Welt: Whitehaven auf den Whitsunday Islands, Lopes Mendes auf Ilha Grande, Pulau Perhentian, Tulum und weitere an der Karibikküste in Zentralamerika. Ich lag an der Copacabana in Rio (selten so enttäuscht gewesen), am Bondi Beach in Sydney oder bräunte mich am Clifton 4 in Kapstadt. Ich entdeckte einsame Strände auf Madagaskar, endlose Exemplare an der Küste von Mosambik oder Sansibar, eine Kombination davon im ivorischen Assinie-Mafia und staunte in Wales oder Litauen über deren Perlen.
Aber einen ganzen Tag an so einem Strand verbringen – das schaffte ich noch nie. Also: Ich wollte es noch nie schaffen.
Es fängt schon an, wenn du das Badetuch ausbreitest. Ich weiss nicht, wie das Universum das macht, aber ich kann mir noch so Mühe geben und ganz «süüferli» vorgehen: Kaum liegt das Tuch auf dem Sand, hat es auch schon wieder irgendwoher Sand auf dem Stoff.
Danach wirst du bei jedem Lüftchen mit Sand paniert. Wobei: Es braucht auch keinen Wind dafür. Vielleicht spaziert jemand an dir vorbei und kickt (unabsichtlich) Sand auf dich oder jemand schüttelt sein Badetuch in der Nähe aus und es schneit. Weil du dich ja vorbildlich mit Sonnencreme eingeschmiert hast, kleben die Sandkörner perfekt am Körper. Ich hasse dieses Gefühl.
Die einzige Möglichkeit, den Sand loszuwerden, ist ein Bad im Meer. Aber Achtung: Im Hochsommer ist der Sand so heiss wie flüssige Lava. Die Füsse verbrennst du dir auf den 20 Metern bis zum Wasser – ausser du rennst oder bist ein extrem talentierter «Dä Bode isch Lava»-Spieler.
Und nachher klebt statt Sand halt einfach Salz an deinem Körper. Das kannst du natürlich abduschen – dumm nur, dass danach auf deinem Badetuch die Sandkörner nur so darauf warten, sich an deinen nassen Körper zu heften. Wirklich verloren hast du, wenn du so ein T-Shirt anziehst. Bin ich der Einzige, den es danach immer juckt?
Ich weiss, ein Liegestuhl schafft etwas Abhilfe. Dummerweise hat der Liegestuhl kaum in meiner Sporttasche Platz. Das wissen findige Anbieter an den Mittelmeerstränden natürlich längst. Aber sind wir mal ehrlich: In diesem Meer von überteuerten Mietliegestühlen will niemand wirklich liegen.
Was den Sandstrand-Tag zusätzlich erschwert: Kinder. Natürlich lieben sie den Strand. Sandburgen bauen oder Eltern eingraben – herrlich. Da geht aber auch Spielzeug verloren, weil es irgendwie unter den Sand gerät, ein Melonenschnitz fällt in den Sand und muss mühsam abgewaschen werden. Beim Spielen werden Zigi-Stummel ausgegraben, welche irgendein Idiot da lässig auf den Sand warf und mit einer Fussbewegung (vorübergehend) verschwinden liess.
Es wäre doch so viel einfacher, wenn es an den Stränden einfach schöne Wiesen gäbe. Ähnlich weich, nichts klebt, nichts juckt, kein Lieblingsspielzeugauto kann vergraben werden, den Melonenschnitz nimmst du einfach wieder auf, schüttelst bisschen und isst weiter.
Sand und Meer braucht es – ausser für schöne Fotos – nur an einer Stelle: im seichten Ufergebiet, wo er den Untergrund für die Füsse zur Wohlfühloase macht. Dann klebt Sand nicht, juckt nicht, wird nicht heiss, fliegt nicht überall hin. Perfekt.
