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Iran-Krieg und Tourismus-Statistiken: Das sind Schweizer Veränderungen

Tagesbesucher und Touristen geniessen das tolle Fruehlingswetter am See und Reussufer in der Stadt Luzern am Vierwaldstaettersee am Ostersonntag, 5. April 2026 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Noch kommen die Gäste: Der Schweizer Tourismus erzielte im ersten Quartal erneut ein Plus.Bild: keystone

Wegen Iran-Krieg: Diese Veränderungen sind im Schweizer Tourismus zu spüren

Im ersten Quartal verzeichneten hiesige Hotels erneut mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Doch der Iran-Konflikt macht sich nun erstmals in den Zahlen bemerkbar. Diese Schweizer Destinationen sind besonders betroffen.
09.05.2026, 07:2009.05.2026, 07:21

Als Donald Trump Anfang März den Krieg gegen den Iran anzettelte, gefror vielen Hoteliers in der Schweiz das berufsbedingte Lächeln ein. Obwohl die Schweiz als sicheres Land gilt, befürchteten sie Schlimmes. Der Iran attackierte im Gegenzug nämlich die Golfstaaten und deren Öl-Infrastruktur. Das verteuert das Kerosin und damit das Fliegen. Viele asiatische Touristen nutzen daher Flughäfen wie Dubai, um in die Schweiz zu reisen.

Der Betrieb der Wüsten-Hubs wurde zunächst stillgelegt und ist bis heute nicht komplett normalisiert. «Interlaken ist leer gefegt», titelte «20 Minuten» darauf. Der Zürcher Tourismus-Chef sagte der NZZ: «Je länger der Konflikt dauert, desto grösser werden die Einbussen».

Nun zeigt sich: Bisher ist alles halb so schlimm. Während einige Destinationen unter der Weltlage leiden, rechnet Schweiz Tourismus laut einer Mitteilung vom Donnerstag für das ganze Land nur mit einem «moderaten Rückgang» von 2 bis 3 Prozent der Logiernächte im Gesamtjahr. Es gehe – anders als bei der Corona-Pandemie – nur um Verschiebungen in einzelnen Märkten. Nichtsdestotrotz: Es wäre der erste Rückgang der Logiernächte seit Corona.

Im März zeigten sich die Auswirkungen des Iran-Konflikts erstmals. Laut gestern veröffentlichten Zahlen des Bundes resultierte dann ein Minus von 5,2 Prozent der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahresmonat. Allerdings geht dies zu einem Teil auf kalendarische Effekte zurück – etwa die Sportferien, die im Vorjahr in vielen Kantonen im März statt wie dieses Jahr im Februar stattfanden.

Über das gesamte erste Quartal betrachtet, verzeichnete die Schweizer Hotellerie im ersten Quartal noch ein Mini-Plus von 0,1 Prozent mehr Logiernächten als im bisherigen Rekordjahr 2025. Ein Minus von 2,0 respektive 0,9 Prozent registrierten die Bergkantone Graubünden und Wallis. Für sie ist das erste Quartal die wichtigste Zeit, weil die Wintersaison beinahe vollständig in dieses fällt. In einer Ganzjahresbetrachtung ist jeweils der Kanton Zürich jener mit den meisten Logiernächten. Er legte im ersten Quartal um 1,7 Prozent zu. Auch Bern und Genf schlossen mit einem Plus ab.

Nach einem starken Vorjahr kam ein leichter Rückgang im Kanton Basel-Stadt nicht überraschend. Auch Waadt verlor auf hohem Niveau. Deutlich stärker war das Minus in den Kantonen Solothurn (-8,3 Prozent), Uri (-7,8 Prozent) und im Kanton Neuenburg (-5,9 Prozent).

Unter den Gemeinden mit den meisten Logiernächten legten Zürich, Zermatt und Genf etwas überdurchschnittlich zu. Im Minus waren neben der Stadt Basel auch die Bündner Gemeinden Davos, Arosa und Pontresina, die Stadt Bern oder Grindelwald BE.

Die Zahl der heimischen Gäste blieb im ersten Quartal stabil. Sie machten über die Hälfte der Übernachtungen in Hotels aus. Schweiz Tourismus rechnet damit, dass sie – zusammen mit den Gästen aus dem angrenzenden Ausland – auch im Sommer eine wichtige Stütze bilden werden. So berichte etwa das Tessin von einem höheren Interesse von Gästen aus der Schweiz für die Monate Mai bis Juli.

Einen regelrechten Boom erlebt die Schweiz seit einigen Jahren bei Gästen aus den USA. In Regionen wie Zürich bilden sie bereits die grösste ausländische Gästegruppe. Befürchtungen, wonach die US-Amerikaner die Lust auf Reisen in die teure Schweiz verlieren, bewahrheiten sich bisher nicht: Im ersten Quartal generierten sie erneut ein Plus von 4,0 Prozent und bildeten schweizweit nach den einheimischen Gästen und jenen aus Deutschland (+1,4 Prozent) den grössten Block.

Eine starke Zunahme verzeichnete die Schweiz auch bei den Gästen aus dem wirtschaftlich prosperierenden Polen (+17,4 Prozent im ersten Quartal) und aus Kanada (+9,0 Prozent). Weil Donald Trump eine feindselige Politik gegenüber seinem nördlichen Nachbarland betreibt, meiden viele Kanadier die Vereinigten Staaten als Reiseziel und suchen sich nach Alternativen um. Davon profitiert auch die Schweiz.

Sowohl Polen als auch Kanada haben im ersten Quartal Indien überholt. In diesem Markt, für den die Golfstaaten-Hubs wie Dubai eine wichtige Rolle spielen, macht sich der Iran-Konflikt stark bemerkbar. Im ersten Quartal resultierte bei den indischen Gästen ein Minus von 15,0 Prozent. Dass die Airline Swiss zusätzliche Direktflüge zwischen Zürich und Delhi aufgelegt hat, könnte diese negative Entwicklung zumindest etwas stoppen. Doch die Krise könnte nun an Fahrt aufnehmen. Laut einer Umfrage von Zürich Tourismus berichten bereits 54 Prozent der befragten Betriebe von einem Rückgang der Nachfrage in den vergangenen vier bis sechs Wochen. Zudem gebe es kurzfristigere Buchungen und mehr Annullationen.

Schweiz Tourismus geht davon aus, dass Destinationen, die stark auf Gäste aus betroffenen Regionen gesetzt haben, dieses Jahr stärker leiden werden als der Rest. Man nehme dies ernst. Insgesamt aber, so die Prognose, werde «der Schweizer Tourismus nicht erschüttert.»

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