«Das ist eine Ohrfeige für mich und alle afghanischen Frauen»
«Ich sehe eine Burka als Gefängnis»: Das sagt Jacqueline Ahmadi, eine afghanisch-deutsche Anwältin. «Frauen, die in eine Burka gezwungen werden, sind wie Vögel, die nicht fliegen können», sagt Ahmadi im Interview mit der «NZZ am Sonntag».
Sie schildert, wie unerträglich das Leben für Frauen unter der Terrorherrschaft der Taliban in Afghanistan geworden ist. «Den Afghaninnen werden jegliche Rechte genommen», sagt sie. Das Haus verlassen dürften sie, wenn überhaupt, nur noch mit ihrem Ehemann oder Vater – und auch das nur vollverschleiert.
Das Schweizer Parlament diskutiert in der Herbstsession darüber, ob der Grundsatz, dass alle Frauen, die aus Afghanistan in die Schweiz kommen, pauschal als Geflüchtete anerkannt werden, weiterhin gelten soll. Diese Praxis gilt seit 2023, als die Taliban ihre Macht in Afghanistan immer stärker ausweiteten. Verschiedenen bürgerlichen Politikerinnen und Politikern in der Schweiz ist die Regelung ein Dorn im Auge.
Ahmadi hat dazu eine klare Meinung: «Das fühlt sich an wie eine Ohrfeige für mich und alle afghanischen Frauen». Es frustriere sie, dass man in der Schweiz und in Deutschland damit beginne, Afghaninnen und Afghanen zu beschneiden und gleichzeitig die Taliban hofieren.»
Die Schweizer Behörden haben sich im vergangenen Jahr mit einer Taliban-Delegation in Genf getroffen, um auszuloten, inwieweit diese bereit ist, straffällige Asylsuchende wieder aufzunehmen.
Ahmadi setzt sich dafür ein, dass Mädchen von klein an beigebracht wird, dass sie selbst entscheiden dürfen, ob sie ein Kopftuch tragen wollen, sagt sie gegenüber der «NZZ am Sonntag». Ein Kopftuchverbot an Schulen, wie es momentan verschiedene Schweizer Kantone diskutieren, sieht sie kritisch: «Das würde eher den religiösen Fundamentalisten helfen, sich als Opfer zu inszenieren».
(her)
